Höhle der Löwen 2018 - Interview mit Georg Kofler

Jury-Mitglied Georg Kofler im Interview: „Bei der 'Höhle der Löwen' ist gar nichts inszeniert“

In der vergangenen Woche ließ sich Georg Kofler bei der „Höhle der Löwen“ noch austricksen, am Dienstagabend könnte er wieder investieren. Im Interview verrät er, wer die besseren Gründer sind.

Der Unternehmer Georg Kofler möchte gerne haben, was er sich wünscht, doch in der vergangenen Woche hatte das Jury-Mitglied von „Die Höhle der Löwen“ das Nachsehen. Während Dagmar Wöhrl, Carsten Maschmeyer und er noch hinter der Bühne standen, um separat wegen einer innovativen Hundeleine zu verhandeln, nutzten die Jury-Mitglieder Frank Thelen und Ralf Dümmel die Abwesenheit aus und machten den Deal klar. Das sorgte für Ärger. Am Dienstagabend (Vox, 20.15 Uhr) wird sich Kofler vermutlich nicht noch einmal so austricksen lassen.

In der letzten Sendung kam es zum Streit zwischen Carsten Maschmeyer, Dagmar Wöhrl und Ihnen auf der einen Seite und Frank Thelen und Ralf Dümmel. War das inszeniert?

Georg Kofler Bei der „Höhle der Löwen“ ist gar nichts inszeniert. Alles spontan, echtes Leben. Keiner von uns weiß, welche Gründer mit welchen Produkten in den Löwenkäfig kommen. Fragen und Angebote der Löwen entwickeln sich absolut spontan. Da ist nichts vorgeschrieben, es gibt keinerlei Regie-Vorgaben.

Mal unter uns: Glauben Sie denn wirklich an diese vermeintliche Superhundeleine von Goleygo?

Kofler Natürlich, ich wollte ja investieren.

Warum interessieren sich so viele Menschen für eine Start-Up-Show?

Kofler Weil sich da pures Leben abspielt: Leidenschaft, Erfindergeist, Risiko und Scheitern, Gewinnen und Freudensprünge. Außerdem ist jeder Löwen-Abend bunt und abwechslungsreich, unvorhersehbar, und man lernt immer was dazu. Hier kommen Gründer, die ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen und alles auf eine Karte setzen. Das hat die Menschen immer schon fasziniert.

Welche Idee aus der Show hat Sie bisher am meisten fasziniert?

Kofler Diese Idee wurde gleich auch mein erster Deal bei den Löwen: Artnight. Eine Internet-Plattform, über die sich Menschen verabreden, um gemeinsam zu malen. Zum Beispiel in einer Bar, Leinwände sind vorbereitet, ein Künstler gibt Tipps. Man trinkt ein Gläschen Champagner miteinander, nimmt voller Stolz ein selbstgemaltes Bild nach Hause, eine Aktzeichnung oder einen Van Gogh, und hat vielleicht neue Freunde kennengelernt. Social Media führt also nicht zur Isolation mit dem Smartphone, sondern bringt unbekannte Menschen mit gemeinsamen Interessen zusammen. Ist unterhaltsam, sozial und gesellschaftlich wünschenswert!

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Wie viele der Showideen, bei denen die Investoren einsteigen, gibt es noch in fünf Jahren?

Kofler Ich glaube, es könnten schon 20 bis 30 Prozent werden, weil die Löwen erstens eine gute Auswahl treffen und zweitens die jungen Unternehmen mit ihrer Erfahrung, ihrem Netzwerk und ihrem Geld unterstützen.

Gibt es einen neuen Gründergeist in Deutschland?

Kofler Definitiv ja. Deutschland war schon immer ein Gründerland, das beweist ja der florierende Mittelstand. Die unbegrenzten Möglichkeiten des Internets haben dem Gründergeist in Deutschland aber einen neuen Schub gegeben. Es ist eine wahre Freude zu sehen, wie viele junge Leute sich jetzt in der Selbständigkeit versuchen, statt einen abgesicherten Staatsposten anzustreben.

Was war bisher Ihr persönlich bestes und schlechtestes Investment?

Kofler Mein bestes Investment habe ich gemeinsam mit Judith Williams gemacht: Pony Puffin. Nach einem Jahr schon ein Millionen-Unternehmen, und zwar bei Umsatz und Gewinn. Mein schlechtestes Investment habe ich längst verdrängt und vergessen - solche Seiten pflege ich schnell und unwiderruflich umzublättern.

Sind Frauen oder Männer die erfolgreicheren Gründer?

Kofler Das kann man so allgemein wirklich nicht sagen. Gründer sind in der Regel stark ausgeprägte Persönlichkeiten, sowohl männlich wie weiblich. Bei vergleichbaren Kompetenzen würde ich mich tendenziell für eine Frau entscheiden: Sie hat vielleicht ein bisschen mehr Fantasie und Einfühlungsvermögen und da sie sich schon in der Männerwelt durchbeißen musste, würde ich ihr auch Durchsetzungsfähigkeit attestieren. Außerdem sind smarte Frauen im Marketing besser.

(brö)
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