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Dresden-Tatort "Parasomnia" - Schwer atmend im Gruselhaus

Neuer Dresden-„Tatort“ : Schwer atmend im Gruselhaus

Das Dresdner Team legt mit „Parasomnia“ einen Fall vor, der ins Horror-Psycho-Genre gehört. Die junge Protagonistin hilft den Kriminalkommissaren mit übersinnlichen Erkenntnissen und stellt die Ermittler in den Schatten.

Talia (Hannah Schiller) lebt mit ihrem Vater in einem Haus, in dem wohl jedes normale Kind Albträume bekommen würde. Das große Haus – Schloss Pinnewitz im 40 Kilometer von Dresden entfernten Nossen – ist eine einzige Baustelle: Es hängen Folien von Decken herab, viele Räume stehen leer. Es gibt kein elektrisches Licht, weshalb das Mädchen immer mit einer Taschenlampe um den Hals durch die Dunkelheit wandert. Ihr Vater, der im Wohnzimmer zwei Stockwerke unter ihr sitzt, wirkt weit entfernt. Sie sieht im Dunkeln Menschen, die sie bedrohen, hört Geräusche, und eines Tages findet sie eine Leiche in einem leeren Zimmer.

Weil die Kommissarinnen Karin Gorniak (Karin Hanzcewski) und Leo Winkler (Cornelia Gröschel) davon ausgehen, dass sie auch den Täter gesehen hat, befragen sie das Mädchen. Schnell merken sie aber, und der Vater bestätigt das, dass Talia nicht normal ist. Sie leidet unter Parasomnie, was dem Dresdner Fall auch den Titel gibt, und sie scheint übersinnliche Kräfte zu haben. So führt sie die Kommissarinnen sogar auf eine alte Spur von zwei toten Frauen. Im Archiv finden sie die Fälle und stellen fest, dass es eine Verbindung zu Talias Zuhause gibt. Und der Mörder immer noch nicht gefasst ist.

In „Parasomnia“ wird kein klassischer Krimi erzählt, es ist eher ein Fall aus dem Horror-Psycho-Genre. Talia und Polizistin Leo laufen viel durch finstere Räume, im Dunkeln sollen Geräusche und Schatten den Zuschauer zum Gruseln bringen. Die junge Zeugin atmet schwer, schreit, kämpft mit Dämonen in ihrem Kopf und Dingen, die nur sie sieht. Sie hat Schreckliches gesehen und erlebt, vieles verdrängt sie aber. Zu Leo baut sie eine besondere Beziehung auf, weil diese sie an ihre gestorbene Mutter erinnert. Zudem haben die beiden ein dunkles Geheimnis, das sie verbindet.

Es gab schon einige „Tatort“-Fälle zum Gruseln und auch einen Grusel-Krimi. „Fürchte dich“ hieß 2017 die Folge des Hessischen Rundfunks mit den Kommissaren Brix und Janneke  – sie stieß damals auf geteiltes Echo. „Parasomnia“ ist trotz einiger Längen unterhaltsam, weil mit einem alten Kriminalfall eine zweite Ebene eingezogen wird. Außerdem spielt Hannah Schiller aus Bonn die 16-jährige Talia wirklich beeindruckend, wenn plötzlich halbverweste Leichen in ihrem Kinderzimmer auftauchen und sie vor Entsetzen wie gelähmt ist. Als Zuschauer muss man schon aufpassen, um die realen Szenen von Talias Visionen zu unterscheiden. Zudem gibt es einige Zeitsprünge und Traumsequenzen, die sich im Nachhinein erst als solche erschließen. Aber das Experiment des Genre-Wechsels am Sonntagabend ist auf keinen Fall gescheitert.

„Tatort: Parasomnia“, Das Erste, So., 20.15 Uhr.