Tatort "Keine Polizei": Guter Krimi ohne Zeigefinger

Tatort "Keine Polizei" : Guter Krimi ohne Zeigefinger

Es tut sich was in Köln. Der Tatort "Keine Polizei" erzählte einen ungewöhnlichen Fall, zeigte hilflose Kommissare, verzichtete auf private Verstrickungen der Ermittler und ließ den erhobenen Zeigefinger größtenteils unten. Da schmeckte am Ende sogar die Currywurst.

Drehbuchautor Norbert Ehry schrieb einen Krimi, der mit einigen Konventionen bricht. Es gab keinen Mord, das junge Entführungsopfer starb bei einem Unfall auf der Flucht. Die Ermittler Ballauf und Schenk tappten lange völlig im Dunkeln. Eiskalt nahmen sie in ihrer Verzweiflung den Vater der Geisel in die Zange. Auch hier waren sie auf der falschen Spur. Ohne die Hilfe einer Polizeipsychologin waren sie völlig hilflos.

In einem Tatort nach altem Kölner Strickmuster hätte dies den Machern nicht gereicht. Um die Ermittler enger mit dem Fall zu verweben, hätte Schenks Tochter eine Affäre mit einem der Gangster gehabt. Oder hätte zumindest gerade den Führerschein gemacht.

Der harte Konkurrenzkampf unter Fahrlehrern wäre nicht nur kurz angerissen, sondern minutenlang ausgewalzt worden. Moral der Geschichte: Weil wir alle wenig für einen Führerschein zahlen wollen, sind wir Schuld an dieser Entführung.

Aber wie gesagt: Es tut sich was in Köln. Da war man für die obligatorische Fall-zu-Ende-Wurst am Rhein fast dankbar. Zu viel Veränderung ist schließlich auch anstrengend.

(csi)
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