"Hart aber fair" zu den Midterm Elections 2018 in den USA: „Der Graben ist tiefer geworden“

„Hart aber Fair“ zu Midterms : „Der Graben ist tiefer geworden“

Vor den Halbzeitwahlen in den USA diskutieren Frank Plasbergs Gäste über Donald Trump und die Stimmung in den Vereinigten Staaten. Dabei geht es vor allem um die Sprache des US-Präsidenten - und Parallelen zu Deutschland.

Darum ging’s

Als „Wahlkampf der Wut und des Hasses“ bezeichnet Frank Plasberg die Kampagnen zu den Midterm-Abstimmungen in den USA. Donald Trump habe die Vereinigten Staaten tief gespalten. In der ARD-Talkrunde „Hart aber Fair“ will Plasberg am Abend von seinen Gästen - darunter sind auch zwei Trump-Unterstützer - wissen: „Kann der Präsident seine Macht so sichern? Wird er Freund und Feind künftig noch härter in die Mangel nehmen?“ Außerdem wirft die Runde einen Blick auf mögliche Parallelen zu Deutschland.

Die Gäste

  • Walter Sittler, deutsch-amerikanischer Schauspieler
  • Ralph Freund, Vizepräsident der "Republicans Overseas Germany"
  • Elisabeth Wehling, Sprachwissenschaftlerin an der Universität von Kalifornien in Berkeley
  • Georg Pazderski, Landesvorsitzender der AfD Berlin
  • Peter Beyer, Koordinator für transatlantische Zusammenarbeit, CDU

Der Frontverlauf

Frank Plasberg hat vor den Midterm-Wahlen in den USA zwei Trump-Befürworter eingeladen: Ralph Freund, Vizepräsident der Übersee-Republikaner, und AfD-Mann Georg Pazderski. Als Kritiker sitzen Sprachwissenschaftlerin Elisabeth Wehling und Schauspieler Walter Sittler am Tisch. CDU-Mann Peter Beyer versucht abzuwägen, steigt aber skeptisch ein: Trumps Handels- und Wirtschaftspolitik wirke sich international aus, viele Effekte, die auf den ersten Blick gut aussähen, könnten langfristig auch schädlich für die USA sein.

Zum Einstieg präsentiert Plasberg Wahlkampfversprechen von Donald Trump, die er als US-Präsident in den ersten zwei Jahren seiner Amtszeit gehalten hat - darunter die Verlegung der Botschaft nach Jerusalem, die Kündigung des Pariser Klima-Vertrags und den Ausstieg aus dem Atomabkommen mit dem Iran. Außerdem will Trump Millionen neuer Jobs geschaffen und die Arbeitslosenquote auf einen Tiefstand gebracht haben. Diese Zahlen lässt Walter Sittler nicht gelten. Trump schmücke sich mit fremden Federn, der positive Trend auf dem Arbeitsmarkt habe schon zu Obamas Zeiten begonnen, sagt Sittler. Er ist der Ansicht, Trump gehe es nicht um die Menschen, sondern vor allem um Macht. Für Mittelstand und Arme habe er “nichts geliefert”.

Ralph Freund sieht das anders. Er nennt sich einen überzeugten Republikaner, auch wenn Trump “nicht sein Herzens-Kandidat” gewesen sei. Die USA-Entscheidung zu Paris hätte er lieber anders gesehen, aber Trump gebe Benachteiligten eine Stimme. Aber vor allem könne er Mehrheiten schaffen, und das sei am Ende entscheidend. Sittler hofft auf das Gegenteil und hält eine Mehrheit für die Demokraten im Repräsentantenhaus nach der Wahl am Dienstag für möglich. Wenn Minderheiten, Frauen und Jugendliche zur Wahl gingen und gegen die “Erfindungen und Lügen von Trump aufstehen”, sei ein politischer Wechsel nach den Midterm-Wahlen denkbar.

Elisabeth Wehling, die in Kalifornien unterrichtet, sieht das genauso. Trump kümmere sich kein bisschen um „den kleinen Mann”, er verspreche es immer nur. Sie gibt anschauliche Beispiele und Erklärungen zu Trumps Sprache. Sie glaubt: Wenn Lügen ständig wiederholt würden, würden sie irgendwann als Wahrheiten empfunden. Der Präsident habe eine clevere Art, Menschen durch einfache Statements zu beeinflussen.

Plasberg will wissen, ob es Trump zuzuschreiben sei, dass die Stimmung in den USA aggressiver und der Ton rauer geworden sei. Als Beispiel führt er die Paketbomben des Trump-Fans an, der Kritiker des Präsidenten bedroht hat. Sittler kritisiert: “Das Problem ist, dass der Präsident niemals für seine Aussagen die Verantwortung übernimmt.” Trump sei derjenige, „der Menschen herabwürdigt, demütigt und lügt und Menschen auffordert ihr Land zu verteidigen, weil es in Gefahr sei.” Daher sei er für solche Taten mitverantwortlich.

Auch Peter Beyer beklagt, „der Graben ist tiefer geworden.“ Wenn Trump die Demokraten wiederholt als „Partei von Kriminellen” bezeichne, spalte er die Gesellschaft. AfD-Mann Pazderski gefallen dagegen Trumps harte Statements. Angesichts der „Karawanen” von Migranten aus mittelamerikanischen Ländern, die sich derzeit Richtung USA aufmachten, sei die Drohung, 15.000 Soldaten zu schicken, genau die richtige Reaktion. CDU-Mann Beyer hält die Soldaten für „reine Angstmacherei vor dem Wahltag”. Bisher seien die Grenzbeamten mit solchen Situationen immer gut alleine klar gekommen.

Zuletzt will Plasberg wissen, ob Populismus in Deutschland wirklich auf dem Vormarsch ist. Wehling erklärt, die Tendenz, die Welt zu beschreiben als „eine Bedrohung und den Schutz vor dieser Bedrohung“ sei eine grobe Vereinfachung: Wer ständig das Bild beschwöre, kurz vor dem Untergang zu stehen, schüre vor allem Angst, bringe aber keine Lösungen. Auch Peter Beyer findet, früher habe es mehr Zusammenarbeit zwischen den politischen Seiten gegeben, „das hat sich sehr geändert, das gemeinsames Fundament scheint zu fehlen”.

Eine Kriminalisierung des politischen Gegners sei auch bei der AfD zu finden, etwa wenn dort das „Kartell der Altparteien” angeprangert werde, sagt Wehling. AfD-Mann Pazderski dreht die Argumentation um: „Die Sprache ist der Spiegel der Gesellschaft.” Wenn sich Wähler und Bürger nicht mehr verstanden fühlten, „greift man durchaus zu harter Sprache, weil ich damit was beeinflussen kann”. Sittler hat eine andere Meinung dazu: „Wenn Worte nicht mehr bedeuten, was sie sind, gibt’s keine Kommunikation und keine Demokratie.”

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