Dschungelcamp: Langweiligste Staffel aller Zeiten?

"Ich bin ein Star — Holt mich hier raus!" : Darum kommt das Dschungelcamp so schwer in die Gänge

Fans und Kritiker brechen wegen der neuen Folgen der RTL-Show "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!" noch nicht in Jubelstürme aus. Es drohte sogar eine der langweilisten Staffeln aller Zeiten. Doch die Folge von Dienstagabend macht Mut, dass sich das bald ändern wird.

Fans und Kritiker brechen wegen der neuen Folgen der RTL-Show "Ich bin ein Star — Holt mich hier raus!" noch nicht in Jubelstürme aus. Es drohte sogar eine der langweilisten Staffeln aller Zeiten. Doch die Folge von Dienstagabend macht Mut, dass sich das bald ändern wird.

Fünf Folgen des Dschungelcamps sind in diesem Jahr ausgestrahlt worden, vier von ihnen hatten mehr als sechs Millionen Zuschauer, der Staffel-Start sogar mehr als sieben Millionen. Einzig der Sonntagabend litt darunter, dass zeitgleich beim Günther-Jauch-Talk in der ARD "Pegida"-Frontfrau Kathrin Oertel zu Gast war. Bei RTL freut man sich natürlich darüber, den Januar als Marktführer abzuschließen — allerdings wird man sich auch fragen müssen, warum die Quoten unter denen des vergangenen Jahres liegen.

Zum einen liegt das natürlich an der Staffel aus dem vergangenen Jahr. Alle, vor allem der Kölner Privatsender selbst, klopften sich auf die Schulter und lobten das "beste Dschungelcamp ever, ever, ever". Die achte Staffel hatte die höchste Einschaltquote des Formats seit Beginn der Show im Jahr 2004, besonders die Eskapaden von Larissa Marolt wollten sich täglich mehr als sechs Millionen Zuschauer nicht entgehen lassen. Die TV-Nation, so schien es, bekam nicht genug vom tollpatschigen österreichischen Model, das einen neuen Rekord für die meisten Dschungelprüfungen aufstellte.

Nach so einer Staffel ist die Fallhöhe natürlich hoch. Ähnlich wie die Erwartungen an die Fußball-Nationalmannschaft nach dem Gewinn des WM-Titels stark gestiegen sind, so erwartet man nun auch vom Dschungelcamp wahre Wunder-Dinge — allerdings spielen die Kandidaten da nicht wirklich mit.

Denn die sind vielmehr damit beschäftigt, die Karriere nach dem Auszug aus dem TV-Lager zu planen. Das vergangene Jahr hat selbst Maren Gilzer, die früher lieber putzen gegangen wäre als nach Australien zu fliegen, gezeigt, dass eine Teilnahme am Camp durchaus sinnvoll sein kann. Oder wie Walter Freiwald sagt: "Es ist nicht mehr so, dass hier der Abschaum reinkommt." Wen genau er damit meint, erwähnt er besser nicht.

Dabei ist der 60-Jährige bisher der einzige, der das Camp aufmischt. Er betreibt ein bisschen Name-Dropping ("der Thomas" Gottschalk, "die Anke" Engelke, "der Günther" Jauch) und hetzt gegen Harry Wijnvoord, dessen Assistent er jahrelang bei "Der Preis ist heiß" war. Genau das will der Zuschauer hören, dass Promis genauso lästern wie sie selbst — und dann auch noch über Personen, die einem Millionen-Publikum bekannt sind.

Doch mit solchen Attacken halten sich die anderen Promis noch gezielt zurück. Von Rolfe Scheider mochte man sich erhoffen, dass er nochmal gegen Heidi Klum stänkert, mit der er zwei Jahre in der Jury von "Germany's Next Topmodels" zusammengearbeitet hat. Fehlanzeige. Tanja Tischewitsch plaudert zwar über eine Freundin, die angeblich über Instagram Stars kennengelernt und mit ihnen eine Liaison gestartet hat. Sie habe ihr aber versprochen, keine Namen zu nennen. Und Patricia Blanco berichtet zwar von einer Beziehung, die sie als 18-Jährige mit einem 60-jährigen Promi gehabt haben will. Aber auch da fallen keine Namen. Über ihren Vater, Schlagersänger Roberto, verbreitet sie ohnehin nur die alten Kamellen.

