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Hart aber fair: Vielleicht kein Lockdown, aber weniger Kontakte

Corona-Debatte bei „Hart aber Fair“ : „Wir sperren nicht einfach Leute wieder weg“

Impfpflicht für alle oder ein Lockdown für Ungeimpfte? Das fragte Frank Plasberg am Montagabend in der ARD. Auf konkrete Maßnahmen einigen sich seine Gäste nicht, doch sie sind sich überraschend einig über einen Kandidaten fürs Gesundheitsministerium.

Darum ging es

Die dramatische Lage der vierten Welle ist auch bei Frank Plasberg Thema. Können Impfpflicht oder Lockdowns die vierte Welle brechen? Kontaktbeschränkungen und schnelles Handeln sind die wichtigsten Botschaften der Diskussion zwischen drei Politikern, einem Virologen und einem Journalisten.

Die Gäste

Der Talkverlauf

Wer das Land derzeit regiert, will Frank Plasberg von seinen Gästen bei „Hart aber Fair“ wissen und gibt die Antwort sicherheitshalber selbst: „Das Virus“. So richtig bestreitet das auch niemand im Studio. Nur darüber, wie sie dem Virus die Herrschaft nun wieder abnehmen wollen, sind sich Grüne, FDP und CDU nicht wirklich einig. Die Worte „dringend“ und „gemeinsam“ wiederholen dafür alle drei Politikerinnen und Politiker mit Leidenschaft.

Röttgen kritisiert, seine eigene Partei sei nicht schnell genug gewesen: „Dreimal hintereinander sind wir hinter der Welle gewesen“, stellt er fest und fordert: „Wir müssen unseren Staat, uns und unsere politische Verantwortung anders organisieren damit uns das nicht wieder passiert.“

Bernd Ulrich deprimieren die Lage sowie die Wiederholung der gemeinsamen Stränge, an denen da gezogen werden soll: „Wir haben immer wieder gemeinsame Aktionen gesehen und sind trotzdem wieder in diese Situation geraten“, sagt der „Zeit“-Journalist und fordert: „Die Politik muss endlich vor die Krise kommen.“

<aside class="park-embed-html"> <blockquote class="twitter-tweet"><p lang="de" dir="ltr">&quot;Die allgemeine <a href="https://twitter.com/hashtag/Impfpflicht?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#Impfpflicht</a> hilft uns leider aktuell in der vierten Welle nicht. Das muss man diskutieren&quot;, sagt die <a href="https://twitter.com/fdp?ref_src=twsrc%5Etfw">@fdp</a>-Politikerin <a href="https://twitter.com/starkwatzinger?ref_src=twsrc%5Etfw">@starkwatzinger</a> bei <a href="https://twitter.com/hashtag/hartaberfair?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#hartaberfair</a> <a href="https://twitter.com/DasErste?ref_src=twsrc%5Etfw">@DasErste</a>. <br>Das Thema bei Frank <a href="https://twitter.com/hashtag/Plasberg?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#Plasberg</a>: &quot;Neue <a href="https://twitter.com/hashtag/Regierung?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#Regierung</a>, altes Problem: Aufbruch im Schatten von <a href="https://twitter.com/hashtag/Corona?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#Corona</a>&quot; <a href="https://t.co/I1ExswIVY5">pic.twitter.com/I1ExswIVY5</a></p>&mdash; hart aber fair (@hartaberfair) <a href="https://twitter.com/hartaberfair/status/1465458077851963392?ref_src=twsrc%5Etfw">November 29, 2021</a></blockquote> <script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script> </aside>
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Das verspricht Katrin Göring-Eckardt, die entschlossen einsteigt: Es sei für die Regierungsparnter an der Zeit, „ein großes gemeinsames Zeichen zu setzen“. Jetzt müsse es eine Machtkonzentration geben um bundesweit gemeinsame Kriterien umzusetzen. Für Fußballspiele in vollen Stadien hat sie derzeit kein Verständnis, andere Einschränkungen könnten Tanzveranstaltunen und Gastronomie betreffen. „Jetzt brauchen wir wahrscheinlich erstmal nochmal einmal Ruhe, damit wir nicht in eine Situation kommen, die alles nochmal maßlos verschlimmert“, sagt sie, will das Wort Lockdown jedoch nicht in den Mund nehmen. „Wir sperren nicht einfach Leute wieder weg“, sagt sie. Aus den negativen Erfahrungen in Seniorenheimen, Schulen und Kitas habe man ja gelernt. Vor allem aber drängt sie zu Eile: „In dieser Woche müssen wir klar haben, wie es weitergehen soll.“

