Interview mit Stephan Kampwirth: "Ich kann durchaus einsichtig sein"

Interview mit Stephan Kampwirth: "Ich kann durchaus einsichtig sein"

Stephan Kampwirth ist ein schauspielerischer Allrounder. Theater, Kino, Serie, Film. Zuletzt war er in "Who Am I" im Kino zu sehen. Im dritten Teil der ZDF-Reihe "Lena Fauch – Vergebung oder Rache?" (heute, 20.15 Uhr) spielt der Wahl-Hamburger den Kommissar Thomas Lammers, der in einem brutalen Mordfall ermittelt. Im Interview spricht der 47-Jährige über den Film, die Dreharbeiten mit Veronika Ferres, "Tatort" und seine Sportaffinität.

Stephan Kampwirth ist ein schauspielerischer Allrounder. Theater, Kino, Serie, Film. Zuletzt war er in "Who Am I" im Kino zu sehen. Im dritten Teil der ZDF-Reihe "Lena Fauch — Vergebung oder Rache?" (heute, 20.15 Uhr) spielt der Wahl-Hamburger den Kommissar Thomas Lammers, der in einem brutalen Mordfall ermittelt. Im Interview spricht der 47-Jährige über den Film, die Dreharbeiten mit Veronika Ferres, "Tatort" und seine Sportaffinität.

Der dritte Teil von "Lena Fauch" behandelt die brutale Ermordung einer 20-Jährigen. Die Eltern sind stark traumatisiert. Sie sind selbst zweifacher Vater. Belastet eine solche Thematik auch privat?

Stephan Kampwirth Es geht. Man beschäftigt sich natürlich mit diesem Thema. Es belastet mich aber nicht. Ich habe mich eher mit der Schuld auseinandergesetzt, die Kommissar Lammers auf sich geladen hat.

Lammers hat einen schweren Verfahrensfehler begangen. Wie gehen Sie selbst mit Fehlern um?

Kampwirth Ich kann durchaus einsichtig sein und versuche, aus Fehlern zu lernen. Aber ich habe definitiv auch noch nie solch einen schwerwiegenden Fehler begangen wie Thomas Lammers.

Wie viel von Herrn Lammers steckt in Ihnen?

Kampwirth Ich bin zum Glück bei weitem nicht so einsam wie er. Wenn man eine Rolle spielt, steckt immer etwas von der Figur auch in einem selbst. Das würde auch gar nicht anders funktionieren, weil man sich selbst als Instrument und Charakter mitbringt. Wenn ich ein Drehbuch lese, gibt es Momente, in denen ich mich wiedererkenne. In diesem Fall ist es beispielsweise die Verlustangst, die Lammers hat.

Und wie viel Kommissar steckt in Ihnen?

Kampwirth Das kann ich nicht sagen. Ich sehe ihn eher als Charakter denn als Kommissar. Ich habe mich in der Vorbereitung mit einem Fallanalytiker getroffen. Alleine schon, um herauszufinden, ob diesem Kommissar Lammers, der kein schlechter Polizist ist, ein solcher Verfahrensfehler unterlaufen könnte. Das ist wohl sehr selten, aber kann vorkommen.

Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit Veronika Ferres empfunden?

Kampwirth Sehr spannend. Es war mein erster Film mit ihr. Ich bin auf eine sehr professionelle Kollegin getroffen, die noch dazu sympathisch ist. Ich glaube, wir haben uns ziemlich gut ergänzt.

Sie waren in Ihren Rollen nicht nur Kommissar, sondern häufig auch Bösewicht und sogar Psychopath. Sind Sie es bald leid, immer der Böse zu sein?

Kampwirth Ich denke nicht in den Kategorien Gut oder Böse. Die Figur muss genug Futter haben, um sie zu spielen. In Thomas Lammers steckt zum Beispiel auch ein gewisses Psychopathenpotenzial, weil er an einem Punkt in seinem Leben ist, an dem er nicht mehr weiter weiß, es scheint ausweglos zu sein.

