„Hart aber fair“ zur WM 2018 mit Mario Basler: „Özils Körpersprache ist die von einem toten Frosch“

Basler bei „Hart aber fair“ : „Özils Körpersprache ist die von einem toten Frosch“

Frank Plasberg und seine Gäste aus der Welt des deutschen Fußballs haben das Auftaktspiel der deutschen Nationalmannschaft auseinandergenommen – und sich dabei einige Spieler ganz besonders herausgepickt.

Darum ging’s – und darum ging’s wirklich

Theoretisch hätte es, dem Sendungstitel „Der Ball rollt, noch ist alles drin: Viel Spaß mit der WM in Russland?“ nach zu urteilen, wohl auch ein wenig um Politik gehen sollen. Tatsächlich bot die Sendung – neben etwas professioneller Spielanalyse – eine Gelegenheit, die Leistung einzelner Spieler deutlichen Worten herunterzumachen und deren Eignung für die Nationalmannschaft zu kritisieren.

Die Gäste:

  • Mario Basler, Ex-Fußballnationalspieler
  • Celia Sasic, Ex-Fußballnationalspielerin
  • Christoph Daum, Fußballtrainer
  • Marcel Reif, Sportjournalist

Die Diskussion

Kurz nach der Niederlage der deutschen Elf gegen Mexiko beim Auftaktspiel der Fußball-WM sparen die geladenen Gäste nicht mit Kritik an den Weltmeistern von 2014. Frank Plasberg, der sich selbst als Laie in Sachen Fußball outet, gibt das Wort zuerst an Mario Basler – an diesem Abend ein Garant für beißende Kritik und böse Sprüche. Er sei nicht so überrascht von der schlechten Leistung, er habe das schon vor Wochen vorausgesagt, so der ehemalige Nationalspieler. Es könne sogar passieren, dass Deutschland in der Vorrunde ausscheide. „Jetzt malen Sie mal nicht den Teufel an die Wand“, sagt Plasberg.

Auf die geringe Laufleistung von Toni Kroos angesprochen – die, so Plasberg bewusst provokant, vergleichbar mit der von Basler früher sei – bleibt Basler gelassen: „Ich wäre wahrscheinlich gestern auch wenig gelaufen, aber ich hätte ein bis zwei Tore geschossen.“ Es hätten „fünf bis sechs Totalausfälle“ auf dem Platz gestanden, darunter Thomas Müller und Mesut Özil – Letzterer ist an jenem Abend der Lieblingsbuhmann von Basler. Sein Fazit: „Die Mannschaft hat einfach zu wenig getan“.

Fußballtrainer Christoph Daum bleibt sprachlich professioneller, seine Enttäuschung ob des Spiels gegen Mexiko wird aber deutlich genug. Der rote Faden sei die „Suche nach Stabilität“ gewesen. Und: „Wenn Ballzirkulationsspiel Selbstzweck wird, dann nennen wir das brotlose Kunst.“

Die frühere Frauenfußball-Nationalspielerin Celia Sasic hält sich mit harten Worten zurück: „Jetzt ist die Mannschaft unter Druck, sie müssen wieder auf den Punkt kommen“, sagt Sasic. „Egal, ob sie schön gewinnen oder nicht, Hauptsache sie gewinnen.“ Dazu müssten jedoch die Führungsspieler das Team zusammenziehen. Sie gibt ihren Vorrednern recht, dass das Auftaktspiel in punkto Motivation für eine Mannschaft sehr wichtig sei.

