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"Kaltstart" in der ARD: Ein "Tatort" wie ein Kinofilm

"Kaltstart" in der ARD : Ein "Tatort" wie ein Kinofilm

Für Hauptkommissar Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und Kollegin Katharina Lorenz (Petra Schmidt-Schaller) ist es wirklich ein Kaltstart. Gerade erst sind sie vom Landeskriminalamt zur mobilen Fahndungseinheit der Bundespolizei gewechselt - und schon stehen sie vor dem Desaster einer missglückten Observation.

Ein Hafenmitarbeiter, der Schleusung von Flüchtlingen verdächtig, stirbt bei einer Gasexplosion, ebenso wie zwei Polizisten, die ihn gerade festnehmen wollten. "Wir wollten ihn heute nur hochgehen lassen", sagt der Einsatzleiter. "Das ist euch gelungen", entgegnet Falke.

Dieser lakonische Grundton zieht sich durch den dritten Fall des Ermittlerteams Möhring/Schmidt-Schaller, der eine Premiere in der "Tatort"-Geschichte ist: Erstmals arbeiten die Kommissare bei der Bundespolizei.

Für die Schauspieler und Autoren hat das Charme, denn damit werden die Figuren mobil: "Wir können jetzt überall sein und so spannende Themen wie Schleusung und Drogenhandel behandeln", erklärt Möhring. "Sogar über die deutsche Bundesgrenze hinaus können wir tätig werden oder bei internationalen Fußballspielen."

Zunächst ermitteln sie aber in Wilhelmshaven, in der beeindruckenden Szenerie des Jade-Weser-Ports, Deutschlands einzigem Tiefwasserhafen und ein Milliardengrab. Auch deshalb ist dieser "Tatort" sehenswert - er bietet neben einer guten Dramaturgie kinoreife Bilder des Containerhafens und Luftaufnahmen einer Drohne. Da ist auch der Themenwust (Menschenschmuggel, Waffenhandel, strukturschwache Regionen) zu verzeihen oder so manche Schwäche bei der Inszenierung, wenn etwa der Flüchtling aus dem Kongo, dessen Sohn Französisch spricht, mit den Beamten in akzentfreiem Englisch redet.

Besonders reizvoll am "Kaltstart"-Team: Es transportiert ein wohltuend anderes Image von den angeblich so harten Kommissaren. Die Kollegen reden beim Feierabend-Bier über Kinderwunsch und Familienglück. Der Höhepunkt aber ist eine Szene im Krankenhaus. Falke besucht einen bei der Explosion verletzten Beamten, dessen Augen nun bandagiert sind. Als der mit dem Löffel hilflos rumfuchtelt, sagt Falke: "Lass', ich helfe dir." Und bevor er ihm den Löffel zum Mund führt, pustet er die Suppe kalt.

"Tatort - Kaltstart", ARD, So., 20.15 Uhr

Hier geht es zur Bilderstrecke: Szenenbilder aus dem "Tatort: Kaltstart"

(RP)