Dschungelcamp: So langsam wird "Ich bin ein Star — Holt mich hier raus!" interessant

"Ich bin ein Star — Holt mich hier raus!" : So langsam wird's 'ne Show

Elf Tage lang mochte man meinen, dass die RTL-Show "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!" ihren Zenit offenbar überschritten hat. Selbst die Moderatoren Sonja Zietlow und Daniel Hartwich machten sich nicht mehr nur über die langweiligen Kandidaten lustig, sondern waren sichtlich genervt. Gegen Ende der neunten Staffel wird es dann aber doch noch unterhaltsam.

Elf Tage lang mochte man meinen, dass die RTL-Show "Ich bin ein Star — Holt mich hier raus!" ihren Zenit offenbar überschritten hat. Selbst die Moderatoren Sonja Zietlow und Daniel Hartwich machten sich nicht mehr nur über die langweiligen Kandidaten lustig, sondern waren sichtlich genervt. Gegen Ende der neunten Staffel wird es dann aber doch noch unterhaltsam.

Was hat in den ersten Tagen des Dschungelcamps nicht alles gefehlt: Geständnisse, Geheimnisse, Geturtel — im Grunde alles, wofür die Show in den vergangenen Jahren berühmt und berüchtigt geworden war, warum sie für Preise nominiert wurde und weshalb sie es ins Feuilleton geschafft statt nur in die Klatsch-Spalten.

In der ersten Woche war es vor allem Walter Freiwald, der verstanden hat, worum es in der Sendung geht. "Die Zuschauer sind das Allerwichtigste", sagte der Moderator just zu Rolfe Scheider. "Man muss denen Spaß machen, die müssen Spaß haben." Der Casting-Director, der ebenso wie der 60-Jährige unter den letzten sechs der anfangs elf Kandidaten der Show ist, wirkte in dem Moment so, als habe er keine Ahnung, wovon Walter spreche.

Bisher hatte nur Walter das Spiel, wie er es selber immer wieder nennt, verstanden. Angelina Heger lag immer nur hungernd rum, bevor sie aufgab. Patricia Blanco fiel nur einmal auf, weil die anderen Kandidatinnen ihr an die Brüste gingen. Benjamin Boyces Teilnahme an der Sendung ist nur eine Legende. Sara Kulka hatte neben ihren Bildern im "Playboy" immerhin noch eine freche Schnauze zu bieten, sah aber selbst nach ihrer Rauswahl ein, dass sie vielleicht mehr hätte machen können. Und Rebecca Siemoneit-Barum glaubt wirklich, dass sie sich aufgrund der vielen Gespräche, die sie am Lagerfeuer geführt hat, als Moderatorin für eine Talkshow empfohlen hat. Mehr Langeweile ging kaum.

Doch dann kam der Dienstagabend. "Kurz, bevor RTL uns ins Vormittagsprogramm versetzen wollte, geben die hier unten richtig Gas", kündigte Sonja Zietlow bei der Anmoderation der Sendung an, und endlich wirkten die Moderatorin und ihr Kollege Daniel Hartwich wieder mehr bissig als genervt von der Unlust der mehr oder weniger Prominenten, eine gute Show abzuliefern. Zurecht. Denn die Quoten, die im vergangenen Jahr ihren Höhepunkt erreicht hatten, sind zwar immer noch ordentlich, liegen aber deutlich unter dem Niveau der Staffel von 2014, in der Schlagersänger Michael Wendler "Ich bin ein Star — Holt mich hier raus!" rief, Larissa Marolt den Rekord für die meisten Dschungelprüfungen brach und Melanie Müller am Ende Dschungelkönigin wurde.

Bereits zu Beginn der vergangenen Episode, die 6,29 Millionen Menschen eingeschaltet hatten, ging es endlich rund im Camp. Vor allem Aurelio Savina zog sich den Unmut der Kollegen zu, als er behauptete, dass Mauritius zehnmal schöner sei als Thailand. Selbst Tanja Tischewitsch merkte, dass der Italiener das ja gar nicht beurteilen könne, schließlich sei er ja noch nie in Thailand gewesen. Maren Gilzer, Tanja und Walter stimmten den Chor derer an, die sich über Aurelios Aussagen wunderten — und endlich zogen die Kandidaten übereinander her.

