DSDS 2018: Gesangliche Höhepunkte waren Mangelware

"Deutschland sucht den Superstar": Fremdschämen mit Hintergrundmusik

Tränen, Ohnmacht und Fremdschäm-Momente lieferte am Mittwochabend die Auftaktfolge der 15. Staffel von "Deutschland sucht den Superstar". Unter anderem blamierte sich eine Leverkusenerin bis auf die Knochen – RTL half fleißig mit. Gesangliche Höhepunkte waren Mangelware.

Tränen, Ohnmacht und Fremdschäm-Momente lieferte am Mittwochabend die Auftaktfolge der 15. Staffel von "Deutschland sucht den Superstar". Unter anderem blamierte sich eine Leverkusenerin bis auf die Knochen — RTL half fleißig mit. Gesangliche Höhepunkte waren Mangelware.

Eigentlich geht es bei DSDS ums Singen. Eigentlich. Denn in guter (oder je nach Ansicht auch schlechter) Tradition, dominierten bei der ersten Casting-Sendung der neuen Staffel schräge und absolut peinliche Auftritte bei denen die Kandidaten von sich selbst und den RTL-Machern nach allen Regeln der Kunst durch den Kakao gezogen wurden.

Da gab es die 26-jährige Claudia, die anstatt zu singen ihren ersten "Song" tänzerisch performte und dabei ihr großes Vorbild Britney Spears verkörpern wollte. Trotz eines roten Regenschirms als Requisite, konnte sie weder tänzerisch, körperlich oder sängerisch auch nur ansatzweise mithalten. Für etwas Dramatik täuschte Pop-Titan Dieter Bohlen während ihres Auftritts eine Ohnmacht vor, nachdem er sich an ihrem Regenschirm geschnitten hatte. Anschließend stellte er die ziemlich naiv wirkende Kandidatin auch noch bloß, indem er ihr — im Gegensatz zu allen anderen Juroren — ein "Ja" gab. Fast traurig war es mit anzusehen, wie Claudia deshalb mit Tränen in den Augen um eine Chance flehte — von RTL natürlich in epischer Länge ausgestrahlt.

Blamabel war auch der Auftritt der 19-jährigen Manuela aus Leverkusen. Ihr talentfreier Gesang spielte dabei nur eine Nebenrolle. Die junge Frau versuchte sich vergeblich und ziemlich unbeholfen als Umwelt-Schützerin und kommende Bundeskanzlerin zu profilieren. RTL half da gerne nach, montierte Kohlekraftwerke, Windräder sowie Wahlplakate ins Bild und inszenierte gemeinsam mit der Kandidatin eine sinnlos zusammengeschnittene Wahlkampf-Rede im Aufenthaltsraum des Studios. Zum Fremdschämen.

Noch skurriler wurde es, als die Hausfrau Melanie den Jury-Raum in einem Kostüm aus dem Disneyfilm "Die Eiskönigin" betrat — samt Spezial-Handschuh als Kunstschnee-Kanone. Die Krone setzte diesem Haufen schräger Kandidaten, von denen hier aus Platzgründen bei Weitem nicht alle genannt werden können, der 21-jährige Altenpflege-Azubi Marcel auf. RTL stellte ihn als "Helene-Fischer-Sternchen" vor, das beim Versuch einen Hit des Schlagerstars zu covern natürlich kläglich versagte.

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Der Fremdschäm-Moment war hier aber weniger der schiefe Gesang oder der unkoordinierte Tanzstil des Kandidaten. "Liebe Frauen, ich bin Single und noch zu haben", stotterte Marcel in einem Einspieler in die Kamera und ergänzte mit dünner Stimme: "Ich bin offen für alle Frauen, die sich dafür bereit erschließen, mich kennenzulernen." Spätestens hier dürften sich viele Zuschauer gefragt haben, ob sich RTL im Sende-Format vertan hatte: War das noch DSDS oder doch eher "Schwiegertochter gesucht"?

Apropos Schwiegertochter gesucht: Die Darstellung von Marcel und den anderen skurrilen Kandidaten erinnerte erschreckend an den "#verafake" aus dem Jahr 2016. Damals hatte ZDF-Satiriker Jan Böhmermann einen falschen Kandidaten in die RTL-Kuppelshow eingeschleust, um zu beweisen, dass der Sender aus den Teilnehmern absichtlich "Witzfiguren" mache, "auf deren Kosten man sich schön abends als ironischer Asi-Fernsehzuschauer amüsieren kann, um sein eigenes mickriges Selbstwertgefühl ein bisschen aufzupolieren". Natürlich gibt es keinen Beleg dafür, dass Böhmermann auch bei DSDS seine Finger im Spiel hat, um RTL erneut bei einem Versuch zu ertappen, die eigenen Kandidaten noch lächerlicher zu machen. Es bleibt trotzdem die Frage: Wie kann man sich freiwillig in einer bundesweit ausgestrahlten TV-Show so bloßstellen (lassen)?

Neben den vielen Fremdschäm-Momenten wurde am Mittwochabend auch tatsächlich gesungen. Wer die musikalischen Höhepunkte mitbekommen wollte, musste sich aber fast bis zum Schluss gedulden. Erst überzeugte die 18-jährige Lara mit einer gefühlvollen Variante von Ed Sheerans "I see fire", dann sang der Ex-Fußballer Santo vom gleichen Künstler die Nummer "Perfect". Letzterer erinnerte mit seiner unkomplizierten und sympathischen Art sehr an Pietro Lombardi, den DSDS-Sieger aus dem Jahr 2011.

Neu-Juror und Musikproduzent DJ Mousse T. war so begeistert, dass er sofort seine goldene Schallplatte herausholte und den Kandidaten so direkt in die übernächste Runde zum Recall nach Südafrika schickte. Das war allerdings schon die auffälligste Aktion aus den Reihen der drei neuen Juroren. Ansonsten blieben Mousse T., Schlagersängerin Ella Endlich und Pop-Sängerin Carolin Niemczyk bei ihrem ersten Auftritt neben dem erfahrenen Pop-Titan Bohlen blass.

Die gesanglichen Highlights waren damit am Mittwochabend schnell abgearbeitet. So konnte RTL noch einen Zusammenschnitt weiterer schwacher Kandidaten zeigen, die mit derben Sprüchen — vorzugsweise von Bohlen — abgekanzelt wurden. Als nach einem der unzähligen dilettantischen Sänger aus dem Off eine Stimme mit den Worten "Und grad, wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo was Schlimmeres her" zu hören war, dürfte sich so mancher Zuschauer gedacht haben: Ja, zum Beispiel diese 15. Staffel von DSDS.

Hier geht es zur Bilderstrecke: So lief der Auftakt der 15. DSDS-Staffel

(kron)
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