Hart aber fair: Feministin stört Sendung - Martin Rütter in Rage

TV-Nachlese „Hart aber Fair“ : „Bekennende Feministin“ stört Talk über Tierquälerei

Katzenwasser, Hundeparfüm für die Gäste und vegane Trüffel für den Mops: In Frank Plasbergs „Hart aber fair“ ging es am Abend um das Verhältnis zwischen Mensch und Tier - bis eine „bekennende Feministin“ die Sendung sprengte.

Worum ging es?

„Leckerli fürs Hündchen und Bolzenschuss fürs Kälbchen - Mensch, wie geht das zusammen?“ fragte Frank Plasberg Tierfreunde, -psychologen, -forscher sowie einen Politiker und Bauern. Anders gesagt: Warum verhätscheln wir Haustiere, greifen aber zugleich in der Fleischtheke zum billigsten Schnitzel - vermutlich von einem Tier, das im Stall keine Kuschelecke hat?

Die Gäste

  • Martin Rütter, Tierpsychologe, Hundetrainer
  • Uschi Ackermann, Tierliebhaberin und Mopshalterin
  • Achim Gruber, Tierpathologe, Autor „Das Kuscheltierdrama“
  • Svenja Furken, Tierschützerin, ProVieh
  • Kees de Vries, CDU-Bundestagsabgeordneter und Landwirt

Der Frontverlauf

20 Millionen Hunde und Katzen leben in deutschen Haushalten - Frank Plasberg hat daher keine Mühe, den Zuschauern bei „Hart aber Fair“ am Abend in der ARD reichlich Themenhappen vorzuwerfen: Ist es okay sich mit dem Hund begraben zu lassen, ihn mit Parfüm zu besprüht auf die Couch einzuladen? Was ist artgerecht, was überzüchtet und wieso sind wir zum Kalb nicht so nett wie zum Cockerspaniel? Wo hört die harmlose Vermenschlichung auf und fängt die Tierquälerei an? Zündstoff gibt’s reichlich, und er kommt aus überraschenden Ecken.

Tierpsychologe Martin Rütter gibt zu, er würde sich durchaus mit seiner Hündin begraben lassen. Mit Blick auf vegane Hundetrüffel nennt er es „eine tolle Entwicklung, dass wir hochwertige Nahrung und Spielsachen für unsere Hunde haben“. Wer viel Geld für sein Haustier ausgebe müsse ja nicht unbedingt etwas im Umgang mit Nutztieren falsch machen. Später wird er da eines Besseren belehrt: 73 Prozent aller Deutschen kaufen in einem Experiment der Uni Osnabrück lieber Schwein der Marke “Gut und günstig” als teureres Fleisch aus artgerechter Haltung.

Beim Hundeparfüm für 14,90 Euro hört es auch für Rütters auf. „Zum Kotzen“ findet der Hundetrainer das, und legt sich mit Uschi Ackermann an. Die Tierfreundin hatte für ihren berühmten Mops „Sir Henry“ vielleicht kein Parfüm aber allerhand andere Verwöhnmomente parat: Leckereien, Hundehotel, Massagen. Rütter wettert: „Henry stand kurz vor der Detonation, der konnte ja kaum noch atmen.“

Tierpathologe Achim Gruber erklärt an zwei Kopfskeletten anschaulich, weshalb die Überzüchtung von Möpsen und französischen Bulldoggen Quälerei sei: „Es ist ein Drama für die Tiere, die auf Extravaganz gezüchtet werden“, sagt er. „Springen die von der Couch, können sie ein Auge verlieren“. Nase, Gebiss und vieles, was einen natürlichen Hund ausmache, sei da „komplett weggezüchtet“, und ein klarer Verstoß gegen das Tierschutzgesetz.

