1. Panorama
  2. Fernsehen

Dunja Hayali: "Ich bin keine Polit-Talkerin"

Dunja Hayali : "Ich bin keine Polit-Talkerin"

Die ZDF-Moderatorin über ihren Kampf mit dem Wecker und einen Versuch mit geliehenen Kindern.

Ihr Debüt war vielversprechend. Als Sommervertretung für Maybrit Illner wurde Morgenmagazin-Moderatorin Dunja Hayali für ihre Auftaktsendung in der vergangenen Woche vom Fachpublikum gelobt. Ihr sehr persönliches Gespräch mit Monica Lierhaus rührte die Fernsehzuschauer. Heute (ZDF, 22.10 Uhr) geht es mit ihrem Format "Donnerstalk" weiter.

Was reizte Sie daran, Ihren Job beim Morgenmagazin gegen ein Talkformat zu tauschen?

Hayali Die Uhrzeit. Ich kann ausschlafen.

Haben Sie sich denn in all den Jahren als "Moma"-Moderatorin nicht ans Frühaufstehen gewöhnen können?

Hayali Nein. Wenn der Wecker morgens um 3.45 Uhr klingelt, frage ich mich jedes Mal: "Warum?" Dann fällt mir ein, dass es ums Morgenmagazin geht, und ich komme einigermaßen aus den Federn. Die Sendung macht mir zum Glück immer noch Riesenspaß, aber jetzt freue ich mich jedes Mal auf den "Donnerstalk".

Ihr erstes eigenes Format?

Hayali Absolut, das ist Neuland für mich. Bis jetzt habe ich sowohl im heute-journal als auch im Morgenmagazin immer einen Partner an der Seite gehabt. Jetzt ist es das erste Mal, dass eine Sendung auf mich zugeschnitten ist und ich alleine da stehe. Der Druck ist enorm, die Freude aber auch. Und darauf kommt es an.

Warum trägt das Ganze denn nicht Ihren Namen?

Hayali Montagskino, Freitagskrimi, Donnerstalk - das passt doch. Ich bin einfach nur glücklich, dass es die Sendung gibt, egal wie sie heißt.

Was erwartet das Publikum?

Hayali Ein anderes Konzept, denn den Polittalk macht Maybrit Illner wie keine Zweite. Deshalb haben wir uns etwas anderes überlegt. Der "Donnerstalk" ist als Magazin nicht monothematisch, sondern behandelt drei unterschiedliche Themen.

Was hat es mit den geplanten Reportage-Elementen auf sich?

Hayali Zu einigen Themen werde ich losziehen und sie mir im Selbstversuch anschauen. Mir geht es darum, was passiert, wenn man die Perspektive wechselt und vom Beobachter zum Betroffenen wird. In einer Ausgabe geht es zum Beispiel darum, warum die Geburtenrate so gering ist.

Und wie sieht der dazugehörende Selbstversuch aus?

Hayali Ich habe mir zwei Kinder ausgeliehen und mit denen einen Tag lang das gemacht, was Mütter und Väter jeden Tag machen. Ich kann jetzt schon sagen, es war zum Teil ganz schön krass. Für den eigenen Erfahrungsschatz sind solche Experimente sehr wichtig. Das ist dann hinterher ein ganz anderes Gefühl, wenn ich mich im Studio mit meinen Gästen unterhalte und ein bisschen besser mitreden kann. Ich habe eben keine Kinder.

Werden Sie als Gäste die üblichen Verdächtigen begrüßen?

Hayali Nein. Klar sind auch Entscheidungsträger willkommen, aber mehr noch Menschen, die uns auf eine Reise der eigenen Erfahrungen mitnehmen. Das kann Ihr Nachbar sein oder mein Gemüsehändler. Von den "Moma"-Zuschauern hören wir oft, dass sie neue Gesichter sehen wollen. Jetzt bin ich gespannt, ob die Zuschauer das wirklich annehmen.

Wird es vorwiegend um politische Themen gehen?

Hayali Wir greifen Themen auf, die eine gesellschaftliche Relevanz haben. Cybermobbing etwa oder Arbeiten im Alter. Das können aber auch politische Themen sein, dann aber so, dass es einen Bezug zu den normalen Menschen gibt.

Ist die auf vier Wochen angelegte Sendung für Sie ein Schaulaufen für einen regelmäßigen Sendeplatz?

Hayali Nein, absolut nicht. Wir senden genau vier Wochen und dann kommt Maybrit Illner aus ihrem verdienten Urlaub zurück. Fertig. Aber wenn das Experiment "Donnerstalk" funktioniert, vertrete ich sie natürlich gerne auch in Zukunft.

CORNELIA WYSTRICHOWSKI FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

(RP)