„Die Frau mit einem Schuh“: Skurriler Ösi-Krimi

TV-Krimi : Das Grauen lauert in der Provinz

Der österreichische Film „Die Frau mit einem Schuh“ ist ein Fall für Liebhaber skurriler Krimis.

(dpa) „Gute Haare sind teuer.“ Deshalb wundert sich die Villenbesitzerin in Leoparden-Dessous auch, warum jemand seine Haarpracht einfach so in den Teich vor ihrem Haus schmeißt. Und das auch noch inklusive Skalp! Als am nahen Wehr ein Unterschenkel mit Stöckelschuh auftaucht, ist klar: Das ist ein Fall für Abteilungsinspektorin Franzi (Nina Proll) und ihren Kollegen Michael (Karl Fischer).

Der Humor in diesem Krimi aus Niederösterreich ist tiefschwarz und bitterböse. Nina Proll – bekannt auch als Nico aus der „Vorstadtweiber“-Serie – ist die Idealbesetzung in dieser lakonisch komischen Story. Sie spielt die herbe Ermittlerin als zupackende Frau mit erfrischenden Macho-Zügen.

Zuhause lässt sich die Motorrad-Liebhaberin von ihrem treuen und geduldigen Mann (Robert Palfrader) bekochen. Im Dienst lässt sie sich weder von ihrem ewig nörgelnden, älteren Kollegen Michael noch vom attraktiven, spöttischen Chefinspektor (Hary Prinz) etwas vormachen. Und heimlich wünscht sie sich fort in die Großstadt, ins große Abenteuer.

Karl Fischer („Murer – Anatomie eines Prozesses“) gibt seinen Michael als begnadeten Grantler – der rechnet den Euro immer noch stur in Schilling um, lästert über Sportler mit Walking-Stöcken und beschimpft Banken und Versicherungen pauschal als Verbrecher. Er will am liebsten, dass alles so bleibt wie es immer war.

Die 2014 im ORF erstmals ausgestrahlte „Landkrimi“-Produktion „Die Frau mit einem Schuh“ ist die einzige TV-Spielfilm-Regie von Michael Glawogger (1959–2014). Der preisgekrönte Österreicher ist Regisseur von aufwühlenden Dokumentationen wie „Whores‘ Glory“ über den Alltag von Prostituierten in Thailand, Mexiko und Bangladesch sowie „Workingman‘s Death“ über körperliche Schwerstarbeiter in aller Welt.

Glawoggers Krimi lebt von skurrilen Momenten und grandiosen Nebenfiguren. In das Österreichische müssen sich die Ohren der deutschen Zuschauer sicher erst etwas einhören. Aber genau hinhören, das lohnt sich. Da sitzt jeder Gag. Der „Frau mit einem Schuh“ fehlt es ein wenig an Tempo und dramaturgischer Stringenz – aber die kernigen, eigenwilligen Charaktere machen dieses Defizit mehr als wett.

„Die Frau mit einem Schuh“, ZDF, So., 20.15 Uhr

(dpa)
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