"Das ist so anstregend, wenn du dich mit jemandem unterhältst, der eine Meinung hat, und der von der auch gar nicht abzubringen ist", jammerte Maren fast noch diplomatisch. Walter, ohnehin nie um einen Spruch verlegen, lästerte ordentlich ab: "Also ehrlich, ey, wo bin ich hier gelandet? Im Asiland? Meiner Meinung nach ist er ein Lackaffe, der einfach doof ist. Hat der 'nen Schaden, der Typ, oder was ist los? Der hat 'nen Knall, der Typ, der ist durchgeknallt, der ist nicht dicht."

Später fügt er hinzu, dass der Italiener doch in seine Heimat abhauen solle, wenn es ihm nicht gefalle, und dass er "kotzen könnte". "Wirklich?", fragte Maren. "Nee, im Kopf", antwortete Walter. "Was ist das? Wo sind wir denn hier?" Es sind Tiraden wie diese, die man in der bisherigen Staffel so sehr vermisst hat, und die dem Zuschauer das Gefühl geben, dass sich vermeintlich Prominente von einer ganz normalen, privaten Seite zeigen. Als Aurelio dann noch mit einer Eidechse sprach und sagte, dass sie eine hübsche sei, wurde es auch Tanja zu viel. "Ich dachte, der hat nicht alle Tassen im Schrank. Der hat sich echt benommen, als ob das ein Zwergkaninchen wäre."

Mittlerweile spielen die verbliebenen Kandidaten mit, wenn die Macher der Show versuchen, ein bisschen Unterhaltung zu inszenieren. Angelina beantwortete Fragen ob einer vermeintlichen Konkurrenz zu Sara irgendwann gar nicht mehr, und auch die Aufregung um das Spiel, wer der bekannteste Promi im Camp sei, war eher mau. Maren hingegen schluckte bei der aktuellen Dschungelprüfung, zu der sie mit Camp-Liebling Jörn Schlönvoigt antrat, fast alles und holte allein die fünf Sterne. Das war tatsächlich mal eine Überraschung — und sorgte dafür, dass die ehemalige "Glücksrad"-Buchstaben-Umdreherin nun gute Chancen hat, die Sendung zu gewinnen.

Auch ein neues RTL-Spiel ging voll auf. Walter bekam einen Geheimauftrag. Er sollte dafür sorgen, dass sich eine in einer geheimen Höhle versteckte Wasseruhr immer weiter dreht. Dazu musste er sich nicht nur einen Tag lang jede halbe Stunde heimlich von der Gruppe entfernen, sondern auch Tanja in seine Aufgabe einweihen. Die anderen durften keinen Verdacht schöpfen, taten sie aber irgendwie doch. Aurelio fragte, wo Tanja denn immer hingehe, Jörn wollte einfach nicht schlafen, sodass sich die 25-Jährige kaum klammheimlich aus dem Staub machen konnte, und Maren überlegte laut, warum der Walter denn "dauernd den Hang hoch und runter" rennen würde, "man guckt doch nicht alle fünf Minuten nach seiner Wäsche". Bei sowas fiebert der Zuschauer mit, schließlich ist er selbst in das Geheimnis involviert.

Zu guter letzt sprechen die Kandidaten (ebenfalls endlich!) ehrlich über ihre Beweggründe, ins Dschungelcamp zu ziehen. Beim Anblick von Aurelio überwiegt dabei noch die Schadenfreude, da er und sein Management offenbar wirklich davon ausgegangen waren, dass man eine Siegprämie von mindestens 250.000 Euro bekommen würde. Rebecca sah im Engagement einen Job wie jeden anderen auch, Maren interessierte sich vor allem für die hohe Einschaltquote und "die Gage, die ist schon nett".

Der absolute Klartext zum Thema kam aber erneut von Walter. Bei Maren sei er sich sicher, dass sie das Aus in der ARD-Serie "In aller Freundschaft" nicht verkraftet habe und nun mit dem "Dampfhammer" zeigen wolle, wie toll sie doch sei, um bald eine neue Rolle zu bekommen. Während Maren das zwar irgendwie zugab, aber nicht in dieser Deutlichkeit sagte, erklärte Walter offen und ehrlich, dass diese Sendung seine letzte Möglichkeit sei, einen Job zu bekommen. "Du", flüsterte er zu Tanja, "hast noch tausend Chancen. Ich habe nur eine."

Ein Protagonist, der seine letzte Chance ergreifen will, ein paar Geheimnisse, die ausgeplaudert werden, und diverse Lästereien hinter dem Rücken der anderen — es ist der Stoff, aus dem Einschaltquoten gemacht sind.

Weitere Informationen zum Dschungelcamp in unserem Dossier.

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Hier geht es zur Bilderstrecke: Dschungelcamp, Tag 12: Aurelio nervt und Walter hat einen Geheimauftrag

(spol)