1. Panorama
  2. Fernsehen

"Hart aber Fair" mit Gerhart Baum und Felix Banaszak: Speed-Dating und Pferdefotos

Sondierung bei „Hart aber Fair“ : Speed-Dating und Pferdefotos

Frank Plasberg will am Abend herausfinden, wie die Gespräche zur Regierungsbildung laufen. Grünen-Politiker Felix Banaszak aus Duisburg und FDPler Gerhart Baum sollen den “Flirt” zwischen ihren Parteien bewerten. Der politische Inhalt kommt eher kurz, dafür erfahren die Zuschauer, was eine Spax-Schraube ist.

Darum ging es

Wird aus dem Speed-Dating der Parteien bald eine Regierung, und aus dem Flirt zwischen FDP und Grünen eine tiefere Liebe? Diesen Fragen will der “Hart aber Fair”-Moderator am Abend in der ARD nachgehen. Dazu hat er ein liberales Urgestein eingeladen und von den Grünen ein neues Gesicht aus NRW. Eine “taz”-Journalistin, ein “Welt”-Reporter und eine Jungunternehmerin dürfen kommentieren.

Die Gäste

  • Gerhart Baum, FDP, Bundesinnenminister von 1978-1982
  • Felix Banaszak, Landesvorsitzender Grüne NRW und neuer Bundestagsabgeordneter
  • Robin Alexander, Stellvertretender Chefredakteur “Die Welt”
  • Ulrike Herrmann, Wirtschaftsredakteurin, der “taz”
  • Sarna Röser, Unternehmerin, Bundesvorsitzende des Verbands “Die Jungen Unternehmer"

Der Talkverlauf

Felix Banaszak und Gerhart Baum üben sich zum Auftakt in Versöhnlichkeit und Harmonie. Viel ist die Rede von zu bauenden Brücken, “gemeinsamen Ideen” (Banaszak) und einem “besonderen Auftrag” (Baum), der ehemalige FDP-Innenminister: “Das wird schwierig, aber die Zeichen stehen gut.”

Als Plasberg ein Interview einblendet, in dem der junge Grüne den FDP-Mann als eines seiner Vorbilder benannt hat, wähnt sich Alexander auf einem Familienfest und haut das schöne Bild in Stücke: “Den Grün-Gelben Werbeblock sollte man direkt vergessen”, grätscht der “Welt”-Journalist ein und erinnert daran, dass vor der Wahl Robert Habeck noch vor allem auf eine Koalition mit der CDU hingearbeitet habe: “Er wollte unbedingt mit der jetzt so bösen CDU regieren, die SPD beerdigen und FDP nach rechts rausdrängen”, sagt er und zum Thema Zuneigung: “Das ist eine recht frische Liebe, die hier aufblüht.“


Das viel-zitierte Instagram-Bild sei bestenfalls ein Signal, dass die Vier überhaupt miteinander reden wollten. Alexander mäkelt über Instagram: „Da stehen sonst Pferdefotos und hübsche Frauen...“ In einem Kommentar dazu hatte der Grüne Habeck gesagt, man wolle die Schraube nicht schräg eindrehen, dann passe sie später nie, und eine Mutter brauche die Schraube auch nicht, denn es sei eine Spax-Schraube. Die wiederum ist seinem jungen Parteikollegen kein Begriff, aber Plasberg hilft gerne aus: “Es ist eine Spanplattenschraube mit Kreuzschlitz - daher das X”. Aha.

Einig sind sich die Gäste darin, dass eine schwarz-gelb-grüne Jamaika-Koalition derzeit kaum eine Zukunft habe. Alexander hält es für unwahrscheinlich, die Kollegin von der “taz” stimmt zu: Im Moment sei nicht möglich mit der CDU zu regieren, denn “als Koalitonspartner kann man mit dem Chaos in der CDU nichts zu tun haben wollen.” Auch Jungunternehmerin Sarna Röser ist “unklar, wofür die CDU noch steht”, sieht aber “mit FDP und Grünen eine Chance für unsere Zukunft.” Vor allem angesichts der unattraktiven CDU, da sind sich die Studiogäste weitgehend einig, sei eine Ampel mit SPD, Grünen und FDP wünschenswerter und wahrscheinlicher. Frank Plasberg will schließlich trotz aller Harmonie wissen, wie es um die Differenzen steht und spricht Tempolimit auf Autobahnen, Mindestlohn, Steuern und die Schuldenbremse an: “War das alles nur Wahlkampfgeschwätz?” fragt er und sucht nach “Leitplanken” und “roten Linien”.

  • FDP-Chef Christian Lindner (l.), Grünen-Co-Parteivorsitzende Annalena
    Sondierungen am Sonntag : Wer spricht wann mit wem? 
  • FDP-General Volker Wissing (links) und SPD-General
    Sondierung in Berlin : SPD und FDP nennen erste Gespräche „konstruktiv“
  • Christian Lindner steht bei den Jugendlichen
    Bundestagswahl 2021 : Gymnasiasten wollen Lindner als Kanzler

Ja, das Thema Schulden werde noch ein “schwieriges Geschäft” räumt Baum ein, setzt aber sonst kaum sichtbare Grenzen. Banaszak sagt: Ja, es seien Investitionsoffensive im privaten Bereich nötig, “und da kann man über Abschreibungen durchaus sprechen.” Zugleich sei aber Deutschland an so vielen Stellen kaputt gespart worden, daher wollten die Grünen ja zehn Jahre lang je 50 Milliarden Euro in Zukunftstechnologien wie in Digitalisierung, Klimaschutz, Verkehrsinfrastruktur und Bildung stecken. Er räumt ein: “Wir werden da noch harte Diskussionen vor uns haben.” Es gehe aber jetzt erstmal darum “herauszufinden, ob alle bereit sind, zu verhandeln, nicht darum, ob sich einer sich gegen alle anderen durchsetzt.”

Baum steuert noch aus langer Erfahrung bei, dass Klimaschutz und Verbesserungen nicht umsonst seien: “Mut zur Wahrheit gehört auch dazu.” Den Bürgern müsse gesagt werden, was auf sie zukomme.

Und wie steht es um Armin Laschet? Baum gefällt nicht, wie die CDU ihren Kandidaten behandelt: “Es geht gegen jeden Anstand, wie die Parteikollegen mit Laschet umgehen.” Er habe Respekt vor dem Mann, den er als “hervorragenden Europäer” bezeichnet, der mit der Kandidatur überfordert war. Wie der Aachener jetzt behandelt wird, ärgert auch Alexander: “Wer bei uns eine Wahl verliert, wird immer zum Depp gemacht. Das hat mich auch bei Martin Schulz schon geärgert.” Wenn Laschet sage, er glaube noch an Jamaika, seht für den „Welt“-Journalisten dahinter “eine wirklich vernünftige Überlegung”. Denn: “Würde er morgen hinschmeissen, würde in Union sofort eine offene Feldschlacht beginnen.” Und damit würde die Union ausfallen für eine Regierungsbildung. “Es ist aber wichtig, dass es auch Alternativen gibt.”

(juju)