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Heino Ferch erneut als Ingo Thiel im Einsatz

True Crime vom Niederrhein : Ferch erneut als Ingo Thiel im Einsatz

Im TV-Krimi „Ein Mädchen wird vermisst“ muss der Ermittler den Mord an einer 14-Jährigen aufklären. Wie schon bei den ersten beiden Filmen der Reihe basiert der Stoff auf einem realen Verbrechen. Die Reihe um den Mönchengladbacher Hauptkommissar ist ein Quotenbringer für Arte.

Er gehört zu den wenigen deutschen Kriminalhauptkommissaren, deren Arbeit den Stoff liefert für filmische Umsetzungen: Ingo Thiel. Bundesweit bekannt geworden ist der Mönchengladbacher Ermittler durch den Fall des im Herbst 2010 verschwundenen Mirco aus Grefrath. Rund 150 Tage benötigte die 80-köpfige Sonderkommission „Mirco“ damals unter Leitung Thiels, um Mircos Mörder zu fassen. Die Spurensuche gilt als eine der aufwendigsten und langwierigsten in der deutschen Kriminalgeschichte. Verfilmt wurde sie unter dem Titel „Ein Kind wird gesucht“, Heino Ferch übernahm die Rolle des Kommissars. Für Arte war der Film ein Quotenbringer, bis heute steht er dort auf Platz zwei der meistgesehenen Produktionen. Nun strahlt der Sender bereits den dritten Teil der Reihe mit Ferch als Thiel aus: „Ein Mädchen wird vermisst“ (Freitag, 17. September, Arte, 20.15 Uhr, bis 16. Oktober in der Mediathek). 

 Wieder diente ein realer Fall als Vorlage, nur wollten sich die Macher aus persönlichkeitsrechtlichen Gründen diesmal nicht zu den Hintergründen äußern. Die Betroffenen sollen oder wollen anonym bleiben. Im Film geht es um die 14-jährige Synchronschwimmerin Nele, die in Grefrath nach dem Training verschwindet und acht Tage später an einem Baggersee tot gefunden wird. Erst nach 73 Tagen können Thiel und sein Team den Täter überführen. Wie schon im ersten Film der Reihe liegt der Fokus auf der mühsamen, extrem kleinteiligen Ermittlungsarbeit, die oft in die Irre führt oder in Sackgassen. Action sucht man vergeblich, genauso wie ungewöhnliche visuelle Ideen oder spannungstreibende Musik. Das ist sicher nah an der Realität und in seiner halbdokumentarischen Qualität löblich, versprüht aber gelegentlich auch den Charme einer „Aktenzeichen XY“-Folge. 

 Ferch verkörpert Thiel wie schon in den Teilen zuvor als besessenen, sturen und humorlosen Ermittler, der sich in seinen Fällen festbeißt. „Ingo ist ein Packer“, hatte Ferch einmal über sein reales Vorbild gesagt, der Kommissar würde brennen, sei ständig auf Adrenalin und würde niemals nachgeben. Im Film wirkt Thiel allerdings auch etwas wichtigtuerisch, weil Ferchs Spiel wenig Raum lässt für Zwischentöne, für Menschelndes. Wenn er zum Beispiel gelegentlich entrückt in die Kamera blickend seinen Stand der Dinge monologisch rekapituliert, hat das auch etwas Manieriertes, Hölzernes. Gedankenwelten können filmisch auch eleganter umgesetzt werden.  

 Der Film bleibt aber trotz manch ungelenker Dialoge spannend, gerade weil er den  Polizeialltag zeigt. Solche sogenannten Tue-Crime-Formate, also Geschichten, die auf wahren Begebenheit beruhen, sind seit geraumer Zeit bei den Zuschauern sehr beliebt. Teils dienen sie als Vorlage für eine dokumentarische Aufarbeitung mit echten Ermittlern, teils liefern sie die Grundlage für eine fiktionale Herangehensweise. Der Vorteil dabei: die Autoren haben mehr Freiheiten, den Stoff auszuschmücken und dramatischer zu gestalten. Im zweiten Teil der Reihe mit Ferch etwa, „Die Spur der Mörder“, ging es um den Mafia-Anschlag in Duisburg im Jahr 2007, bei denen sechs Menschen starben. Thiel war damals nur am Rande in die Ermittlungen eingebunden, der leitende Beamte hieß Heinz Sprenger. In Absprache mit ihm wurde Thiel aber für den Film zur zentralen Figur, der die Machenschaften der N’drangheta in Deutschland aufklärt.    

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 Kriminalhauptkommissar Thiel hat selbst gemeinsam mit dem Journalisten Bertram Job ein Buch über die schwierige Ermittlung im Fall Mirco geschrieben. Bei den Filmen, auch dem aktuellen, hat er dem Team beratend zur Seite gestanden. Ferch hat sich für die Ausgestaltung seiner Rolle angeblich viel von ihm abgeschaut und in Interviews nie einen Zweifel daran gelassen, wie sehr er die Arbeit des Kriminalisten schätzt. Der Schauspieler ist derzeit sehr gefragt und tritt gleich in mehreren Filmreihen als Ermittler auf, allerdings in unterschiedlicher Ausprägung. Beim Publikum kommt Ferch gut an: Für den ersten Teil als Thiel, „Ein Kind wird gesucht“, gewann er beim Deutschen Fernsehkrimi-Festival in Wiesbaden 2018 den Darstellerpreis.