1&1 Internet AG benötigt neues Rechenzentrum: Drei Millionen Internet-Adressen müssen umziehen

1&1 Internet AG benötigt neues Rechenzentrum : Drei Millionen Internet-Adressen müssen umziehen

Karlsruhe (rpo). In Karlsruhe findet in dieser Woche ein Riesenumzug der besonderen Art statt. Weil das Rechenzentrum der 1&1 Internet AG aus allen Nähten zu platzen droht, werden 5.000 Server samt drei Millionen darauf gespeicherter Webauftritte in ein neues Gebäude verlegt.

Karlsruhe (rpo). In Karlsruhe findet in dieser Woche ein Riesenumzug der besonderen Art statt. Weil das Rechenzentrum der 1&1 Internet AG aus allen Nähten zu platzen droht, werden 5.000 Server samt drei Millionen darauf gespeicherter Webauftritte in ein neues Gebäude verlegt.

"Da wir die Ausfallzeiten möglichst gering halten wollten, haben wir die Daten gespiegelt, nachts den Schreibzugriff kurz gesperrt und dann auf die neuen Server geschrieben", erklärt der Leiter des Rechenzentrums, Joerg Hennig. Die Web-Sites der 1&1-Kunden liegen zum größten Teil auf rund 2.000 Servern mit zwei Intel-Prozessoren und einem Linux-Betriebssystem. Hinzu kommen mehrere tausend dedizierte Server - hier haben die Kunden ihren eigenen Computer, den sie über das Internet warten können. Dedizierte Server sind der aktuelle Trend beim Web-Hosting, wie das Geschäft mit Speicherplatz und Internet-Anbindung genannt wird.

"Wir haben zusammen mit Strato das Web-Hosting zum Massenmarkt gemacht", erklärt der Vorstandssprecher der 1&1 Internet AG, Andreas Gauger. Bei Gesprächen in den USA stoße er immer wieder auf Erstaunen, wenn er auf die niedrigen Preise für Web-Präsenzen in Deutschland zu sprechen komme. Auf Grund der Ausweitung der Geschäfte nach Großbritannien und Frankreich ist 1&1 nach Angaben Gaugers hinter den US-Firmen VeriSign und Tucows der weltweit drittgrößte Web-Hosting-Anbieter. Mit 1.157 Mitarbeitern wurde 2002 ein Umsatz von 189 Millionen Euro (plus 60 Prozent) erzielt, wobei die Geschäfte der hundertprozentigen Töchter Schlund+Partner (Web-Hosting mit Firmenkunden) und GMX (Freemail und Internet-Dienste) mit enthalten sind. Der Gewinn wurde auf 31 Millionen Euro mehr als verdoppelt.

Internet braucht viel Platz und Strom

Eine Besichtigung des mit einem Investitionsaufwand von zwölf Millionen Euro errichteten Rechenzentrums zeigt vor allem eins: Internet braucht mehr Platz und vor allem auch mehr Strom als gedacht. Auf einer Grundfläche von 2.000 Quadratmetern im "Dienstleistungszentrum Brauerboulevard" gibt es elf Räume für insgesamt 660 Racks, wie die Gestelle für die Aufnahme der Server genannt werden. Pro Rack finden bis zu 80 Rechner Platz. "Von der Leistung je Quadratmeter kenne ich kein größeres Rechenzentrum", sagt Technik-Vorstand Achim Weiss.

Je Rack fällt eine Leistungsaufnahme von 4 bis 6 Kilowatt an. Einschließlich der aufwendigen Kühlanlagen verschlingt das Rechenzentrum im Endausbau eine elektrische Leistung von acht Megawatt - das sind immerhin 2,2 Prozent der gesamten Stadt Karlsruhe. Der Strom des öffentlichen Versorgers wird über eine Unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) geführt. Kommt es zu einem Stromausfall, können riesige mit Bleigel gefüllte Akkus die Versorgung für 17 Minuten überbrücken.

Bei längeren Ausfällen kommen die "Netzersatzanlagen" auf dem Dach zum Einsatz - das sind vier Notstromgeneratoren, die mit Diesel gespeist werden. Der ständig bereit gehaltene Dieselvorrat reicht für zwölf Stunden. Für noch längere Ausfallzeiten wurde ein Vertrag mit einem Kraftstofflieferanten geschlossen. Für die Zukunft sei dann vielleicht auch einmal ein eigenes Blockheizkraftwerk zu erwägen, sagt Hennig.

Aufwändige Klimaanlage

Das Zauberwort bei der Einrichtung des Rechenzentrums heißt Redundanz: Um den Kunden die vertraglich zugesicherte Verfügbarkeit von "nahezu 100 Prozent" garantieren zu können, stehen an allen kritischen Stellen zusätzliche Anlagen bereit: Von den jeweils vier USV-Blöcken und Dieselgeneratoren werden nur drei benötigt. Um die mehr als 10.000 Rechner vor Überhitzung zu bewahren, gibt es eine aufwändige Kühlanlage, die mit unabhängig voneinander arbeitenden Pumpen auch bei einem Ausfall die Kühlung sicherstellen. Da Luft als Wärmeträger nicht ideal ist, denkt man bei 1&1 verstärkt über Alternativen wie eine Wasserkühlung nach.

Ebenso sind die Leitungen ins Internet auf Ausfallsicherheit ausgelegt. Kommt es bei dem einen Glasfaserstrang zu Problemen, kann der andere sofort einspringen und den gesamten Datenverkehr schultern. Dazu gehören nach Angaben von Weiss nicht nur die Zugriffe auf die Web-Seiten, sondern auch 7,5 Millionen E-Mails im Tagesdurchschnitt.

Schon jetzt aber sondiert 1&1 die Möglichkeiten, sich ein weiteres Rechenzentrum zuzulegen - das jetzt in Betrieb genommene soll nach bisherigen Planungen schon Anfang 2004 an seinen Grenzen angelangt sein. Das neue soll um die 10.000 Quadratmeter haben. "Damit haben wir dann drei bis fünf Jahre Luft", sagt Technik-Vorstand Weiss. "Vielleicht sind ja die Server bis dahin auch nur noch so groß wie eine Zigarettenschachtel."

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