Was macht Ihnen denn mehr Spaß?

Kampwirth Mir macht weder das eine noch das andere mehr Spaß. Es kommt einfach auf die Vielschichtigkeit des Charakters an, den ich spiele.

Welche Rolle würde Sie noch reizen?

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Kampwirth Ehrlich gesagt, denke ich nicht darüber nach. Ich hoffe, dass es immer die nächste Rolle sein wird. Momentan arbeite ich an der Verfilmung von Peter Stamms Roman "Agnes". Ein Kinofilm und großer Liebesfilm.

Welche Projekte, außer dem Agnes-Film, stehen bei Ihnen in Zukunft an?

Kampwirth Ich habe mir abgewöhnt, über Sachen, die noch nicht unterschrieben sind, zu sprechen. Da habe ich zu viel erlebt. Im Januar werde ich aber auf jeden Fall wieder Theater spielen mit Katharina Wackernagel, Karoline Eichhorn und Wanja Mues. Das Stück heißt "Wir lieben und wissen nichts" von Moritz Rinke und wird ab dem 7. Januar in den Hamburger Kammerspielen aufgeführt. Da freue ich mich wahnsinnig drauf.

Es gibt ja immer mehr "Tatort"-Kommissare. Wann werden Sie einer?

Kampwirth Darüber mache ich mir keine Gedanken. Ich bin eh der Meinung, dass wir genug Krimiformate in Deutschland haben. Auch da würde es immer auf die Qualität ankommen. Viele Krimis sind zwar auf hohem Niveau, aber es gibt auch noch andere Geschichten, die es wert sind, erzählt zu werden.

Sie waren auch mehrfach schon Filme synchronisiert, unter anderem Michael J. Fox in "Atlantis — das Geheimnis der verlorenen Stadt". Können Sie sich das wieder vorstellen?

Kampwirth Ich drehe hauptsächlich Filme und spiele Theater. Synchronisieren ist nicht einfach. Wenn etwas Spannendes kommt, warum nicht.

Sie sind Vater eines Sohnes und einer Tochter. Wie würden Sie reagieren, wenn es Ihre Kinder auch in die Schauspielerei drängen würden?

Kampwirth Meine Kinder sollen das machen, womit sie glücklich werden. Ich würde sie natürlich unterstützen, sie aber nie dahin drängen, weil ich weiß, wie schwer das ist. Ich würde ihnen eher wünschen, etwas anderes zu machen, weil es bestimmt nicht immer so einfach ist, den Beruf der Eltern zu ergreifen, vor allem, wenn dieser in der Öffentlichkeit stattfindet. Ich fand es immer toll, dass meine Eltern von dem, was ich mache, keine Ahnung haben.

Zählt Ihre Familie zu Ihren größten Kritikern?

Kampwirth Natürlich ist meine Familie immer Gradmesser, weil sie mich eben am besten kennt. Bei meinem Papa weiß ich zum Beispiel, dass er bestimmte Filme einfach nicht mag. Da ist die Kritik natürlich von Anfang an die väterliche Kritik. Aber ob sie meine größten Kritiker sind, weiß ich gar nicht. (lacht)

Sie gelten als sehr sportaffin, haben lange geboxt und immer Ihre Laufschuhe dabei. Brauchen Sie den Sport, um den Kopf freizubekommen

Kampwirth Ja, das ist tatsächlich der Fall. Ich habe meine Laufschuhe jetzt gerade ja sogar an, weil ich gleich laufen gehe (lacht). Ich habe immer viel Sport gemacht, bis heute. Wenn ich das nicht mache, dann funktioniere ich nicht so gut — körperlich und auch mental. Es ist auch ein geistiger Ausgleich für mich.

Können Sie sich denn genug Zeit nehmen?

Kampwirth Ja, die muss man sich einfach auch nehmen. Man hat manchmal mehr Zeit, als man denkt.

Marcel Kleifeld führte das Gespräch.

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