Das werde allerdings offenbar nicht sehr wirksam verfolgt. Warum das so ist, kann auch CDU-Politiker und Landwirt Kees de Vries nicht erklären. Der Bauer vermutet, dass sich niemand so recht traut, sich zu unbeliebt zu machen. Die Züchterlobby sei durchaus mächtig, und bekanntlich sei für viele Deutsche der Hund mehr als nur ein vierbeiniger Begleiter. Ackermann etwa bezeichnet ihre Möpse mit großer Entschlossenheit als „Lebenspartner“: „Henry hatte alle Eigenschaften, die man sich von einem Mann wünscht“, sagt sie: „Treu, liebevoll, ein guter Zuhörer, was will man mehr?“ Mit einem Mann zu leben sei ja nicht immer so einfach, das würde auch ihr verstorbener Ehemann, Feinkosthändler Gert Käfer, unterschreiben, wenn er der Sendung zuhören könnte.

Inzwischen hat aber auch Uschi Ackermann verstanden, dass viele Möpse überzüchtet sind: Als Nachfolger für den eingeäscherten Henry hat sie keinen eigens gezüchteten Hund sondern zwei Möpse aus dem Tierheim geholt - und sie „wählt jetzt die Tierschutzpartei“. Shampoo bekommen ihre Möpse bei der Münchner Tierfriseurin trotzdem.

Unvermittelt hält es eine Zuschauerin nicht mehr auf ihrem Platz. Sie stellt sich als „bekennende Feministin“ vor. Sie habe zwar nichts mit Tieren zu tun, wolle aber „die Gelegenheit nutzen, mal im Fernsehen mitzuteilen dass die Bundesregierung gegen Feministinnen im Internet vorgehe.“ Rütter kann sich vor Lachen kaum auf seinem Stuhl halten und fragt, ob auch noch jemand da sei, „der sich für einen Briefmarkenverein einsetzen möchte. Das hat ähnlich viel mit dem Thema zu tun.“

Plasberg versucht gelassen und höchst professionell, die verwirrte Zuschauerin wieder von der Bühne zu reden. „Das ist komplett respektlos, was Sie hier machen“, poltert dagegen Hundetrainer Rütter die Störerin an, die sich nun wieder beachtet sieht und vor der Kamera reagiert: Antifeminismus sei schließlich weitaus schlimmer als Tierquälerei. Plasbergs Ruhe wirkt zuletzt besser als Rütters Rage, behutsam bringt der Moderator die Frau von der Bühne und verspricht ihr, das Thema bei Gelegenheit zu besprechen. Er dankt für die Geduld der Zuschauer und kehrt zum tierischen Thema zurück.

Tierschützerin Svenja Furken, die selbst Ziegen als Haustiere hält, sähe es auch lieber, wenn das Problem der Zuchtquälerei ernster genommen würde. „Die gesetzliche Grundlage ist geschaffen worden, da müsste härter durchgegriffen werden“. Allerdings dürfe man die Nutztiere nicht vergessen: „die Milchkuh, die nur wandelndes Eutergestell ist, Masthähnchen, die nicht länger leben können als ihre Mastzeit.“

Plasberg hat noch einen schwer verdaulichen Happen parat und zeigt die Schlachtung einer Gans auf dem Weihnachtsmarkt - vor Augen der Kunden, die damit eindeutig Probleme haben: Essen ja, einer Schlachtung zusehen - lieber nicht. Furken findet: „Ja, das sollte jeder mal gesehen haben.“ Schön wäre auch, da sind sich die Gäste einig, wenn Verbraucher ihren Überzeugungen häufiger Taten folgen liessen - beispielsweise nicht die überzüchtete haarlose Katzenrasse kauften (Gruber), nicht das billige Fleisch und nicht die Käfigeier in verarbeiteten Produkten (de Vries).

Dass viele mit zweierlei Maß messen, ärgert auch Viehhalter de Vries: „Das macht mich insofern wütend als Menschen gleichzeitig verlangen, dass wir unsere Tiere noch besser halten“, sagt der Landwirt. „Die Tiere, die in konventioneller Haltung in Deutschland gehalten werden, sind schon jetzt Weltspitze was das Tierwohl angeht.“ Dass Anspruch und Wirklichkeit oft weit auseinander liegen, kritisiert auch Pathologe Gruber: „Die Würdigung des Lebensmittels vom Tier ist in unserer Gesellschaft katastrophal gering“, findet er. Der bessere Weg sei: „weniger Fleisch essen und mehr dafür bezahlen“.