Wie schlecht es offenbar um den Zusammenhalt der Mannschaft bestellt ist, schien die Aussage von Mats Hummels nach dem Spiel zu offenbaren. „Wenn sieben, acht offensiv spielen, und wir stehen hinten alleine…“ Sportjournalist Marcel Reif gibt Hummels zwar inhaltlich recht, aber für den Teamgeist sei das nicht hilfreich gewesen: „Das ist ein Tabubruch, das musst Du intern ansprechen, nicht öffentlich.“

„Der DFB hat sich zu einer Wohlfühloase entwickelt“

Auch andere bekannte Spieler bekommen ihr Fett weg, vor allem durch den Lautesten in Plasbergs Runde, Mario Basler. Über Özil sagt er: „Dessen Körpersprache ist die von einem toten Frosch“, Özil spiele „erbärmlich“. „Als Mittelfeldspieler sollst Du auch mal einen Zweikampf gewinnen.“ Sami Khedira kommt kaum besser weg: „Dem kannste die Schuhe besohlen beim Laufen, dem kannste die Stollen runterdrehen und raufdrehen beim Laufen“, ätzt Basler.

Einer der Hauptgründe für das schlechte Abschneiden dieses Mal sei ein Mangel an Motivation bei den früheren Weltmeistern – darin ist sich die Männerrunde einig. Lediglich Ex-Nationalspielerin Sasic hält dagegen: Sie habe bereits einen Weltmeistertitel verteidigt und das sei eigentlich noch schwieriger, weil alle gegen den Weltmeister antreten und sich entsprechend anstrengen.

„Ich denke, sie wissen selbst, dass sie nicht gut gespielt haben und dass sie die ganzen Fehler gemacht haben. Es ist jetzt nur wichtig, dass sie es verstehen und ihr Herz auf dem Platz lassen.“ Ihre Tipps: hinten zumachen und kompakt stehen.

„Der DFB hat sich für mich zu einer Wohlfühloase entwickelt“, nimmt Fußballtrainer Daum das ganze System in die Mangel. Basler hackt stattdessen weiter auf Özil herum, dessen Fünfmeterbälle „kriegen wir alle auch noch hin“, sagt er. Warum spiele denn Özil dann in der Nationalmannschaft, will Plasberg wissen? Özil sei 2014 schon ein „Mitläufer“ gewesen, legt Basler nach. Daum kann sich einen Seitenhieb auf Baslers eigene mangelnde Bewegungsfreude als aktiver Spieler nicht verkneifen. „Der ist vom Bewegungsumfang ähnlich“, setzt Daum an. „Der verdient aber 15 Millionen mehr als ich“, unterbricht ihn Basler. „Aber der Unterschied ist, dass Mario auch wirklich einige geniale Aktionen hatte.“ Özil könne mehr als er zeige, analysiert Reif. Allerdings demonstriere er das vor allem bei Spielen gegen relativ rangniedere Mannschaften. Bei den „Großen“ tauche er ab.

Bei den Zuschauerkommentaren kommt das umstrittene Foto von Özil und Ilkay Gündogan zur Sprache, das diese vor einigen Wochen mit dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan machten. „Alle Beteiligten haben das unterschätzt“, sagt Daum. „Das totzuschweigen ist das Letzte, was man macht.“ Reif ereifert sich, dass das Foto der AfD in die Hände gespielt habe.

Wie groß ist der Rückschlag in Bezug auf das „Integrationsvorzeigeprojekt Nationalmannschaft“, fragt Plasberg die Ex-Nationalspielerin Sasic. Sie hat eine französische Mutter, ihr Vater stammt aus Kamerun, geboren ist sie ist in Deutschland. „Man muss sich als Nationalspieler bewusst sein, welche Werte man vertritt“, sagt Sasic. Daum glaubt, dass die beiden Spieler, die beide sehr viel zur Integration beigetragen hätten, durch Dummheit etwas umgestoßen hätten, was sie vorher mühselig aufgebaut haben.

Zum Abschluss der Sendung holt Plasberg Prognosen ein. Basler hat die Marschrichtung schon gleich zu Beginn vorgegeben: „Die Deutschen müssen am Sonntag gewinnen, uns reicht kein Punkt“, sagt er. Doch einfach dürfte das angesichts der schlechten Leistungen der Spieler schon während der Freundschaftsspiele und schließlich im Auftaktspiel nicht werden. Reif warnt, die anderen Mannschaften nicht zu unterschätzen: „Die Südkoreaner werden Dir zeigen, dass Fußball ein Kampfsport ist.

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