"Für den Köln-,Tatort' würd' ich umziehen"

"Für den Köln-,Tatort' würd' ich umziehen"

Caroline Peters spielt in "Mord mit Aussicht" Kommissarin Sophie Haas. Heute beginnt die dritte Staffel (ARD, 20.15 Uhr).

Die 43-jährige Caroline Peters erzählt bei Obstkuchen und Espresso von Schüchternheitsattacken, ihren Zukunftsplänen und den tödlichen Tücken des Landlebens.

Sie redet zu schnell, meckert mit den Kollegen, die Kriminalfälle sind nicht unbedingt spannend. Trotzdem gehört Sophie Haas zu den beliebtesten TV-Kommissarinnen.

Peters "Mord mit Aussicht" ist wie ein Volksschwank angelegt. Sophie Haas erinnert mich an Pippi Langstrumpf, ihre Kollegen Schäffer und Bärbel sind wie Tom und Annika. Sätze wie "Die Spurensicherung hat den DNA-Abgleich gemacht" gibt es bei uns nicht. Stattdessen finden wir Fußabdrücke. Das ist wunderbar! Mich nervt es, dass heute die meisten Krimis so aussehen, wie sich der Zuschauer den Alltag bei der Polizei vorstellt. Wie langweilig! Ich mag Stilisierungen.

Der Serien-Ort Hengasch ist ein Musterbeispiel für die deutsche Provinz.

Peters Nicht ganz. Zuschauer haben mich darauf aufmerksam gemacht, dass wir mittlerweile neun Kirchtürme gezeigt haben. Das kommt daher, dass es keinen festen Drehort gibt. Wir ziehen kreuz und quer durch die Region. Da sind wir aus Versehen expandiert.

In der dritten Staffel übernimmt ein Bürgermeister eine wichtige Rolle. Das erinnert an die Serie "Um Himmels Willen".

Peters Keine Angst. Bevor Sophie Haas Nonne wird, fällt ihr ein Ziegelstein auf den Kopf oder sie wird von einem Fuchs gebissen und stirbt an Tollwut. Ein schöner Landtod schwebt mir da vor.

Den Ausstieg aus der Serie spinnen Sie also schon?

Peters Nein. Und wenn, dann keinen so brutalen. Ich finde es ganz schrecklich wenn Serien-Figuren, die man mag, am Ende sterben.

Wird es eine vierte Staffel geben?

Peters Das lässt die ARD offen. Auch ich will mich nicht festlegen. Grundsätzlich gefällt mir die Idee, mit der Figur umzuziehen.

Wo würde Sophie Haas weiterleben?

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Peters Sie würde natürlich zurück nach Köln gehen, zur Mordkommission, dahin, wo sie herkommt.

Dann übernehmen Sie bald den "Tatort" Köln?

Peters Genau! Das wird eine harte Nuss. Schenk und Ballauf werden versuchen, Sophie wegzumobben.

Sie sind in Köln aufgewachsen, drehen dort, sind aber immer noch festes Ensemblemitglied am Burgtheater in Wien. Wo sind Sie zu Hause?

Peters Ich pendle zwischen beiden Städten. Auch wenn ich oft Sehnsucht nach nur einem Wohnort habe, die Vorstellung, ganz in Köln zu leben, macht mir Bauchschmerzen. So charmant die Kölner sind, sie sind so rasend in ihre Dom-Stadt verliebt, dass sie sofort versuchen, einen zu vereinnahmen. Kölsch sein ist mehr als eine Nationalität.

Woher kommt Ihre Verbindung zum Theater?

Peters Mit 13 schenkten mir meine Eltern ein Theater-Abo, das hat mein Interesse geweckt. Ich wollte wissen, wie es hinter den Kulissen aussieht. Ein weiterer Grund für meine Berufswahl ist, dass ich eigentlich sehr schüchtern bin.

Eine Schüchterne, die auf die Bühne will? Wie passt das zusammen?

Peters Es ist eine Form der Therapie. Ich habe Gott sei Dank nur noch selten diese Schüchternheitsattaken. Aber es kann mich immer noch wie eine Allergie überrollen. Früher gab es diese Momente oft. Im Supermarkt in der Schlange an der Wursttheke zum Beispiel. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich endlich an der Reihe war, war ich so verschüchtert, dass mir die Sprache wegblieb.

Sie treten jahrelang im Theater auf und nur wenige kennen Sie. Dann spielen Sie eine TV-Komödie und sind berühmt. Ist das gerecht?

Peters Es ist seltsam, dass man plötzlich von Fremden angesprochen wird, und ich frage mich, was das wert ist. Aber das sind wohl die Konsequenzen, wenn man sich jeden Dienstagabend mit seinem Gequatsche bei den Leuten ins Wohnzimmer drängelt.

DAS GESPRÄCH FÜHRTE GABY HERZOG.

(RP)
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