Berliner Hotel: Die wahre Geschichte des Adlon

Berliner Hotel: Die wahre Geschichte des Adlon

Schon 1957 sicherte sich die Kempinski AG den legendären Namen Adlon. Die Erben selbst leben in den USA.

Das Motto des Hotelpersonals stand in Marmor geschrieben: "Adlon oblige" — das Adlon verpflichtet. Und das galt als Maßstab sowohl bei der Ausstattung der Zimmer und Säle als auch für die Freundlichkeit des Personals.

Für den ZDF-Dreiteiler "Das Adlon. Eine Familiensaga" wurden Realität und Fiktion gemischt. Wie im Film dargestellt, verließ Louis Adlon — nach dem Tod seines Vaters Lorenz der Hoteldirektor — auch im wahren Leben seine Frau Tilly und die fünf Kinder für einen Hotelgast.

Louis ließ sich scheiden und heiratete Hedda. Seine zweite Frau soll verlangt haben, dass Tilly ins Süddeutsche "verbannt" wird. Nur Tochter Elisabeth, damals zwei, blieb bei ihr. Die vier anderen Kinder, Susanne, Lorenz sowie die Zwillinge Louis und Carl, kamen ins Internat und wanderten später nach Amerika aus.

Eine Art Wohnrecht in Berlin

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Ein selbst berühmter Nachfahre der Adlons ist Percy. Der Regisseur (u.a. "Out of Rosenheim", 1987) ist ein unehelicher Sohn von Susanne Adlon, einer Enkelin des Hotelgründers Lorenz. Der Familienname sei nicht immer hilfreich gewesen, bekannte er in einem Interview. "Ich wollte ja auch nicht Herr Hilton sein." Wenn er aber in Berlin ist, wohnt er im Adlon. "Ich habe dort noch eine Art Wohnrecht."

Dass der Name Adlon nicht vom deutschen Hotelmarkt verschwand, ist Hedda Adlon zu verdanken. Ihr Mann Louis überlebte das Kriegsende 1945 in Berlin nur um wenige Tage und starb auf dem Weg zu einem Verhör durch Sowjetsoldaten. Seine Witwe, die im Jahr 1955 ihre Erinnerungen über das Hotel veröffentlichte, hoffte immer darauf, ein neues Hotel an der alten Stelle zu sehen — "wenn Ost und West wieder zusammengehören", sagte sie.

Deshalb übertrug sie bereits 1957 der Kempinski AG das Recht an dem Namen. Nach dem Mauerfall wurde das Projekt konkret. Der damalige Bundespräsident Roman Herzog eröffnete 1997 das 222 Millionen Euro teure Hotel. Der offizielle Name lautet Adlon Kempinski, wobei der Zusatz des Betreibers zugunsten der Tradition oft verschwiegen wird.

Seit 1997 sind Bill Clinton, Michail Gorbatschow, George W. Bush, Barack Obama sowie die Königinnen Englands, Schwedens und der Niederlande zu Gast gewesen. Aber auch für die Betreuung unprominenter Gäste gilt: "Adlon oblige."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das "Adlon" im ZDF - hochkarätig besetzt

(RP/das)
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