Die Simpsons treten für Schwule ein

Forscher analysiert Serie : Die Simpsons treten für Schwule ein

Ein Geschichtsforscher hat Homosexualität in der Kult-Serie analysiert und zieht ein positives Fazit.

"Liebe deinen Nächsten. Das klingt ja wie ein Schwulen-Porno!" In Springfield, der Heimatstadt der Simpsons, ist Homer Simpson für unkorrekte Witze bekannt. Doch die Bandbreite des gelbgesichtigen Familienoberhauptes ist weitaus größer. Erwin In het Panhuis, Bibliothekar und Autor aus Köln, sieht die Zeichentrickfigur sogar als Helfer im Kampf für die Gleichstellung von Homosexuellen.

In Staffel 14 zieht Homer in eine Schwulen-WG ein. "Er benutzt plötzlich Handcreme, interessiert sich für klassische Musik und Kultur", erläutert In het Panhuis den positiven Einfluss auf Homer. Der Simpson-Humor bedient nach seiner Ansicht nicht nur Vorurteile: "Weil neben klassischen Klischee-Tunten auch lesbische Mütter und schwule Grenzbeamte gezeigt werden, wirkt die manchmal klischeehafte Darstellung nicht wie plumpe Gleichsetzung", sagt der Autor. Der 48-Jährige befasst sich seit Jahren mit der schwulen Geschichtsforschung und hat in seinem dritten Buch "Hinter den schwulen Lachern. Homosexualität bei den Simpsons" die ersten 500 Folgen der kultigen US-Serie, die in Deutschland immer montags auf ProSieben zu sehen ist, analysiert.

In het Panhuis weist auf subtile Andeutungen hin: "In einer frühen Folge stellt Marge, Homers Frau, nur die naiv anmutende Frage: ,Wusstest du, dass jeder US-Präsident ein heterosexueller weißer Mann war?' Das ist ein emanzipatorisches Statement für Schwule, aber auch für Schwarze und Frauen", meint der Autor, der sich in früheren Büchern schon mit der Homosexualität während des deutschen Kaiserreichs und der Darstellung von Homosexuellen in der Jugend-Zeitschrift "Bravo" ausgiebig beschäftigt hat.

Allerdings ist In het Panhuis nicht durchgängig mit den Simpsons zufrieden. "Nicht jeder homophobe Spruch wird kritisch eingebunden oder als falsch dargestellt." Ein öffentliches Coming-Out wie das des ehemaligen Fußballprofis Thomas Hitzlsperger errege natürlich kurzfristig weitaus größeres Aufsehen und werde auch ernsthafter diskutiert. In het Panhuis meint aber: "Die langsame Kraft der politischen Satire darf man nicht unterschätzen."

(dpa)