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Plasbergs Frage, ob es mit der Ampel eine Allgemeine Impfpflicht geben könnte, beantwortet sie klar und knapp mit „ja“. Nach der ersten Stufe mit einer Pflicht für besondere Berufsgruppen müsse über die zweite Stufe der Bundestag abstimmen, und zwar möglichst bald. „Das ist nicht die schönste Maßnahme“, sagt die Grüne, „aber ich finde wir können einfach nicht so weitermachen, dass wir sagen die Freiheit der Einzelnen sich impfen zu lassen oder nicht steht über der Freiheit der Allgemeinheit“.

Bettina Stark-Watzinger ist in dem Punkt weniger präzise. Für die FDP-Frau müssen so einer Entscheidung noch viele „Abwägungsprozesse“ vorausgehen, müsse diskutiert und nachgedacht werden. Auch, ob sie selbst im Bundestag für eine Impfpflicht stimmen würde, möchte sie sich erst noch „anschauen“. Nach wie vor sei für sie unverständlich, „dass sich so viele Menschen nicht impfen lassen“, sagt Stark-Watzinger, kritisiert den Status Quo und verspricht eine Verbesserung der Impflogistik.

Dann schieben sich Grüne, FDP und CDU eine Weile die Schuldkärtchen zu: Wer hat wann was blockiert und falsch oder nicht richtig gemacht? Röttgen kritisiert die beiden Frauen, ihre Parteien hätten „dem Staat Handlungsmöglichkeiten verboten“. Röttgen findet Katrin Göring-Eckardt „nervt jetzt ein bisschen“, denn dessen Regierung habe „uns in die Situation gebracht, in der wir jetzt sind.“

Virologe Martin Stürmer, zugeschaltet aus Frankfurt, hält sich aus derlei raus. Er bleibt klar in Ansage und Appell: Impfen und Boostern bleibe wichtig, vor allem aber sei jetzt ganz wichtig, die Kontakte soweit zu reduzieren wie möglich. Noch wisse man nicht genug über die Omikron, aber erst recht wenn es sich um eine aggressive Variante handle, seien Vorsicht und sehr rasches Handeln wichtig. „Es ist absolut an der Zeit, ganz schnell einheitliche Signale auszusenden“, sagt der Frankfurtere und falls jemand nicht aufgepasst habe, sage er es gern noch mal: Es müsse nun dringend Kontaktbeschränkungen geben.

Überraschend einig sind sich Plasbergs Gäste, als der Moderator nach dem künftigen Chef des Gesundheitsministeriums fragt. Nicht nur die Passanten, die sein Team in den Straßen von Neuss befragt, finden überwiegend Karl Lauterbach geeignet, auch Virologe Stürmer schätzt Lauterbachs „Weitsicht in der Pandemie“. Die beiden Frauen von FDP und Grünen sowie der CDU-Politiker können sich ebenfalls vorstellen, dass der Gesundheitsexperte in das derzeit wichtige Ministerium einziehen könnte. Röttgen nennt den Posten eine „heiße Kartoffel“, die wohl nun niemand haben wolle. Göring-Eckardt lobt, es gebe „niemanden in Deutschland, der politisch und fachlich so gut erklären kann was los ist“, und Stark-Watzinger „schätzt ihn sehr“. Ob er sich fürs Ministerium eigne so Göring-Eckardt, müsse die SPD entscheiden, aber sie hoffe, dass das bald geschehe.

(juju)