Düsseldorf: Hannelore Elsner als Alzheimerkranke

Düsseldorf : Hannelore Elsner als Alzheimerkranke

In "Das Blaue vom Himmel" begeben sich Mutter und Tochter auf Spurensuche im Lettland der 90er.

Der um sein Geld geprellte Taxifahrer fällt aus allen Wolken, als er der elegant gekleideten Marga (Hannelore Elsner) in ihre völlig verwahrloste Wohnung folgt. Fröhlich schüttet sie Kaffeepulver in den Ravioli-Topf und ruft ständig nach einem gewissen "Juris", bis sie dem imaginären Jüngling seufzend in die Arme fällt.

Als Margas Alzheimererkrankung zum Vorschein kommt, bringt sie Fetzen einer tief verschütteten Familientragödie ans Licht. Tochter Sofia (Juliane Köhler) reagiert zunächst überfordert, als sie den Anruf aus einer psychiatrischen Klinik bekommt. Obwohl die Beziehung der beiden zeitlebens von kühler Distanz geprägt war, beschließt die erfolgreiche Fernsehjournalistin, ihre Mutter aufzunehmen.

Schnell merkt sie, dass Marga von einem Geheimnis gequält wird. Als sich nach und nach die bruchstückhaften Erinnerungen einer von verdrängter Schuld überschatteten Vergangenheit zusammenfügen, reist Sofia mit ihrer Mutter in deren Geburtsstadt Riga. Dort heiratete Marga einst den jungen Juris (Niklas Kohrt), der ihre Liebe bitter enttäuschte. Im Lettland Anfang der 90er Jahre erleben die beiden Frauen, wie sich das Land aus 50-jähriger russischer Besatzung befreit. Vor der rauen Landschaft ergründet sich langsam der Ursprung der gestörten Mutter-Tochter-Beziehung.

"Das Blaue vom Himmel" verwebt auf zwei Zeitebenen die Geschichte von Marga, die von Hannelore Elsner (70) eindringlich verkörpert wird. Immer wieder schickt der preisgekrönte Filmemacher Hans Steinbichler seine Zuschauer auf eine Reise in die Vergangenheit. Vor der baltischen Kulisse der 30er Jahre können sich Bella Halbens prächtige Bilder voll entfalten. Die Kamerafrau setzte schon Steinbichlers Heimatfilme "Hierankl" und "Winterreise" mit tiefen, mächtigen Bildern in Szene. Karoline Herfurth gibt die junge Marga überzeugend als von Verzweiflung und Leidenschaft zerrissene Frau, die im kriegserschütterten Lettland eine folgenschwere Entscheidung trifft.

Stellenweise driftet das Drama zu sehr ins Melodramatische ab. Schade auch, dass die arg pathetische Filmmusik die Wucht der Bilder überlagert.

"Das Blaue vom Himmel", Arte, 20.15 Uhr

(RP)