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Berlin: Finanzminister lobt Steuerfahnder-Film

Berlin : Finanzminister lobt Steuerfahnder-Film

In "Die Fahnderin" spielt Katja Riemann eine Mitarbeiterin des Neusser Finanzamts – alles frei erfunden. Natürlich.

Das hätte man in Köln etwas näher haben können: Zur Premiere seines Fernsehfilms "Die Fahnderin", der am 26. März in der ARD zu sehen sein wird, lud der WDR nach Berlin ins Hauptstadt-Studio. Neben dem WDR-Personal flog zur Premiere auch NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans als Gast. Laut WDR zeigte er sich "begeistert von der spannenden Darstellung der Arbeit der Steuerfahnder".

Trotz des Hinweises zu Beginn des Films, dass die Geschichte und die im Film handelnden Personen frei erfunden sind, und daher Ähnlichkeiten mit realen Personen natürlich unschuldigster Zufall und keineswegs beabsichtigt, dürfte sich der Minister über weite Teile deutlich an den Fall Zumwinkel erinnert gefühlt haben.

In dem Film spielt Katja Riemann die Steuerfahnderin Karola Kahane, die Figur ist sehr locker an die frühere Staatsanwältin Margrit Lichtinghagen angelehnt. Die Geschichte im Film: Das Land NRW hat eine Schweizer Steuer-CD mit Daten von 800 Steuerhinterziehern gekauft. Weil das Personal vorn und hinten nicht reicht, beschließt die Fahnderin, den prominentesten Namen aus der Liste zu ziehen – und mit ihm für den Diebstahl an der Gemeinschaft einen Promi wirklich ins Gefängnis zu bringen.

Wie Lichtinghagen, die am 14. Februar 2008 schlagartig berühmt wurde, als sie den damaligen Post-Chef Klaus Zumwinkel vor Kameras festnehmen ließ, ist auch bei Kahanes Coup gegen den Industriellen Benedikt Sämann (gespielt von Alexander Held) ein Kamera-Team zugegen. Und wie Lichtinghagen, dem wenige Wochen vor Prozessbeginn das Verfahren gegen Zumwinkel entzogen wurde, droht der Steuerfahnderin behördeninterner Ärger.

Angesiedelt ist die fiktive Geschichte in Neuss. Zu sehen ist die Stadt freilich nicht, gedreht wurde nur in Düsseldorf, Berlin und Zürich. Die Figur der Steuerfahnderin sowie ihr Umfeld (problematische Tochter, problematisches Verhältnis mit dem Generalstaatsanwalt) ist interessant angelegt, wird aber eben leider von Katja Riemann gespielt, der man die Steuerfahnderin schon aus optischen Gründen nicht abnimmt.

Riemann trägt eine regelrecht albern große Brille, eine unglaubwürdige Perücke mit einem merkwürdigen Pony. Mit dieser Maskerade habe sie "das Gesicht beschützt", gab die Schauspielerin zu Protokoll, weil auch eine kompromisslose Fahnderin ihr Gesicht nicht "so hinhalten" könne. Das mag schlau gedacht sein, doch funktioniert es nicht, weil Riemann in diesem Film nicht wie eine Steuerfahnderin aussieht, sondern lediglich wie eine komisch verkleidete Katja Riemann.

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Als Wirtschaftskrimi funktioniert der Film jedoch gut und ist spannend anzusehen. Die Durchsuchungsszenen sollen einigermaßen realistisch sein. Beraten wurde die Produktion von Frank Wehrheim, der von 1967 bis 2009 als Leitender Beamter in der hessischen Landesfinanzverwaltung arbeitete, davon 28 Jahre in der Steuerfahndung. Von Wehrheim stammt das 2011 erschienene Buch "Inside Steuerfahndung".

(RP)