Einkalkuliertes Minusgeschäft: Dschungelcamp bescherte RTL täglich Verluste

Einkalkuliertes Minusgeschäft: Dschungelcamp bescherte RTL täglich Verluste

Köln (RPO). Trotz aller Traumquoten kann der Kölner Sender RTL vom "Dschungelcamp" offenbar nicht finanziellen Gewinn schlagen. Im Gegenteil: Einem Medienbericht zufolge machten die Kölner an jedem der 16 Sendetage 500.000 Euro Verlust mit dem Dschungel-Format.

Von den Verlusten berichtet des Branchenmagazin "Kontakter". Der Grund sei die geringe Werbeauslastung. Die soll sich paradoxerweise aus den oftmals sensationell hohen Marktanteilen von 50 Prozent in der werberelevanten Zielgruppe ergeben haben.

Demnach wurde RTL Opfer des eigenen Erfolgs. Denn durch die starken Quoten steige der Preis für einen 30-Sekunden-Spot auf nicht weniger als 55.000 Euro. Das aber war offensichtlich zahlreichen Werbekunden zu teuer. Die Preise senken wollte RTL jedoch auch nicht. Das widerspreche der Senderpolitik und drohe die Preise für andere Formate zu schädigen, hieß es laut Bericht aus Köln.

Die Sprecherin des RTL-Werbevermakters IP Deutschland, Cordelia Wagner, sagte "Kontakter", dass RTL die Einnahmen zwar gerne eingestrichen hätte, damit aber nicht wirklich gerechnet habe. RTL hat demzufolge das Minus bereits vorab einkalkuliert.

Die fünfte Dschungel-Staffel war die bislang erfolgreichste. Durchschnittlich 7,62 Millionen Zuschauer verfolgten die 16 Folgen der am Samstag zu Ende gegangenen Show und bescherten dem Sender damit einen Marktanteil von 30 Prozent, wie RTL am Montag mitteilte. In der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen schalteten im Schnitt 4,74 Millionen Zuschauer ein, die einen sensationellen Marktanteil von 42 Prozent brachten.

Damit war die fünfte Staffel bei der Gesamtzuschauerzahl sowie der Zuschauerzahl und dem Marktanteil beim jungen Publikum die bislang erfolgreichste. Der frühere Soapdarsteller Peer Kusmagk war am Samstag von den Zuschauern zum Dschungelkönig gewählt worden.

Wenn schon nicht für den eigenen Etat, so erzielt RTL offenbar umso mehr nach außen hin Erfolge. Sogar bei den Öffentlich-Rechtlichen. So sollten sich nach dem Willen von MDR-Intendant Udo Reiter die ARD durchaus mehr am Programm von Privatsendern wie RTL orientieren. "Was die Machart angeht, da könnten wir Öffentlich-Rechtlichen uns tatsächlich die eine oder andere Scheibe abschneiden und von RTL etwas lernen", sagte Reiter der Wochenzeitschrift "Super Illu". Was in Shows wie "Deutschland sucht den Superstar" geboten werde, "ist moderner, schneller und aggressiver gemacht als bei uns - und deshalb für ein jüngeres Publikum offensichtlich attraktiver". Hier werde die ARD von den Privaten herausgefordert und müsse dagegenhalten.

Das sei innerhalb der föderalen ARD-Struktur "naturgemäß schwierig, weil sich da nicht so leicht eine einheitliche Linie durchsetzen lässt. Aber wir sind innovationsfähig und ich bin sicher, dass die ARD-Vorsitzende und der ARD-Programmdirektor das bald in die Hand nehmen werden", sagte Reiter.

Mit Blick auf das am Samstag geendete RTL-Dschungelcamp habe er "sehr zwiespältige Gefühle", sagte der MDR-Intendant: "Beim Anblick der Madenfresserei im Dschungelcamp kann man nur den Kopf schütteln und sich fragen, ob so etwas im deutschen Fernsehen wirklich laufen muss." Dennoch sei das Format "handwerklich glänzend gemacht". RTL fange das Publikum durch ein dramaturgisch gekonnt gestaltetes Produkt. Inhaltlich kämen "diese Schmuddel-Themen" für die ARD aber nicht in Frage. "Das passt weder zu unserem Programmauftrag noch zu unserem Selbstverständnis."

Hier geht es zur Infostrecke: Dschungelcamp: Der Zoff mit Sarah im Wortlaut

(apd/ddp)
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