Bestes Fernsehen: Echtzeit-Serie "24" startet in die fünfte Runde

Bestes Fernsehen : Echtzeit-Serie "24" startet in die fünfte Runde

Düsseldorf (RPO). Es vergehen gerade einmal vier Minuten, und schon liegt der erste Sympathieträger in seinem Blut. Weitere zehn Minuten später erwischt es die zweite Schlüsselfigur. Schon mutig, wie die Macher von "24" ein ums andere Mal wichtige, lieb gewonnene Personen richten. Das Grundprinzip der Serie bleibt das gleiche, und doch zieht sie ihren weltweit ungebrochenen Erfolg aus der Bereitschaft zur Veränderung. RTL II startet am Mittwoch um 21.10 Uhr die Ausstrahlung der fünften Staffel.

Die vierte hatte man vor einem Jahr an einem Samstag begonnen. Sicher kein allzu glücklicher Schachzug, nachdem das vorrangig junge Zielpublikum den Samstag gewöhnlich nicht gerade zu einem Fernsehtag erklärt. Festgehalten indes wird an der Strategie, stets drei Folgen am Stück zu zeigen. Bedeutet: Nach acht Wochen, so schnell wie nie, wird die fünfte Staffel der US-Serie ihr Finale erleben.

Von Anfang an liegen die Senderechte für die Actionserie, die in den USA bei Fox läuft, in Deutschland bei RTL II, und von Anfang an tut sich der Sender schwer. "24" ist, wenn man so will, eines der größten Rätsel des deutschen Fernsehens. Die Zuschauerzahlen liegen zwischen 0,7 und 1,2 Millionen, die Marktanteile übersteigen selbst in der Zielgruppe die Sechs-Prozent-Marke nur äußerst selten.

Deutschland lästert kollektiv über sein Fernsehprogramm, missachtet aber eine der unbestritten besten TV-Produktionen aller Zeiten. Verstehe das, wer will. Aber RTL II gibt nicht auf. Eine Tatsache, die dem Sender der zweiten Generation einerseits hoch anzurechnen ist. Doch der Branchenliebling "24" tut nicht zuletzt auch dem eigenen Image gut.

Ein Tag mit der Hauptfigur

Nun also die nächste Chance für den Zuschauer, einen Tag mit der Hauptfigur der Serie, mit Jack Bauer (Kiefer Sutherland), zu verbringen. Die fünfte Staffel hält wie alle vorhergehenden am Erfolgsprinzip fest: "24" ist im Grunde ein 24 Stunden langer Thriller, der in Echtzeit erzählt wird. Jede Minute der Handlung ist also auch ungefähr eine Minute für den Zuschauer. Eine Folge dauert ca. 42 Minuten und wird durch Werbung auf 60 Minuten gestreckt. Deshalb entspricht eine Handlungsminute nicht genau einer Minute für den Zuschauer.

Dabei sind es stets vier bis fünf Handlungsorte, die im Zentrum der Story stehen. Gelegentlich arbeiten die Regisseure mit Splitscreen, teilen also das Bild auf. Gut möglich, dass bislang der eine oder andere Zuschauer Sorge hatte, diesem ungewöhnlichen Konzept nicht folgen zu können oder zu wollen. Doch "24" ist selbsterklärend, zu jedem Zeitpunkt logisch und nachvollziehbar und vor allem: Es ist spannender als so ziemlich alles, was man sonst so vorgesetzt bekommt.

Ähnlich wie zum Beispiel bei der ProSieben-Serie "Lost" verbieten sich inhaltliche Ankündigungen. "24" lebt von seinen Überraschungen. Lebt von der Tatsache, dass in jeder Minute hier eigentlich alles passieren kann: von einem plötzlichen Terroranschlag bis hin zum Tod einer Hauptfigur. Doch die Ausgangssituation ist bekannt: Jack Bauer wurde am Ende von Season vier offiziell für tot erklärt, nachdem es der chinesische Geheimdienst auf ihn abgesehen hat. Nur wenige Personen wissen, dass er am Leben ist.

Im Fadenkreuz der Ermittlungen

In der fünften Staffel nun wird er zurückkommen müssen, denn aufgrund manipulierter Beweise gerät er plötzlich wieder ins Fadenkreuz der Ermittlungen seines ehemaligen Arbeitgebers, der CTU, einer Anti-Terror-Einheit der Vereinigten Staaten. Sein Leben unter einer neuen Identität ist vor einer auf die andere Minute vorüber. "Ich habe mir eingebildet, dass auch einer wie ich eine zweite Chance bekommen kann", wird er bald schon sagen. Wohl wissend, dass er sich natürlich getäuscht hat.

In den USA war die fünfte Staffel der Serie, die zu Beginn des Jahres 2006 gezeigt wurde, nicht nur bei den Zuschauerzahlen (zwischen 13 und 17 Millionen) die bisher erfolgreichste. Insgesamt 51 Nominierungen erhielt "24" bislang für den Fernsehpreis Emmy, 2006 bekam die Produktion insgesamt fünf Auszeichnungen, darunter die für die "Beste Serie" und für den "Besten Hauptdarsteller".

Klar also, dass es weitergehen wird. Die sechste Staffel startet in den USA am 14. Januar, und wie immer herrscht höchste Geheimhaltung. Ein erster Trailer offenbart indes eine äußerlich sichtbare deutliche Veränderung Jack Bauers, die all jenen, die sich die Spannung nicht durch ein, zwei gezielte Mausklicks im Netz nehmen lassen wollen, Raum für Spekulationen lässt. Sicher ist zudem bereits jetzt: Der Schauspieler James Cromwell wird als Jack Bauers Vater erstmals in Erscheinung treten.

Sicher ist auch, dass im Laufe des Jahres 2007 mit der Produktion eines Kinofilms begonnen wird. "Das ist etwas, das wir unbedingt machen wollen", erklärt Sutherland. Der Film werde eigenständig funktionieren, also nicht mit den bereits bestehenden Handlungsabläufen vermischt. Erstmals wird es hier auch zeitliche Sprünge geben, ein ganzer Tag wird also auf zwei Stunden gerafft. Kiefer Sutherland ist zuversichtlich: "Ich bin fest davon überzeugt, dass der Film und die Serie nebeneinander existieren können."