"Deutschland sucht den Superstar": Heino wär' schon längst gegangen

"Deutschland sucht den Superstar" : Heino wär' schon längst gegangen

Sogenanntes Halbfinale bei DSDS, drei Kandidaten machten sich Hoffnungen. Als kommender Superstar empfiehlt sich an diesem Samstag allerdings keiner. Ricardo Bielecki muss seine Träume komplett begraben. Zumindest die Jury definiert das Schlager-Genre neuerdings als Prügelei.

So zumindest empfiehlt sich Jury-Mitglied Mateo. In den vergangenen Tagen hatte der sich ohnehin schon mit der musikalischen Leitung der Castingshow angelegt, weil die sich mit dem Besuch von Andrea Berg dem Schlager öffnete. "Darum bin ich heute als Schläger-Star gekommen", ätzt Mateo nun mit blonder Perücke und Sonnenbrille zu Beginn.

Doch da ist der Karren längst vor die Wand gefahren. Mit der Schweizerin Beatrice Egli hat es eine Kandidatin erstmals mit seichten Schlager-Rhythmen bis unter die letzten drei gebracht. Sie singt Sachen wie "Die Gefühle haben Schweigepflicht" oder sagt Sätze wie "Mein Herz ist ein Ozean".

Wenn Kaulitz lobt, sagt er "Hammer"

Die anderen in der Jury haben sich damit erstaunlicherweise angefreundet. Bohlen erläutert, dass Schlagersingen ähnlich schwierig ist wie Rocksingen, die Kaulitz-Brüder wünschen sich die kleine Blonde mit dem Honigkuchenpferdlächeln ins Finale und unterstreichen das mit dem Ausdruck "Hammer-Performance".

Dass Culcha-Candela-Frontmann Mateo ein bisschen allein dasteht, hat womöglich auch mit dem Stargast zu tun. Der gute alte Heino ist gekommen, gewissermaßen als Pate des Schlager. Für die drei Sänger hat er nur warme Worte übrig. Alle hätten ihn begeistert. Und ja, er sei zum ersten Mal zu Gast in einer Castingshow. Er selber hätte das nie so lange ausgehalten. "Ich hätte längst hingeschmissen." Ein Satz, den man für oder auch gegen die Qualität der Sendung verwenden kann.

Vieles wirkt wie von der Stange

Schlager als Alleinstellungsmerkmal, heißt es nun also bei DSDS. Offensichtlich sind sämtliche anderen Strategien in zehn Jahren schon versendet und erschöpft. Man spürt das in diesem Halbfinale direkt bei Ricardo Bielecki, dem ersten Kandidaten, der sich vorstellt.

Wie üblich geschieht das in Einspielern, in denen die jungen Bewerber große Augen und sich selbst klein machen. Sie erzählen darin ihre Geschichten, die man nach all den DSDS-Jahren schon mitsprechen kann. Sie sagen "Träume" "Hoffnungen" wie unglaublich sie es finden, dass sie nun so weit gekommen sind und dass sie sehr hart dafür gearbeitet haben. Die Superstars sind austauschbar geworden.

Drei Kandidaten, drei Typen

Ricardo macht da leider keine Ausnahme. Er besetzt den Schmusetypen, für den die Mädchen anrufen werden und kann beachtlich schmachten. Dass er bei anspruchsvolleren Titeln mal mit den Tönen kämpft, will bei DSDS schon längst keiner mehr wahrnehmen. "Richtig, richtig, richtig, richtig gut gesungen", lobt Bill Kaulitz nach einer dünnen Performance des Foreigner-Titels "I want to know what love is". Die Quittung erhält er später durch das Zuschauer-Voting. Er verpasst den Sprung ins Finale.

Eine andere Figur macht da schon die rothaarige Eva Wohlgemuth aus dem Erzgebirge. "Der Bumugl will ins Finohle", dialekt die aufgekratzte Rothaarige in einem Einspieler. Ihren NDW-haften Titel Fallschirm (MIA) findet Mateo richtig gut, "weil das so 'n bisschen durchgeballert ist. Genau wie du." Wenn schon nicht die Töne, so steht zumindest die Leidenschaft auf ihrer Seite. Im Gegensatz zu früheren Abenden wird sie zur Belohnung direkt eine Runde weitergewählt. Finale.

Favoritin muss jedoch wohl mehr denn je Beatrice Egli gelten. Sie kann auf prominente Unterstützer wie Helene Fischer oder Andrea Berg bauen und spricht mit dem Schlager eine meist unterschätzte Zielgruppe an. Öffentliche Wertschätzung hat das seichte Genre nie erfahren. Doch in den Charts ist seit Jahren immer wieder abzulesen, wie erfolgreich diese Musik sein kann.

(pst)
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