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Berlin: Familiendrama um zwei Brüder

Berlin : Familiendrama um zwei Brüder

In dem Film "Unterm Eis" sucht ein junger Mann nach dem Tod seines Bruders sich selbst.

Herz-Schmerz-Geschichten wie "Utta Danella", "Lilly Schönauer" oder "Die Alpenklinik" haben über viele Jahre den ARD-Sendeplatz am Freitagabend um 20.15 Uhr geprägt. Doch seit einiger Zeit sind dort erfrischend andere, weil ernsthaftere Filme zu sehen. Das Familiendrama "Unterm Eis" fügt sich gut in diese neue Entwicklung ein.

Wir befinden uns in Norwegen, die Brüder Isak (David Rott) und Jonas (Lucas Prisor) machen einen Skiausflug in die Gletscher. Bei schönstem Sonnenwetter löst sich eine Lawine und begräbt beide unter den Schneemassen - Isak überlebt schwer verletzt und ist traumatisiert; Jonas' Rucksack wird später gefunden, doch seine Leiche kann nie geborgen werden. Bei Erhalt der schrecklichen Nachricht knetet die Mutter Ingrid (Renate Krößner) stumm in ihrem Kuchenteig weiter, der allmählich erblindende Vater Thore (Henry Hübchen) wird später etwas murmeln wie "Der Tod an sich ist ja schon schlimm. Aber das Zurückbleiben, das tut richtig weh."

Erst später kommen die Vorwürfe an Isak, der Jonas angeblich zu dem Ausflug gedrängt und seinen Tod in Kauf genommen habe - was natürlich völliger Unsinn ist. Im Gegenteil ist es so, dass sich die beiden Brüder immer sehr gut verstanden haben und beste Freunde waren. Während Jonas die Leitung der familiären Großschreinerei übernommen hat und mit seiner Frau Malin (Julia Hartmann) und seinen beiden Söhnen im Heimatdorf lebt, arbeitet Isak als Informatiker im 100 Kilometer entfernten Alesund und ist mit Stella (Friederike Linke) zusammen. Zur Taufe seines kleinen Neffen Eirik ist Isak erstmals seit langer Zeit wieder zu seinen Eltern gereist - auch, um sich mit dem Vater auszusprechen, der ihm seinen Weggang nie verziehen hat.

David Rott (37) spielt diesen jungen Mann, der sich ungeliebt und nicht anerkannt fühlt und auf der Suche nach sich selbst ist, mit erkennbarer Zerrissenheit. Es gehe für Isak um die Frage nach seiner Daseinsberechtigung, sagt der Schauspieler über seine Rolle. Genau das könnte man auch der ARD und ihrem geänderten Profil am Freitagabend zuschreiben. "Am Freitag Abend sind in der Tat mehr ambitionierte Einzelstücke geplant", sagte ARD-Programmdirektor Volker Herres. "Filme, die unterhalten, aber auch relevante Geschichten erzählen sollen."

"Unterm Eis" hat Elemente eines modernen Heimatfilms, aber vielmehr ist der Film ein psychologisch-hintergründiges Kammerspiel mit einem eher stillen Helden. Und das wird durch die großartige Landschaft in der Nähe des norwegischen Geirangerfjords (bekannt für seinen wunderschönen Wasserfall "Die sieben Schwestern") durchaus eindrucksvoll untermauert.

"Unterm Eis", ARD, 20.15 Uhr

(dpa)