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Dschungelcamp 2021: Die Dschungelshow – was in Folge 1 passierte

Erste Folge „Ich bin ein Star - die Dschungelshow“ : „Hier geh ich nicht Pipi“

Das lange Warten hat ein Ende. Das Dschungelcamp flimmert wieder über die Bildschirme in diesem Land. Ein wenig Unterhaltung in den schweren Zeiten tut gut – auch wenn die Show aus Hürth kommt. Das spielte sich in der ersten Folge ab.

Man nehme Doktor Bob, die bewährten Prüfungen aus dem Dschungelcamp in Australien und die fast immer fiesen Kommentare von Sonja Zietlow und Daniel Hartwich. Fertig ist: „Ich bin ein Star – die große Dschungelshow“ bei RTL.

Am Freitag startete die Corona-Version des Dschungelcamps und unweigerlich kommt dabei die Frage auf, warum RTL jedes Jahr im Januar – in pandemiefreien Zeiten – seine Kandidaten und Mitarbeiter ans andere Ende der Welt karrt, wenn man den künstlichen Dschungel in Hürth unweit von Köln einigermaßen hübsch herrichten kann.

Das ist das Fazit der ersten Folge. Es macht für den TV-Zuschauer einfach keinen Unterschied, ob nun aus Australien oder aus Pusemuckel gesendet wird – weil der Inhalt weitestgehend gleich geblieben ist, die Änderungen sind minimal. RTL hat es sich zum Beispiel nicht nehmen lassen, Kultfigur Doktor Bob aus Down Under einfliegen zulassen. Was wäre denn bitte ein Dschungelcamp – oder eine Castingshow für das Dschungelcamp – ohne den netten Bob, der immer ins Bild gerannt kommt. Thorsten Legat ist auch wieder dabei – als eine Art Motivationscoach. Im Fokus der Sendung stehen weiterhin die Faktoren: Vorführen, eine starke Prise Voyeurismus und das oft kommunizierte Eingeständnis, dass es in diesem Jahr keinen wirklichen Promi im Teilnehmerfeld gibt.

Gleich in der ersten Sendung der diesjährigen Ausgabe, an dessen Ende der Gewinner das Goldene Ticket für die nächste richtige „Dschungelcamp“-Staffel erhält, wurden die Stars natürlich vorgeführt – so wie man es eben kennt. Wobei hier auch etwas revidiert werden muss. Das Wort „Star“ ist bei dem Personal, dass sich RTL dieses Jahr geangelt hat, maßlos übertrieben. Tauchten im Dschungel in Australien vielleicht noch Promis aus der zweiten oder dritten Liga auf, sind es in Hürth eher Kreisklassenspieler. Der Mannschaftskader war schon mal besser, viel besser. Sehr viel besser.

Das wird mit Blick auf die Bewohnerliste der Tiny Houses (kleine Häuser mit einer Größe von 18 Quadratmetern, in denen die Promis jeweils drei Tage lang zu dritt wohnen, danach wird wieder munter durchgetauscht) deutlich. RTL hat da im Angebot: Christina Dimitriou, Bea Fiedler, Frank Fussbroich, Mike Heiter, Lydia Kelovitz, Djamila Rowe, Xenia von Sachsen, Zoe Saip, Oliver Sanne, Sam Dylan, Lars Tönsfeuerborn, Filip Pavlovic. Eine Übersicht der Kandidaten finden Sie hier.

Der Vollständigkeit halber: Dragqueen Nina Queer, eine „Komikerin“, die sich selbst als „Hitler-Transe“ bezeichnete und dann von RTL aus dem Aufgebot geworfen wurde, kannte man halt auch so gut wie gar nicht. Für Queer zog dann schließlich Sam Dylan ein. „Große Namen werden dann auch wieder 2022 dabei sein, in den kommenden 15 Shows suchen wir den oder die große Unbekannte“, sagte Moderator Hartwich gleich zu Beginn der Sendung und macht damit das Niveau dieser Sonder-Edition deutlich.

Zyniker könnten jetzt behaupten, dass auch der Finanzrahmen bei RTL – aus Corona-Gründen eben – etwas enger geworden sei. Vorbei seien die Zeiten, als sich die Macher noch eine teure Brigitte Nielsen leisten konnten. Aber sind wir mal gespannt, wen RTL dann im kommenden Jahr aus dem Hut zaubern wird.

