Finale von Game of Thrones: So wurde die Serie von HBO zum Kult

Die letzte Staffel der HBO-Serie startet : So wurde „Game of Thrones“ zum Kult

Viele Millionen Menschen haben dem heutigen Tag entgegen gefiebert. Die achte und letzte Staffel von „Game of Thrones“ startet. Längst ist die TV-Serie die erfolgreichste aller Zeiten mit Millionen Fans weltweit. Doch was macht den Mythos aus?

In der Nacht vom 14. auf den 15. April um 3 Uhr morgens werden viele Wecker in Deutschland klingeln. Denn dann beginnt in den USA die 8. und letzte Staffel von „Game of Thrones“. Und auch bei uns werden viele sofort dabei sein wollen – wenn die Drachen wieder fliegen und Charaktere, mit denen man so lange mitgefiebert hat, auf ihr Drehbuch-Schicksal treffen.

Doch was fasziniert so viele Menschen an dem Fantasy-Drama, das 2011 begonnen hat? Damals war es zunächst noch ein Geheimtipp. Der US-Sender HBO wollte sich an einer TV-Adaption des literarischen Mammutwerks „Ein Lied von Eis und Feuer“ von George R. R. Martin versuchen. Groß waren die Erwartungen nicht. Burgen, Ritter, Lords und Adelsdamen rasten vor der TV-Premiere durch einen kurzen Werbespot. Wer die Buchvorlage nicht kannte, vermutete ein weiteres seichtes Fantasy-Mittelalter-Abenteuer. Und wer die mehrbändige Geschichte gelesen hatte, hegte noch weniger Hoffnung: Zu komplex schien die Story, als dass man sie in ein klassisches Fernsehformat pressen könnte.

Dann kam die erste Folge: 2,2 Millionen TV-Zuschauer schalteten damals in den USA ein. Ein eher solides Ergebnis. Aber Mundpropaganda und die sozialen Netzwerke sorgten schnell dafür, dass die Zahlen in die Höhe schossen. Zuletzt sahen mehr als zwölf Millionen in den Staaten das Finale der siebten Staffel während der Erstausstrahlung. Über die legalen, kostenpflichtigen Online-Plattformen, aber auch illegalen Abrufe im Netz liegt die tatsächliche Zahl um ein Vielfaches höher und jenseits der 150 Millionen.

„Game of Thrones“ ist zu einem popkulturellen, globalen Phänomen geworden, auch weil es die Grenzen des gewohnten Fernsehens gesprengt hat. Der Sender HBO hatte zwar schon zuvor mit Geschichten abseits des Mainstreams wie „Sex and the City“ oder „Sopranos“ Erfolg gehabt. In „Game of Thrones“ ging man aber noch mehrere Schritte weiter. Auch bei der Inszenierung: Die an das Spät-Mittelalter angelehnte Fantasy-Welt wurde unter anderem in Irland, Island oder Dubrovnik gedreht. Mit sehr viel Computertechnik wurde daraus dann das fiktive Universum, das authentisch und lebendig schien – von den opulenten Palästen bis hin zu den dreckigen Gossen.

Auch die gezeigte Gewalt war nicht steril, sauber oder verklärend, sondern brutal, blutig, schockierend und aufwühlend. Sex-Szenen sahen wie solche aus. Sie waren indes nicht nur Selbstzweck oder billiger Voyeurismus, sondern sie gehörten zur Geschichte – die sie tatsächlich voranbrachten.

Mehr noch als die Inszenierung aber waren es die Figuren, die Zuschauer mitrissen. Ob es nun der stolze, ehrenhafte, aber auch verstockte Ned Stark (Sean Bean) war, seine freche und eigensinnige Tochter Arya (Maisie Williams), der zynische „Gnom“ Tyrion Lannister (Peter Dinklage) – sie wirkten wie echte Menschen, die sich zwischen gut und böse bewegten und deren Persönlichkeit sich von Folge zu Folge entfaltete. Die Figuren wuchsen und veränderten sich. Vor den Augen des Zuschauers, der sie verabscheuen, mit ihnen fiebern oder leiden konnte. Jaime Lannister (Nikolaj Coster-Waldau) ist so von einer der anfangs meistgehassten zu einem der derzeit beliebtesten Charaktere geworden. Zumal die Serie etwas tat, wozu nur wenige TV-Produktionen zuvor bereit waren: Hauptfiguren konnten sterben. Als Ned Stark in der ersten Staffel exekutiert wurde, saßen viele Zuschauer ungläubig vor ihren Fernsehern. Und es sollte noch viele weitere Tote folgen: Man musste sich um jeden Charakter sorgen machen, weil jeder bedrohliche Moment tatsächlich der letzte sein konnte.

Die Serie brach mit den TV-Konventionen und folgte so aber auch der tiefsinnigen, vielschichtigen Buchvorlage, die in Teilen von der realen Geschichte des europäischen Mittelalters inspiriert war. In Absprache mit dem Autoren George R. R. Martin nahm sich HBO indes einige Freiheiten. Und dennoch war es fühl- und sichtbar: Die Serienmacher meinten es ernst mit der TV-Umsetzung. Und die Zuschauer folgten ihnen und der komplexen Story voller politischer Winkelzüge, Intrigen und Kriege – in deren Zentrum aber immer die Charaktere standen. Kaum jemand hätte die Geldprobleme eines Königshauses für eine spannende Geschichte gehalten. In „Game of Thrones“ verschlang man solche Details, weil das Konsequenzen für einige der Figuren hatte.

Zudem rückte im Verlauf der Staffeln langsam eine weitere übernatürliche, unheimliche Bedrohung immer mehr den Fokus des Fantasy-Universums, das uns auch starke weibliche Charaktere präsentierte: Daenerys Targaryen (Emilia Clarke) wurde als folgsame, naive Teenagerin eingeführt. Zu Beginn der achten Staffel führt sie eine Armee an und beansprucht im Namen ihrer Familie den Königsthron – auf dem Cersei Lannister (Lena Headey) sitzt. Die war anfangs eine frustrierte, missgünstige Ehefrau und Mutter, die ihren Mann mit ihrem Zwillingsbruder betrog. Nun herrscht sie alleine und mit eiserner Hand über das Königreich.

Mit den Haupt- und Nebenfiguren hat der Zuschauer über sieben Staffeln sehr viel durchgemacht – von Inzest bis Vergewaltigung, von Verrat bis Ehrenhaftigkeit, von Mord über sadistische Folter bis hin zu religiösen Fanatismus und Aufopferung. In einer fantastischen Welt, in der Drachen fliegen, Tote wiederauferstehen und Magie tatsächlich existiert. Die achte Staffel wird die letzte sein. Die vielen Storyfäden entwirren sich. Die Charaktere treffen auf ihr endgültiges Schicksal. Und die Fans können es kaum abwarten.

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