Frank Fussbroich mit Frau im "Sommerhaus der Stars" 2018 dabei

Kölscher Kult-Star : Frank Fussbroich kehrt zurück

Im „Sommerhaus der Stars“ trifft der Kölner unter anderem auf „Mallorca-Jens“ Büchner. Für einen schönen Fernsehabend sollte der Zuschauer allerdings auf die alten Fussbroich-DVDs setzen.

„Unfassbar schlimm“ hat Fernsehkritiker und Comedian Oliver Kalkofe die RTL-Doku Soap „Das Sommerhaus der Stars“ im vergangenen Jahr genannt. Da wusste er noch nicht, was sich am Montagabend beim Start der neuen Staffel ereignen würde, sonst hätte er vermutlich noch derbere Worte gewählt.

Deutschlands Sender Nummer eins für Kuppel-Shows („Bauer sucht Frau“) hat auch jede Menge Fleischbeschauen im Programm, mal optisch erträglich („Bachelor in Paradise“), mal lächerlich („Love Island“). Aus letzterer stammt Stephanie Schmitz, 24, die damit natürlich sofort jenen „Prominentenstatus“ genießt, der zum Einzug ins „Sommerhaus der Stars“ berechtigt. Dort tauscht sie jetzt bereits im Trailer zur Sendung mit einem anderen TV-Sternchen namens Daniela Büchner, (40, „Goodbye Deutschland“), vor laufenden Kameras feuchte Küsse aus und lässt so früh wie nur möglich deutlich werden, auf welches Niveau sich die Zuschauer in diesem ehrenwerten Haus einzustellen haben. Der Kommentar von WG-Mitbewohner Frank Fussbroich zu Daniela Büchner fällt eindeutig aus: „Ich mag die nicht.“ Warum? „Weil die immer so die Augen aufreißt.“

Moment mal: Frank Fussbroich? Tatsächlich. Der Sohn jener kölschen Kultfamilie, die 1989 die erste Doku-Seifenoper im deutschen Fernsehen begründete, hat sich auch beim RTL-Rudelwohnen eingemietet. Die „Sommerhaus“-Gage von vermutlich mehreren 10.000 Euro – das erzählte er in Interviews bereits vor dem Start – hat er schon ausgegeben.

Im Gegensatz zur preisgekrönten „Fussbroichs“-Serie, die noch heute viele Fans besitzt und bis zum Jahr 2001 erfolgreich im WDR lief, war Frank Fußbroichs Leben keineswegs nur eine Erfolgsgeschichte. Er kam mit dem Gesetz in Konflikt, wurde zu zu Geldstrafen und 1998 zu Gefängnis auf Bewährung verurteilt.

Davon war freilich noch nichts zu spüren, als der WDR den damals elfjährigen Jungen und seine Eltern Fred und Annemie 1979 zu Hause im rechtsrheinischen Stadtteil Köln-Buchheim aufsuchte. Regisseurin Ute Diehl suchte für einen geplanten Dokumentarfilm in Kölner Gesamtschulen nach einer typisch deutschen Arbeiterfamilie, um den Überfluss an Spielzeug im Kinderzimmer darzustellen.

Das Ergebnis war derart überzeugend, dass die Fussbroichs zehn Jahre später authentisch ihren Familienalltag präsentieren durften – inklusive kölschem Dialekt. Drehbücher gab es nicht; die Fussbroichs ließen sich filmen, wo sie sich gerade befanden – sei es nun beim Kaffeeklatsch, an Freds Arbeitsplatz in der Fabrik oder im Reisebüro. So entstanden Äußerungen, bei denen einem vor Lachen heute noch die Tränen kommen. Beispielsweise wenn Freds türkische Arbeitskollegen das alte Sofa abholen und er leicht pikiert feststellt: „Jetz han us die Achmets der janze Kaffee wegjesoffe.“ Oder wenn Annemie im Griechenlandurlaub den Taxifahrer weltoffen fragt: „Fahr Car in Rhodos Stadt?“ Ganz zu schweigen von der Ernährungserkenntnis: „Wenn ich entschlacken will, geh ich aufs Klo!“

Dorthin könnten durchaus auch viele Fernsehzuschauer ausweichen, solange „Das Sommerhaus der Stars“ läuft. Der bessere Vorschlag wäre aber, die DVD mit alten „Fussbroich“-Folgen aus der Schublade zu holen und sich einen schönen Fernseh-Abend zu machen.

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