"Hart aber fair"- Talkshow bebildert Clan-Thema mit Häusern in Mönchengladbach

Doppelhäuser in Mönchengladbach : Wie mein Zuhause als Clan-Immobilie bei „Hart aber Fair“ landete

Bei „Hart aber fair“ ging es um Clan-Kriminalität – dabei wurden Doppelhaushälften in Mönchengladbach gezeigt, die angeblich beschlagnahmt worden waren. Unser Autor hat in einer davon gewohnt. Und weiß nichts von Clans.

Es ist Montagabend, und die Alternativen im TV-Programm halten sich in überschaubaren Grenzen. Also „Hart aber fair“. In der Sendung geht es um Clan-Kriminalität. Vier Herren und eine Dame sitzen in der Runde. Dorothee Dienstbühl, eine Kriminologin, ist mir positiv in Erinnerung geblieben, weil sie entgegen der Logik dieser Formate ruhig und sachlich ihre Position vertritt. Die männlichen Vertreter brabbeln dagegen eifrig durcheinander. Alles so wie immer. Vermutlich hätte ich das alles ganz schnell wieder vergessen. Doch dann kam ein so genannter Einspielfilm. In dem ging es etwas verkürzt darum: Kriminelle investieren oft ihr Geld in Immobilien, Eigentümer müssen nachweisen, dass sie ein Haus mit legalen Mitteln erworben haben, sonst kann es beschlagnahmt werden.

Um etwas Dramatik in die Nummer zu bekommen, wurde das Bild abgedunkelt, es sind Paragrafen, Polizisten und eine Reihe mit Doppelhäusern zu sehen – über die Sequenz wurden Stempel gelegt: „BESCHLAGNAHMT“. Das Problem: Keines dieser Häuser ist jemals beschlagnahmt worden. In keinem dieser Häuser steht in Rede, dass dort ein Mitglied eines berüchtigten Clans leben könnte. Woher ich das so genau weiß? Ich habe mit meiner Familie selbst eine dieser Einheiten gebaut und dort gelebt – und auch von unseren Käufern kann ich sagen: Sie gehören nicht zu einem derartigen Milieu. Es dauert nicht lange, bis mich an diesem Abend die ersten Nachrichten auf dem Smartphone erreichen. Sie gehen alle in die Richtung: „Habt ihr da nicht mal gewohnt? Was wohnen denn da jetzt für Leute? Beschlagnahmt?“

Für einen kurzen Augenblick ertappe ich mich dabei, wie ich diese Möglichkeit immerhin in Betracht ziehe. Doch dann schiebe ich es schnell zur Seite: zu absurd. Wie kann es aber sein, dass eine biedere Neubausiedlung plötzlich zur besten Sendezeit in der ARD als Paradies für Gangster dargestellt wird? Die Sendung „Hart aber fair“ wird im Auftrag des Westdeutschen Rundfunk (WDR) von der Firma „Ansager & Schnipselmann“ mit Sitz in Düsseldorf produziert. Geschäftsführer sind laut Impressum  Frank Plasberg und Jürgen Schulte. Weitere Formate des Unternehmens: „Frag doch mal die Maus“ oder „Paarduell“.

Ich stelle also die Anfrage, warum man in diesem Einspielfilm ausgerechnet dieses Motiv genommen hat. Nach kurzer Zeit meldet sich Markus Zeidler, der verantwortliche Redakteur für die Sendung „Hart aber fair“. Zeidler bestätigt, dass es sich um Häuser aus Mönchengladbach handele, vor drei Jahren fotografiert. Man habe die Fotos angekauft, eine Verwendungsbeschränkung sei von der betreffenden Agentur nicht vermerkt worden. „Daher stand aus unserer redaktionellen Sicht einer Verwendung als Symbolbild nichts im Weg“, sagt er. Man habe nicht den Eindruck erwecken wollen, dass es sich um einen konkreten Fall handeln könnte.

Ja, es gibt im Journalismus immer wieder Fälle, in denen man auf derartige Symbolfotos zurückgreift. Es ist nie eine ideale Lösung. In einem so pikanten Fall ist es allerdings schon sehr gewagt, überhaupt darüber nachzudenken. Mit etwas Abstand sieht man das beim WDR offenbar ähnlich. „Wir sind nach besten Wissen und Gewissen davon ausgegangen, dass sich das durch Text und optische Umsetzung als Symbolbild erschließt“, schreibt WDR-Redakteur Zeidler. „Allerdings nehmen wir Ihre heutige Nachfrage auch zum Anlass, darüber nachzudenken, wie wir vergleichbare Fälle in Zukunft handhaben.“

Hinweis: Das Foto ist vom TV-Bild abfotografiert worden. Durch die vorhandenen Lichtverhältnisse ergab sich ein Blaustich, im Original ist das Umgebungslicht dunkler.

(gic)
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