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"Ich hab im Traum geweinet": So wird der neue Schwarzwald-Tatort

„Tatort: Ich hab im Traum geweinet“ : Zum Karneval will man eher nicht in den Schwarzwald

Im „Tatort“ aus dem Schwarzwald geht es brutal und gruselig zu. Noch nicht einmal die Landschaft wirkt sonderlich einladend. Ein düsterer, gelungener Krimi.

Regisseur Jan Bonny ist dafür bekannt, seinem Publikum eine Menge zuzumuten. Im neuen Schwarzwald-„Tatort“ macht der gebürtige Düsseldorfer da keine große Ausnahme. Auf dem Höhepunkt der schwäbisch-alemannischen Fastnacht („Fasnet“) werden die Kommissare Franziska Tobler (Eva Löbau) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) zu einem Kurhotel gerufen. Dort liegt eine Leiche. Das Opfer wollte eigentlich nur seine Frau zu einer Beauty-OP begleiten, verbrachte seine letzte Nacht dann aber doch lieber mit der Hilfs-Krankenschwester Romy Schindler (Darja Mahotkin).

Die arbeitete früher als Escort-Dame, lässt sich aber hin und wieder noch zu einem Comeback überreden. Ihr Lebenspartner scheint mit der Nebentätigkeit grundsätzlich einverstanden zu sein, gerät aber trotzdem schnell unter Verdacht. Die Kommissare haben aber auch ihre eigenen Probleme. Nach einer durchzechten Nacht landen Tobler und Berg im Bett. Was dies für ihre Beziehung eigentlich bedeutet, dürfte die beiden noch eine ganze Weile beschäftigen.

Gruselig geht es zu in dieser Fasnet und auch ziemlich brutal. Das wird schon in der ersten Szene deutlich. Hexen, Wilde und Teufel marodieren durch die Straßen, drängen Romy in eine enge Seitenstraße und versuchen, ihr lachend und grölend die Handtasche zu entreißen. Eine derbe, düstere, deprimierende Szene und typisch für den ganzen Film. Die Kurhotels der Region haben ihre besten Zeiten hinter sich. In den Ecken sammelt sich der Staub, die Kabel liegen über Putz,  die Tischplatten sind aus Pressspan, die Schwimmbecken leer.

Romy (Darja Mahotkin) wird während der Fasnet bedrängt. Foto: SWR/Benoît Linder

Noch nicht einmal die Landschaft ist besonders schön.  Auf den Fasnet-Feiern gibt es Bier und Schnaps aus Plastikbechern. Der DJ spielt zum Höhepunkt der Party „Lady in Red“ von Chris de Burgh. Bonjour Tristesse auf Alemannisch.

Hinter verschlossenen Türen wird es noch schlimmer. In quälend langen Einstellungen zeigt der Regisseur verprügelte Frauen, gewalttätigen Sex, Tränen, Geschrei, Verzweiflung, Rotz und Blut. Einige halten den Fall „Ich hab im Traum geweinet“ schon jetzt für den größten Skandal-„Tatort“ seit Langem. Das mag man so sehen.

Vor allem ist der Krimi aber ein glänzend gespieltes Drama über die Suche nach dem Glück und der Liebe. Die Gewalt, das Geschrei, das Gewese wirken erst tragisch, dann zunehmend komisch. Vielleicht ein typischer Bonny-Krimi. Fans erinnern sich vielleicht: Es ist nicht sein erster „Tatort“. Der Regisseur ließ schon 2017 Misel Maticevic in „Borowski und das Fest des Nordens“ mordend durch Kiel laufen.

Im durchgehend toll besetzten Schwarzwald-Fall überzeugt auch Andrei Viorel Tacu als Romys Freund David Hans. Der 1988 in Bukarest geborene Schauspieler ist seit drei Jahren als festes Ensemblemitglied am Düsseldorfer Schauspielhaus engagiert. Vieles bei den Dreharbeiten habe ihn an das Theater erinnert, berichtete Tacu unserer Redaktion. Den fertigen Film hat er noch nicht gesehen. Seine Familie warnte er jedoch schon mal vorsichtshalber vor der ein oder anderen Szene. Schaden kann das sicherlich nicht.

Einigen Schaden anrichten könnte „Ich hab im Traum geweinet“ indes für die Schwarzwald Tourismus GmbH. Hier stellen wir aber mit Informationen aus bewährter Quelle fest: Der Schwarzwald ist an vielen Ecken sehr schön und meistens eine Reise wert. Nur zur Fasnet sollten Rheinländer vielleicht im Rheinland bleiben. Sicher ist sicher.

„Tatort: Ich hab im Traum geweinet“, 20.15 Uhr, Das Erste