Und dann ist es eben Zoe Salome Saip, die mal bei Heidi Klum „Germany’s next Topmodel“ werden wollte und die die Leute auf ihre Art und Weise unterhält. Das tut sie gleich zu Beginn. Da sagt sie, dass sie sich zu 70 Prozent vegan ernähre. Woraus die anderen 30 Prozent bestehen, lässt sie offen, was bedauerlich ist. Ist das konsequent? Die nächsten Tage werden es zeigen.

Gemeinsam mit Mike Heiter – kennen Sie vielleicht aus dem „Sommerhaus der Stars“ – und Frank Fussbroich – dem kleinen Fussbroich vom WDR – zieht sie als erstes Trio in das Tiny House ein. Jeweils drei „Stars“ wohnen drei Tage gemeinsam im Haus, dann fliegt einer raus, die anderen beiden Kandidaten stehen im Halbfinale. Acht „Stars“ kämpfen dann weiter um das Finalticket. Die Tiny Houses mit der Enge, den rationierten Lebensmittel und dem Klo aus einer Plastiktüte bestehend, könnten in diesem Jahr die größten Herausforderungen sein. Ausrufen wie „Waaaas, so sieht’s hier aus“ und „Hier geh ich nicht Pipi“, die von Zoe kommen und doch glatt an bessere Dschungelzeiten mit Sarah Dingens und Giselle Oppermann erinnern, sind das beste Beispiel dafür. Wohnen in Hürth geht sicher besser. „Die Einrichtung ist scheiße“, sagt Fussbroich und Heiter prognostiziert, dass jeder „Haufen im Klo stinken wird“.

Was fehlt, wird übrigens doch beim Einzug der Kandidaten deutlich. Die schreienden, unfreundlichen Drill-Sargents, die die Kandidaten durchsuchen, sind in Australien geblieben. Es gibt kein Lagerfeuer und eine Schatzsuche fällt wegen Corona auch aus. Es bleiben die Witze, Schenkelklopfer und der Wendler spielt eine Rolle, auch wenn er verpixelt gezeigt wird und der Name nicht ausgesprochen wird. Dafür garniert RTL die erste Folge mit den Auftritten von Ex-Dschungelkönigin Melanie Müller und Daniel FM Stöckel aus der achten Staffel, die mit Sonja Zietlow und Daniel Hartwich über die guten alten Zeiten sprechen, sich als wahre Sieger der Staffel darstellen (keiner der anderen Teilnehmer sei ja so bekannt wie die beiden, sagt Stöckel) und einen Ausblick wagen. Prognose von Stöckel: „Am meisten begeistert mich Mike Heiter, der ist so herrlich doof.“

Gleich geblieben ist dafür die Dschungelprüfung, die nun Dschungelprüfung-Tauglichkeitsprüfung heißt, schließlich ist das ja ein Casting für den „echten“ Dschungel. In der ersten der zahlreichen Herausforderungen erwartet das Heiter-Fussbroich-Saip-Trio der „Tierische Einlauf“. Eine Prüfung, in der die Kandidaten in einem Wassertank mit Wasser überschüttet werden – und natürlich allerlei Getier auf sie wartet. Währenddessen müssen sie eine knifflige Aufgabe lösen, nämlich festgekettete Schlösser öffnen und so die Sterne ergattern. Am Ende holen sie drei Sterne,  was vor allem daran liegt, dass Zoe unter starkem Gekreische versagt.

Bleib bei deinen Leisten, haben sich die Macher gedacht. Und so ist die Sendung wie auch das richtige Dschungelcamp in mehrere Akte aufgeteilt. Einzug ins Lager, Zusammenfassung der Ereignisse im Tiny House reiht sich an Zusammenfassung, witzige Kommentare von Sonja und Daniel, Zusammenfassung, Dschungelprüfung-Tauglichkeitsprüfung, Kreischalarm von Zoe, Weinkrampf von Zoe, Aufrufe zum Verbleib in der Show, Werbung, Verkündung des aktuellen Zwischenstands, wer in der Gunst der Zuschauer vorne liegt (Mike vor Frank und Zoe), Ende.

Kann man so machen, ist dann aber verteilt auf 15 Tage irgendwie langweilig.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das passiert in der ersten Folge der „Ich bin ein Star“-Dschungelshow