Und wenn man den Promis schon nicht beim Tuscheln zuhören kann, dann will man sie zumindest leiden sehen. Das Problem: Auch da spielen sie nicht mit. Sara Kulka stand zunächst ganz oben auf der Liste derjenigen, die in eine Dschungelprüfung nach der nächsten muss. Doch als sie bei der dritten Prüfung nicht mehr versagte, war sie auch schon langweilig. Das nächste potenzielle Opfer, Angelina Heger, holte sogar zehn von elf Sternen — so hatte sich der Zuschauer das nicht gedacht.

In Walter Freiwald (wem auch sonst?), will man nun das nächste Opfer gefunden haben. Am Abend muss er zum zweiten Mal in die Dschungelprüfung, dieses Mal mit Tanja, bei der die Zuschauer mal testen wollen, ob die ehemalige "Deutschland sucht den Superstar"-Teilnehmerin sie nicht besser unterhalten kann. Einen Versuch ist es zumindest wert. Die anderen vermeintlichen "Dummchen", die ansonsten in den vergangenen Jahren amüsiert haben, stellen sich halt einfach zu clever an.

Immerhin: Die Folge am Dienstagabend hatte Ansätze, dass die Show nun ein bisschen in die Gänge kommt. Zum einen, weil es endlich um Brüste ging. Tanja und Sara fassten Patricia an, um Silikon zu fühlen. Sex sells eben. Zum anderen, weil es endlich echte Tränen gab. Angelina hat, und das darf man ihr glauben, Heimweh. Zuhause sei sie oft gemein zu ihrer Mutter und ihrem Freund, sie habe sich sogar gefreut, endlich nach Australien zu dürfen, um den Streitereien zu entfliehen. Dass sie nun vor Langeweile zu denken beginnt und ihr dämmert, dass ihre Reaktionen Menschen verletzen könnten, führt zu den ersten echten Tränen der aktuellen Staffel. Ein bisschen Herzschmerz verkauft sich eben auch.

Allerdings: Dass sich ein Paar annähert wie in einigen der vorherigen Staffeln, scheint dieses Mal ausgeschlossen. Da gab es 2011 Indira Weis und Jay Khan, die im Dschungel-Pool knutschten, 2012 Kim Gloss und Rocco Stark (die später sogar ein Kind bekamen) und 2013 Gabby Rinne und Marco Angelini, die zumindest ein bisschen miteinander turtelten. Dass eine der aktuellen Kandidatinnen sich auf einen der Männer einlässt, ist ausgeschlossen.

Denn auch Aurelio Savina hält nicht das, was er versprochen hatte. Keine Flirts mit den jungen Damen, keine offen ausgetragenen Machtkämpfe mit irgendwem. Einem Zwist mit Walter, der diesen zumindest zu provozieren versuchte, ging er aus dem Weg. Und da kaum einer überrascht, sondern nur langweilig rumsitzt wie Benjamin Boyce (ja, der ist auch dabei), muss Aurelio auch keinen offenen Disput fürchten, den sich die Zuschauer jedoch so sehr wünschen. Jörn Schlönvoigt gibt sich ohnehin zu verständnisvoll, als dass man mit ihm aneinandergeraten könnte.

Zumindest Walter könnte in seinen vielen Rollen, die er im Camp übernommen hat, noch für ein bisschen mehr Stimmung sorgen. Da mag man hoffen, dass er recht behält mit dem, was er Sara zuflüsterte: "Ruhe vorm Sturm, wart's ab. Wenn erstmal die Reserven weg sind, dann drehen einige durch." Dafür kann er bei seiner zweiten Dschungelprüfung am Abend selbst sorgen. Schon bei der Ekel-Essens-Prüfung schaffte er es geschickt, dass er und Jörn nur mit fünf von elf Sternen nach Hause kamen. Schafft der Moderator noch mehr Konflikt-Potenzial, müssen die anderen Camper irgendwann reagieren. Und dann haben Fans und Kritiker die Show, die sie erwarten.

Hier geht es zu unserem Dschungelcamp-Dossier.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Dschungelcamp, Tag 5: Alle wollen an Patricia Blancos Brüste

(spol)