FPÖ: ORF-Journalist Armin Wolf ist Ziel einer Kampagne der rechtspopulistischen Partei

Partei attackiert Moderator : Der Mann der harten Fragen

Der ORF-Journalist Armin Wolf ist Ziel einer Kampagne der rechtspopulistischen Partei FPÖ.

Die Aggressivität, die ihm Gegner unterstellen, sieht man Österreichs populärsten Fernsehjournalisten Armin Wolf wahrlich nicht an. Mit eher biederem Habitus sowie stets heiserer Stimme moderiert er dreimal wöchentlich das ORF-Nachrichtenmagazin „Zeit im Bild 2“, kurz „ZiB 2“. Doch sein bohrender, entlarvender Interviewstil ist gefürchtet, sein Anspruch ist es, die Zuschauer hintergründig und aufklärend zu informieren. Auf nichtssagende Antworten geizt der 51-jährige gebürtige Tiroler nicht mit ironischen Bemerkungen.

Was anderswo als professioneller Journalismus gilt, ist im obrigkeitsgläubigen Österreich eine Unverschämtheit. Politiker werfen ihm „Lynchjustiz“, „Verhörmethoden“, „lustvoll inszenierte Hinrichtung“ und ähnliches vor. Das höflichste Kompliment ist „Wolf im Schafspelz“. Darauf reagierte er einmal bei einer Preisverleihung: „Nicht Politiker und Parteien müssen mit dem ORF zufrieden sein, unser Publikum muss zufrieden sein.“

Gegenwärtig ist Wolf bevorzugtes Ziel der permanent tobenden Kampagne der rechtspopulistischen FPÖ gegen den ORF. Im März plant die Regierung eine „Medien-Enquete“, die laut Beobachtern bezwecke, die Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Leitmediums auf ein Minimum zu kappen. Kürzlich postete FPÖ-Chef und Vizekanzler Heinz-Christian Strache auf Facebook nach Trump-Manier ein Plakatfoto von Wolf mit der untergriffigen Schlagzeile: „Es gibt einen Ort, an dem Lügen zu Nachrichten werden. Das ist der ORF.“ Wolf konterte mit einer Klage gegen den Vizekanzler, der wiederum wollte die persönliche Diffamierung als Satire verkaufen.

Den ersten Kontakt mit Journalisten hatte Armin Wolf, 1966 in Innsbruck geboren, als Teenager bei einem Schülerzeitungsseminar, mit 18 war er freier Mitarbeiter im Tiroler Landesstudio des ORF, 1988 wechselte er nach Wien in den Hörfunk als Außenpolitikredakteur. Nebenberuflich studierte er Politikwissenschaften und schrieb eine Abschlussarbeit über das Thema: Wie sich Politiker und Parteien in den Medien inszenieren.

Damit war er für die ZiB 2-Moderation bestens gerüstet, mit der er vor 15 Jahren betraut wurde. Mittlerweile erhoben ihn in- und ausländische Medien zur Ikone des unabhängigen Journalismus in Österreich. Auch in der Schweiz und in Deutschland ist Wolf – die ZiB 2 ist auf 3sat zu sehen – ein bekanntes Gesicht. Das Magazin „Politico“ setzte den preisgekrönten Wolf auf die Liste der 28 einflussreichsten Journalisten Europas.

Tatsächlich lieferte er journalistische Sternstunden. Einer FPÖ-Parlamentarierin, die von „zionistischen Geldjuden“ schwadronierte, riet er, ihr Mandat niederzulegen. Dem Milliardär und gescheiterten „Österreich-Erneuerer“ Frank Stronach drohte Wolf mit Abbruch des Interviews, wenn er den ORF als Propagandabühne missverstehe. Und vor rund einem Jahr legte sich Wolf mit Erwin Pröll an, einem der mächtigsten Landesfürsten Österreichs: Statt wie viele Kollegen das scheidende ÖVP-Urgestein und sein politisches Werk zu würdigen, löcherte ihn Wolf mit Fragen über die Finanzierung seiner Privatstiftung mit öffentlichem Fördergeld. Pröll drohte dem Interviewer vor laufender Kamera indirekt mit Jobverlust: „Das kommt noch zu Ihrem Chef!“ Wolf sitzt noch immer im ZiB 2-Studio, Pröll hingegen sah sich gezwungen, seine Stiftung aufzulösen und das Fördergeld zurückzuzahlen.

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