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Dschungelcamp 2021: Tag 11 - was ist gestern im Tiny House passiert?

TV-Kritik zur elften Dschungelshow : „Ich mache mir einen Sud aus vielen Zigaretten und trinke den dann“

Xenia von Sachsen stellt zwei Zigaretten über die Bedürfnisse ihrer Kollegen, Filip Pavlovic führt Djamila Rowe in die Jugendsprache ein und die Pointen des Moderatorenduos waren auch schonmal besser. Eine Kritik zum elften Tag im Hürther Dschungel.

Wenn Xenia von Sachsen die Wahl hat zwischen zwei Kippen und dem Wohl ihrer Kollegen, dann nimmt sie die Kippen. Während Djamila Rowe und Filip Pavlovic mit langen Gesichtern auf dem Bett hängen und ihre Augen kaum offen halten können, siegt Xenias Nikotinsucht. Hätte sie sich beim verlockenden Angebot von RTL anders entschieden, dürften Djamila, Filip und sie jetzt einen 30-minütigen Powernap halten. So hat nur Xenia was davon: „Ich bin froh, dass ich jetzt Frieden in mir habe“, sagt sie und zieht an ihrer Zigarette. Und die Adelige kann froh sein, dass ihre Kollegen den auch haben – oder in Djamilas Worten: „Ich bin immer so ne innere Friedenstante.“ Sonst hätte es wohl längst geknallt.

Immerhin sagt Xenia nicht: „Wenn sie nicht die Augen schließen dürfen, dann sollen sie halt mit offenen Augen schlafen“, wie man es vom Marie-Antoinette-Gedächtnis-Hochadel erwartet hätte. Aber das kann noch kommen an Tag elf: „Nächstes Mal sagen wir zu Xenia: Fünf Kippen oder Filips Niere?“, kündigt Moderatorin Sonja Zietlow an. Leider leere Versprechungen. RTL wollte das wohl nicht ausprobieren. Wer weiß, was dabei herausgekommen wäre. Zur Zerstreuung der Teilnehmer verteilt der Sender lieber 700 Murmeln im Tiny House, die die drei Kandidaten aufsammeln müssen. Filip aka Captain Obvious: „Ey, Leute, wir sammeln die jetzt erstmal alle ein.“ Stille. Wenn es Grillen im Tiny House gäbe – sie würden jetzt zirpen.

Die Stille wird unerträglich. Jede Chance auf eine Pointe – vertan.

Da schiebt er nach: „Mit nem Handfeger, Leute!“ Djamila ringt sich ein Lächeln ab. „Ahh“, macht Xenia. Dabei mutete es doch schon unangenehm genug an, als Filip über seine Lieblingstherme in Hamburg sagte, sie sei „wie ‚Adam sucht Eva’, nur ohne Kamera“.

Doch das hält Djamila nicht davon ab, sich bei ihm Rat zu holen. Sie bucht Filip für eine Lerneinheit in Sachen Jugendsprache. Ihr ist nämlich aufgefallen, dass sie gar keine Ahnung hat, wer dieser Digga ist, von dem Filip immer redet. „Was ist Digga? Ich versteh das nicht. Wer ist Digga? Ist das überhaupt ein deutsches Wort?“, platzt es aus Djamila heraus. Filip versucht es mit Beispielsätzen. „Digga, wir müssen reden“, sagt er, „heißt, dass ich ein Problem habe.“ Djamila nickt. „Diggaaaa, meld dich bei mir“, sagt Filip, „bedeutet, Achtung, du hast Scheiße gebaut.“ Djamila nickt, dieses Mal langsamer. „Die Betonung macht es“, meint Filip. Djamilas Augen weiten sich. „Digga, war das dein Ernst gestern?“, sagt Filip, „heißt ‚Digga, war das dein Ernst gestern?’“ Achso. Aber letztendlich kann er Djamila beruhigen: „Digga ist’n Kompliment, das heißt, du bist wunderschön“, behauptet Filip. Sie lächelt. „Checkst du es?“ Sie versteht die Frage nicht. „Verstehst du es?“, fragt er nochmal in anderen Worten. „Achso ja, ich verstehe es.“ Hier wartet noch viel Arbeit auf den 28-jährigen Jugendsprache-Lehrer. 

Zietlow und Moderator Daniel Hartwich jedenfalls haben einen Heidenspaß daran, ihn nachzuäffen. „Digga, ey, küss’ mir meine Augen“, säuselt Zietlow in die Kamera und Hartwich gackert, weil er das wohl für eine angemessene Art hält, zu lachen. Doch so richtig sitzen ihre Pointen an Tag elf in Hürth-Efferen nicht. Was Djamila, die sich „Mutter aller Luder“ nennt, wohl zu ihrem Kind sagte, wenn sie es in die Kita brachte, fragt sich das Moderatorenduo. „Die Mama muss noch ein bisschen ludern gehen“, schlägt Hartwich vor. Schwierig. Zumal Djamilas Kinder mit 11 und 23 längst aus dem Kita-Alter raus sind. Und irgendwann werden Begriffe wie „Slutshaming“ oder „Bodypositivity“ bestimmt auch den kompetenten Showmastern der größten Unterhaltungsformate etwas sagen. Geduld ist eine Tugend.

Das muss auch Xenia auf die harte Tour lernen. 15 Fluppen an drei Tagen sind einfach nicht genug für sie. Sie klatscht mit der Hand gegen ihren Unterarm, würde sich das Nikotin am liebsten intravenös zuführen. „Ich mache mir einen Sud aus vielen Zigaretten und  trinke den dann“, beteuert sie. Doch nach der erfolgreichen Dschungelprüfungstauglichkeitsprüfung, bei der Filip die Sterne im Becken voller Karpfen und Störe beinahe verfehlt, weil er von Haien halluziniert, bekommt sie nicht etwa die heißersehnten Zigaretten. RTL reicht Nutella und Gummibärchen durch die Versorgungsschleuse. Filips Wangen leuchten rot, als er das Tablett herausnimmt. Er kann sein Glück kaum fassen. Wenn schon kein Powernap, dann hilft ihm zumindest der Industriezucker wieder auf die Beine. Tag elf ist nämlich immer noch nicht geschafft. Die Zeit fließt zäh wie Honig durchs Stundenglas.

In den letzten Zügen der Sendung geht RTL deshalb nochmal in die Vollen: „Ohne Kippen droht die Stimmung zu kippen“, witzelt Hartwich, Djamila überlegt, ob sie das „goldene Ticket aus Gold“ in den Dschungel zu Geld machen kann und Xenia fantasiert von einer Hypnosetherapie gegen ihre Nikotinsucht. Über RTLs süße Überraschung ist Letztere aber noch nicht hinweg: „What the fuck, what the fuck?“, murmelt sie immer wieder. Kurzer Input für Djamila: Damit meint sie sowas wie „Was zum Teufel?“ Doch das könnte Filip sicher besser erklären.

Wie auch immer, eine Erkenntnis von Tag elf bleibt: Die Dschungelshow – sie ist auch nicht mehr das, was sie noch nie gewesen ist. Gute Unterhaltung zum Beispiel.  

Hier geht es zur Bilderstrecke: Dschungelcamp 2021 – Das sind die Kandidaten