Game of Thrones - Teaser zur 8. Staffel: Was wird verraten?

8. Staffel von „Game of Thrones“ : Die Geheimnisse von Winterfell

In nur knapp 90 Sekunden verkündet der Sender HBO den Beginn der finalen achten Staffel von „Game of Thrones“ ab dem 14. April. Doch der Teaser steckt voller versteckter Andeutungen.

Jon Schnee, Arya und Sansa Stark sind im jüngsten Teaser zu „Game of Thrones“ wieder vereint. Zum ersten Mal seit der ersten Staffel. An einem der geheimnisvollsten Orte in ganz Westeros: die Katakomben der Familie Stark in Winterfell. Diese unterirdische Grabanlage ist eine der ältesten Bauten in der fiktiven Geschichte der sieben Königslande. Und sie erstreckt sich mit ihren vielen Geschossen noch weiter als die Burg über ihr. Der Gründer des Hauses Stark, Brandon der Erbauer, hatte die Begräbnisstätte vor Jahrtausenden in Angriff genommen. Noch vor der Errichtung Winterfells. An einem Ort, an dem bereits zuvor ein Grabhügel stand. Es war derselbe Brandon, der auch die große Mauer gebaut hatte. Zum Schutz vor den Weißen Wanderern. Die Vermutung liegt nahe, dass er den Standort der Katakomben nicht ohne Grund gewählt hat. Einige Geheimnisse sind in dem uralten unterirdischen Komplex verborgen. In der Serie wurde das bislang nicht so explizit gezeigt, wie es in den Büchern erwähnt wurde. Da träumt Jon mehrmals von der Gruft. Und er fühlt, dass da mehr ist, als es scheint.

Im Teaser geht er durch einen Gang der Katakomben. Vorbei an der Statue, die an seine Mutter und Ned Starks Schwester Lyanna erinnert. Wir hören ihre Bitte aus der sechsten Staffel, die sie vor ihrem Tod an ihren Bruder richtet: Er solle den Jungen beschützen. Es ist dieser eine Wunsch, der das Leben von Jon Schnee prägen wird. Ned nimmt das Baby mit sich und behauptet fortan, er sei sein Bastard. Den Namen der Mutter nennt er indes nie.

Sansa Stark dagegen geht im Teaser an der Statue ihrer toten Mutter Catelyn vorbei – der Lady von Winterfell. Ihre Tochter hat den Titel übernommen. Und wieder hören wir ein Zitat. Nun von Catelyn aus der dritten Staffel, die sich für das Leid ihrer Familie verantwortlich macht. Sie hatte Neds Bastard-Sohn Jon den Tod gewünscht. Als er dann als Kind an den Pocken erkrankte, betete sie zu den Göttern. Die sollten ihn leben lassen und sie würde ihn dann lieben wie einen eigenen Sohn. Jon wurde zwar gesund, aber Catelyn hielt ihren heiligen Eid nicht. Sie konnte ihren Hass nie überwinden und glaubt, dass darum ihre gesamte Familie bestraft worden sei.

Zunächst klingt das wie eine Zusammenfassung von Jon Schnees Kindheit. Aber es schwingt noch etwas anders mit: Strafen für gebrochene Eide. Das könnte ein Hinweis auf den Nachtkönig und die Weißen Wanderer sein. Marschieren sie, weil in Westeros die Götter verraten worden sind? In der Geschichte um den Spatz und seine fanatische Auslegung des Glaubens klang das in der Serie mehr als deutlich an: Die erstarrte Gesellschaftsstruktur dient nur noch dazu, die Triebe, Süchte und Leidenschaften einiger weniger zu befriedigen.

Ob es nun Kleinfingers Streben nach Macht, Cerseis Selbstsucht, Ramsays und Joffreys Sadismus oder auch Ned Starks Stolz und das starre Festhalten an seinen Ehrbegriff ist – nichts dient mehr einem größeren Ziel oder dem Wohl des Volkes. Selbst Robert Baratheons Rebellion hatte nur einen Zweck: Es ging nicht um die Absetzung eines tatsächlich wahnsinnigen Königs. Vielmehr wollte Robert seine angeblich entführte Verlobte Lyanna zurückgewinnen, die sich indes längst von den Fesseln ihrer arrangierten Verlobung befreit hatte. Sie ging freiwillig mit dem Thronfolger Rhaegar Targaryen mit, den sie heimlich geheiratet hat.

Hinter den Worten Catelyns im Teaser steckt zudem noch etwas anderes. In dem vollständigen Zitat verbirgt sich ein Hinweis auf den ersten Angriff der Weißen Wanderer auf Westeros, der vor 8000 Jahren zurückgeschlagen wurde – in einem Winter, der über eine Generation währte und schließlich zum Bau der Mauer und von Winterfell führte. In die Legenden ist das als die „Lange Nacht“ eingegangen. Und in Catelyns vollständigem Zitat bezeichnet sie die Zeit, in der ein kranker Jon Schnee als Kind um sein Leben kämpft ebenfalls als „Lange Nacht“. Weil wir wissen, dass der Autor George R. R. Martin Hinweise gerne versteckt, glauben wir nicht an einen Zufall. Unsere Vermutung: Es gibt einen Zusammenhang zwischen den Weißen Wanderern, dem Haus Stark sowie einem gebrochenen Eid oder Versprechen. Das würde auch erklären, warum der Nachtkönig nach Winterfell zieht, nachdem er die Mauer durchbrochen hat – und nicht nach Königsmund als Zentrum der Macht.

