Für Muriel Baumeister ist Patchwork mehr "Patchwürg"

Schauspielerin schreibt Autobiografie : Baumeister: „Hinfallen ist keine Schande“

Wer sein Buch „Hinfallen ist keine Schande, nur Liegenbleiben“ nennt, hat etwas hinter sich. So war es auch bei Muriel Baumeister, einer der bekanntesten Schauspielerinnen der 90er Jahre. Sie schildert auch ihren Kampf gegen den Alkohol.

(dpa) Wenn Muriel Baumeister in Berlin mit der S-Bahn an der Charité vorbeifährt, läuft ihr ein Schauer über den Rücken: beim Moment, wenn sie den Raucherbalkon der psychiatrischen Station der Klinik sieht. Dort war sie als Alkoholikerin zum Entzug, heute ist sie trocken. Regelmäßig betet die Schauspielerin, dass sie nie wieder an diesen Ort zurück muss. So erzählt sie es in ihrem Buch „Hinfallen ist keine Schande, nur Liegenbleiben“.

Vor drei Jahren hatte Baumeister beim Parken einen Autounfall mit 1,45 Promille im Blut. Die kleine Tochter saß mit im Wagen. Es gab einen Prozess und eine Geldstrafe. Über den „Suff-Crash“, den „Absturz eines TV-Lieblings“ und den „tiefen Fall der Muriel Baumeister“ schrieb die Boulevardpresse danach. Im Buch heißt das Kapitel dazu „Letzte Ausfahrt“.

In den 90er Jahren war die Deutsch-Österreicherin ein Star, eine Liga mit Katja Riemann, sie gewann den Nachwuchspreis der Goldenen Kamera. Sie spielte in vielen Filmen und Serien mit, drehte mit Götz George. Ihr Markenzeichen: die großen Augen. Heute hat die 47-Jährige ein paar Pfunde mehr als früher, was ihr gnadenlose Vorher-Nachher-Vergleiche einbrachte, worüber sie sich ziemlich aufregen kann.

Oft läuft es so: Ein Prominenter stürzt, dann kommt die Talfahrt in den Medien, dann das „Jetzt rede ich“-Kapitel. Wer ein öffentlicher Mensch ist, kämpft um die Deutungshoheit, wenn sie ihm entrissen wird. Die Jagd, das Ausgeliefertsein, das soll vorbei sein.

Nach der Krise will Muriel Baumeister mit ihrem Buch Mut machen. Geschrieben hat sie es mit Constanze Behrends, bekannt aus der Berliner Theatersitcom „Gutes Wedding, Schlechtes Wedding“. Es soll ausdrücklich keine Beichte sein. Sie sei niemandem Rechenschaft schuldig außer ihrer Familie und ihren Freunden, sagt Baumeister. Da ist sie fast auf den Tag genau seit zwei Jahren trocken.

Ein Kampf war es für sie, die Sucht zu erkennen: Der Alkohol schlich sich in ihr Leben. Wie bei vielen Süchtigen war es erst Wein, dann Härteres wie zehn Gin Tonics an einem Abend. Mit der Depression nach der Geburt ihres dritten Kindes wurde es richtig schlimm. Sie musste begreifen, dass sie Alkoholikerin ist und es schaffen, die Sucht in ihre Grenzen zu weisen. Mit ihrer Geschichte will Baumeister zeigen: So kann es gehen, es gibt Hilfe. „Das heißt nicht, dass es für jeden funktioniert. Aber für mich hat es so funktioniert.“ Der Entzug klappte auf die harte Tour, nicht mit Yoga und Körbeflechten.

In der Filmbranche sei Alkohol ein großes Problem, die Volksdroge Nummer 1. „Du darfst dich in diesem Land zu Tode trinken, und keiner tut was dagegen.“ Und in ihrer Branche dürfe man nicht schwächeln. „Du darfst nicht hinfallen.“

Nach Jahrzehnten im Geschäft weiß Baumeister, was sie mit dem Buch erwartet: Viele werden sich auf das Thema Alkohol stürzen. „Darauf bin ich eingestellt. Das ist natürlich der Aufhänger. Und das ist ja auch einer der wichtigen Punkte.“ Es sei aber nicht der einzige Punkt.

Ihr Leben hat viele Facetten, das zeigt das Buch ausführlich: Da ist die Liebe zur ihrer Heimat Österreich und speziell zum Mattsee. Da sind die starken Frauen ihrer Familie. Da ist das Leben in Berlin, wo sie sich einen Spaß daraus macht, im Dirndl zur Wahl zu gehen. Und da ist das Filmgeschäft, die Karriere. Zum Thema Schönheitsdruck: Botox mag Baumeister für sich nicht. Sie schwört auf andere kosmetische Verjüngungsmittel (Hyaluron) und empfiehlt den Klassiker: „Immer abends abschminken.“

Sie hat drei Kinder (26, 13 und vier  Jahre alt) von drei Männern. Patchwork heißt bei ihr „Patch-Würg“. Sie hat sich das Modell nicht bewusst ausgesucht. „Das ist schon extrem anstrengend, und das ist auch nicht das, was ich mir gewünscht habe.“ Andererseits: Sie habe drei sehr große Lieben in ihrem Leben gehabt und drei wundervolle Kinder. „Ich weiß nicht, ob man mehr erwarten darf.“ Ist das Buch ein Schlussstrich unter ein schwieriges Kapitel? Das hofft sie. „Ich habe einen Karriereknick erlebt, absolut. Aber das ist jetzt vorbei.“

(dpa)
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