Hart aber fair zum Thema Judenhass: Gil Ofarim sorgt für nachdenkliche Momente

Thema Judenhass bei „Hart aber fair“: Gil Ofarim sorgt für die nachdenklichen Momente

Eine Talkrunde mit wenig Widerspruch und viel Verständnis: Bei „Hart aber Fair“ sind sich die Gäste weitestgehend einig, dass der Nahost-Konflikt ein komplexes Thema ist und Antisemitismus in Deutschland nie ganz verschwunden ist.

Darum ging’s

„Wie kann das noch sein: Judenhass in Deutschland?“: Das war die Ausgangsfrage in Frank Plasbergs Sendung, die mit der Verlegung der US-amerikanischen Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem sowie den darauffolgenden Auseinandersetzungen der Palästinenser und Israelis an der Gaza-Grenze einen aktuellen Aufhänger hatte. In den 75 Sendeminuten sollte jedoch nicht nur die politische Lage rund um Israel erörtert werden. Es ging auch um die Fragen: Wächst in Deutschland die Feindschaft gegen Israel? Und ist Kritik an Israels Politik auch immer gleich antisemitisch?

Die Gäste

  • Melody Sucharewicz, Kommunikationsberaterin und ehemalige Sonderbotschafterin Israels
  • Lamya Kaddor, Islamwissenschaftlerin, Islamische Religionspädagogin und Publizistin
  • Dietmar Ossenberg, viele Jahre ZDF-Studioleiter in Kairo, der heute noch dort lebt
  • Gil Ofarim, Musiker und Schauspieler mit jüdischen Wurzeln
  • Uwe-Karsten Heye, Autor und Publizist sowie Vorsitzender der Vereins “Gesicht zeigen”

Frontverlauf

  • Streit um den Tempelberg : Steinmeier warnt vor religiösem Konflikt

„Wenn wir uns bei jeder Auseinandersetzung in Israel in den vergangenen Jahrzehnten die Frage gestellt haben, was das für den Friedensprozess bedeutet, so hat der heutige Tag eine Antwort gegeben: Er ist endgültig begraben“, sagte Ossenberg und eröffnete damit die Diskussion um die Entscheidung des US-Präsidenten Donald Trump, die Botschaft nach Jerusalem zu verlegen, sowie die darauffolgenden Proteste der Palästinenser. Er werde es nicht mehr erleben, dass es zu einer friedlichen Lösung komme, fügte der Journalist hinzu. „Die Palästinenser haben Hunderte Chancen verpasst, jetzt haben sie keine Möglichkeit mehr einzugreifen. Die eigentlichen Player bei diesem Spiel sind nur noch Israel und die USA.“

So pessimistisch beurteilte Sucharewicz die Lage nicht. „Trumps Entscheidung ist letztlich nur die Anerkennung der simplen Realität, dass Jerusalem die Hauptstadt Israels ist. Und eine Zwei-Staaten-Lösung wird weiterhin die einzige Alternative sein, auch wenn an einem Tag wie heute auch der größte Optimist seine Zweifel hat“, sagte die ehemalige Sonderbotschafterin Israels. Auch Gil Ofarim, wie Sucharewicz in München aufgewachsen, wollte der Verlegung der Botschaft keine zu große Bedeutung beimessen. „Das sind nur vier Wände. Dadurch wird der Konflikt nicht gelöst“, sagte der Musiker.

Dass dieser Konflikt auch Auswirkungen auf den Alltag in Deutschland hat, erläuterte die Relgionspädagogin Lamya Kaddor: „Nicht jeder arabische Jugendliche in Deutschland ist radikal und ein eingefleischter Antisemit. Doch es ist schon richtig, dass in den arabischen Ländern in der Schule gelernt wurde, dass Israel der Feind ist.“ Sind damit deutsche Nazis und arabische Zuwanderer vereint im Judenhass? Für Heye ist die Antwort klar: „Ein Nazi fällt nicht vom Himmel, er wird von den Erwachsenen gemacht. Und es hat in Deutschalnd keine wirkliche innere Läuterung gegeben. 1945 wurde zur Stunde Null erklärt, die es aber nie gegeben hat.“

„Hakenkreuze auf der Schulbank und Hundekot im Briefkasten“

Der Zwischenfall vor wenigen Wochen, als ein junger Araber in Berlin einen Juden attackierte, bewertete Ofarim als „Status Quo“. Der Künstler sorgte mit Erzählungen aus seiner Kindheit für die nachdenklichen und besonders ruhigen Momente der Sendung. „Für mich war es Alltag, an mit Maschinengewehren ausgestatteten Polizisten in den Kindergarten zu gehen. Es gab Hakenkreuze auf der Schulbank und Hundekot im Briefkasten. Das tat sehr weh und hat mich sprachlos gemacht.“ Obwohl München seine Heimat sei, denke er jedes Jahr daran, nach Israel zu ziehen. „Das ist das einzige Land, in dem wir nicht verfolgt werden.“

Auch Kaddor wies darauf hin, dass Antisemitismus in Deutschland kein neues Phänomen sei, dass durch die Flüchtlingswelle der vergangenen Jahre nach Deutschland gekommen sei. „Wir müssen es schaffen, dieses Gedankengut an die Ränder zu drängen, durch viel Aufklärungsarbeit und Sendungen wie dieser.“ Heye pflichtete ihr bei und verteidigte auch Solidarisierungsaktionen wie „Berlin trägt Kippa“. „Es geht darum, Haltung zu zeigen und zu verdeutlichen, dass der Rechtsextremismus bei uns nicht in der Mehrheit ist.“

Erkenntnis

Zwiegespräche und Konflikte innerhalb der Runde gab es kaum einmal. Sie wären auch fehl am Platz gewesen. Doch die Gäste waren sich nicht nur in der Beurteilung der aktuellen Lage in Israel - und in Deutschland - einig. „Hart aber fair“ verdeutlichte auch, dass es nicht so bald Lösungen in diesem hochkomplexen Nahost-Konflikt geben wird.

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