Jon spielt wenig überraschend eine zentrale Rolle im Finale. Denn er wird erneut gezeigt, wie er nun zur Statue von Ned Stark blickt. Wir hören dessen letzten Worte an seinen angeblichen Sohn. Er sei ein Stark und sein Blut würde durch seine Adern fließen. Was nicht zitiert wird: Ned würde mit ihm nach seiner Rückkehr aus Königsmund über seine Mutter reden.

Es klingt zunächst wie eine Zusammenfassung der Geschichte von Jon. Aber er wird in der achten Staffel tatsächlich die Wahrheit erfahren. Symbolisiert im Teaser von einer Feder: Die fällt aus der steinernen Hand der Statue von Lyanna. Robert Baratheon hatte sie dort in der ersten Staffel hingelegt. Als Zeichen seiner immerwährenden Liebe, wenn nicht sogar seiner Besessenheit: Seine Verlobte mochte exotische, tropische Vögel. Die Feder stammt von einem jener Tiere. Und sie fiel schon einmal. In Staffel 5: Sansa hob sie damals auf und legte sie zurück. Danach erzählte sie die offizielle, unwahre Geschichte, wie Prinz Rhaegar Targaryen die mit Robert verlobte Lyanna entführt und vergewaltigt hatte. Die Feder steht für diese falsche Version der Historie. Im Teaser wird sie vom Eis verschlungen: Die Lüge vergeht in der Kälte des Nachtkönigs. Und die Starks folgen ihrer wahren Bestimmung.

Jons, Sansas und Aryas Marsch durch die Katakomben kann man auch anders verstehen: Sie gehen ihrem Schicksal entgegen. Am Ende stehen sie vor drei Statuen in der Gruft, die nach ihrem Bild für sie gemacht worden sind. Allerdings zeigen die Statuen von Jon und Sansa reifere, ältere Menschen. Nur die von Arya wirkt so jung, wie sie tatsächlich ist. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass die jüngste Stark-Tochter die achte Staffel nicht überleben wird.

Aber wo ist ihr Bruder Bran in dem Teaser? Zunächst sieht er sich selbst nicht mehr als Stark, sondern er ist zu einem mythischen Wesen geworden – zum dreiäugigen Raben. Aber dann ist da noch zu Beginn des Teasers ein kurzer Moment, nachdem das Zitat von Lyanna fällt. Jon bleibt kurz stehen und dreht seinen Kopf. Als ob er etwas gehört hätte. Das erinnert an den jungen Ned Stark in Staffel 6, als Bran in einer Vision seinem Vater etwas zuruft. Auch da bleibt Ned kurz stehen und dreht sich um, als ob er etwas gehört hätte. Bran ist im Teaser nicht physisch anwesend, aber sein Geist ist bei Jon Schnee und führt ihn vielleicht sogar in Staffel 8 zu seiner Bestimmung.

Und die scheint nicht darin zu liegen, König des Nordens zu sein oder der Herr von Winterfell. Die Anordnung der Statuen könnte ein Schlüssel sein: Sansas Ebenbild steht in der Mitte. Wie eine Hauptfigur. Wie die Herrin von Winterfell oder vielleicht sogar die Königin des Nordens. Auch in der Schlussszene sieht man Sansa ohne Waffen, während Jon und Arya mit gezückten Schwertern vor ihr stehen. So, wie man eine Herrscherin beschützen würde. Jon scheint also seinen Titel abzugeben. Vermutlich, weil niemand im Norden dem Spross eines Targaryen folgen möchte, nachdem die Wahrheit bekanntgeworden ist. Wenn aber Sansa in Winterfell herrscht, was ist dann mit Jon?

Jon Schnee wird gegen den Nachtkönig kämpfen müssen. Die Schlacht bei Winterfell in der achten Staffel wird eine der aufwändigsten Inszenierungen bei Game of Thrones werden. Foto: dpa/Helen Sloan

Wir glauben nicht, dass er auf dem Eisernen Thron sitzen wird. Die Statue ist ein Indiz dafür, dass er sich dazu bekennt, ein Stark zu sein. Aber nur als Targaryen wäre er der rechtmäßige Herrscher von Westeros. Vielmehr wird ihm sein wahrer Vater in eine tiefe Krise stürzen. Politisch wird es für ihn schwierig, weil es dem Norden schwerfallen wird, einem Mitglied der verhassten Königsfamilie zu folgen. Zudem gehen wir davon aus, dass Daenarys von ihm schwanger wird. Mehrmals hat er bereits gesagt, dass seine möglichen Kinder keine Bastarde wie er sein sollen. Also wird er Daenarys heiraten wollen – bis er erfährt, dass sie tatsächlich seine Tante ist. Für Daenerays als eine Targaryen wird das vermutlich kein Problem sein. In ihrer Dynastie war Inzest kein großes Thema, vielmehr kam es häufig vor. Damit die Blutlinie rein bleibt. Für Jon aber wird es undenkbar sein. Wenn er aber nicht heiratet, was wird dann aus seinem Kind werden?

Daenarys wiederum wird in Jon eine Bedrohung sehen, sobald sie die Wahrheit erfährt. Schließlich hat er einen stärkeren Anspruch auf den Eisernen Thron als sie. Und das wird sie nicht akzeptieren können. Ihr Leben wird seit der ersten Staffel von dem Wunsch geprägt, die Macht in Königsmund zurückzuerobern. Das wird sie nicht einfach aufgeben. Auch nicht für Jon. Und zu welchen brutalen Mitteln sie greifen kann, wissen wir. Für die beiden wird es kein glückliches Ende geben.

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