Günther Jauch: Talk mit zugeschaltetem Yanis Varoufakis

ARD-Talk "Günther Jauch" : Die Euro-Krise als Musikantenstadl

Möglicherweise hätten Günther Jauch und der griechische Finanzminster Giannis Varoufakis eine bessere Figur gemacht, wenn sie sich zu einer Ausgabe von "Wer wird Millionär?" getroffen hätten. Dann hätte Varoufakis präzise auf Fragen antworten müssen und Jauch wäre nicht mehrfach von seinem Talk-Gast überrumpelt worden.

Doch eins nach dem anderem: Zwei Tage lang hat Jauch seinen Sonntagabend-Talk in den sozialen Netzwerken beworben. Den aus Athen zugeschalteten Finanzminister begrüßte er als "ganz besonderen Gast". Die weniger besonderen Gäste, CSU-Finanzminister Markus Söder sowie die Journalisten Ulrike Herrmann ("taz") und Ernst Elitz ("Bild"-Kolumnist) saßen mit Jauch im Studio und blickten auf den Griechen hinab, der auf einem Bildschirm am Boden zu sehen war. Die notwendige Simultan-Übersetzung von Varoufakis machte die Diskussion auch nicht leichter.

In seinem Eingangsstatement erging sich Varoufakis erst einmal in Allgemeinplätzen über das "Haus Europa" und dass es in allen Ländern gute und schlechte Menschen gebe. Das wurde dann sogar dem moderaten Moderator zuviel und er erteilte Elitz das Wort. Doch bevor Elitz tatsächlich einige Fakten zum Thema darlegen konnte, bat Jauch ihn, keine Antrittsvorlesung zu halten. Zwischenzeitlich unternahm auch die "taz"-Journalistin Herrmann den Versuch, die Runde mit Fakten anzureichern. Ansonsten geriet der Schlagabtausch aber zu einer Art Musikantenstadl der Eurokrise - oberflächlich, unterhaltsam, ohne Nachwirkung.

Varoufakis wich der Frage, wann sein Land zahlungsunfähig sein könnte aus und wies bei kritischen Nachfragen zu der Reform- und Handlungsfähigkeit seiner Regierung darauf hin, dass man ja erst seit Januar im Amt sei. Als er in einem Einspielfilm mit einem 2013 bei einer Tagung in Italien gezeigten Stinkefinger gegen Deutschland konfrontiert wurde, behauptete er, dies sei eine Fotomontage. Jauch war ratlos. Bis zum Ende der Sendung konnte er nicht klären, ob es sich um gefälschte Bilder handelte oder nicht. Auf Nachfrage versicherte Alessandro Del Prete, Kameramann der Aufnahmen aus dem Jahr 2103, alles habe ich genauso abgespielt.

Mr. @yanisvaroufakis at #jauch-finger-video: "It's a fake" https://t.co/yuOCFtgMBq In opposition to @alexdelprete: https://t.co/480W0VR0n7

Söder konnte auf diesem Niveau hingegen ganz gut wechseln. Schulmeisterlich erklärte er seinem griechischen Amtskollegen, Europa bedeute, dass jeder seine Schulden bezahlen müsse. Die Frage, ob und unter welchen Umständen Griechenland dazu überhaupt in der Lage sein könnte, konnte in der Sendung nicht geklärt werden.

Mit den Äußerungen des rechtspopulistischen griechischen Verteidigungsministers konfrontiert, der dem deutschen Finanzminister einen psychologischen Kampf gegen die Griechen vorgeworfen hatte, gab Varoufakis vor, diese nicht genau zu kennen. Er flüchtete sich in die Bemerkung: "Einer in Eurer Runde ist Mitglied in der CSU. Ihr wisst doch, wie es in Koalitionen ist." Damit hatte er die Lacher auf seiner Seite und musste auch nicht mehr erklären, wie man mit solchen Nationalisten in einer Regierung sitzen kann.

Ziel und Richtung bekam die deutsch-griechische Ping-Pong-Diskussion erst beim Thema Reparationen. Die "taz"-Journalistin, die sich im Laufe der Sendung eine Art Schiedsrichter-Rolle erarbeitet hatte, mahnte, man dürfe die Reparationsfrage nicht mit der Euro-Krise vermengen.

Sie trug den Vorschlag von Historikern vor, wonach den Griechen elf Milliarden Euro aus einer Zwangsanleihe der Nazis zustünden. Die Summe solle in eine Stiftung fließen, die deutsch-griechische Jugendarbeit fördern solle. Dieser Idee widersprach dann niemand und alle waren heilfroh, dass die Sendung irgendwie ein Ergebnis hatte.

Während der Jauch-Sendung wurde immer wieder die Werbung für den nächsten Griechen-Talk, "Hart aber Fair" am Montag eingeblendet unter dem Titel "Pleite, beleidigt, dreist - hat Griechenland dieses Image verdient?" Dies wiederum darf als Hinweis verstanden werden, dass man viele solcher Sendungen gucken kann, ohne klüger zu werden.

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