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Berlin: Die Frage nach der Schuld

Berlin : Die Frage nach der Schuld

Nach einem Unfall, bei dem ein Junge getötet wird, begibt sich die Autofahrerin auf Spurensuche.

Ein junger Mann irrt in einer kalten Winternacht durch den nebligen Wald, ohne Jacke, barfuß und sichtlich verwirrt. Er verliert sein Handy, sucht es, taumelt dabei auf die Landstraße - und wird prompt überfahren. Am Steuer sitzt die junge Ärztin Helen Liebermann (Petra Schmidt-Schaller) - außer einer Platzwunde am Kopf ist ihr nichts passiert. Später stellt sie mit ihrem Freund Dirk (Torben Liebrecht) den Unfall nach. Dabei kommt heraus: Sie hatte keine Chance, Moritz (Louis Huselstein) auszuweichen, der wie ein Gespenst vor ihr aufgetaucht ist. Als sie wegen fahrlässiger Tötung angeklagt wird, kümmert sich ihr Anwalt Wagner (Rainer Bock) um die Sache. Alsbald wird das Verfahren eingestellt.

Der tote Junge war betrunken und ist zuvor zehn Kilometer von seinem Wohnort entfernt barfuß (seine Schuhe wurden 800 Meter entfernt gefunden) durch die Nacht geirrt - warum? Das fragen sich auch seine Eltern, das Ehepaar Dombrowski (Ann-Kathrin Kramer und Peter Benedict). Helen gibt sich nicht zufrieden: Sie schleicht sich unerkannt auf die Beerdigung, weil sie etwas über Moritz erfahren will.

In einer Selbsthilfegruppe lernt sie Moritz' Mutter kennen, gibt sich aber erst sehr spät zu erkennen. Sie kündigt ihren Job, ihr Freund geht auf Distanz zu ihr. Doch sie fragt weiter nach, bei der Polizei, beim Rettungsdienst, bei der Pastorin, bei Nachbarn, sogar in der Kneipe, in der Moritz gefeiert hat. Mühevoll rekonstruiert sie den Abend vor dem Unfall - bis zum ebenso bedrohlichen und überraschenden Ende.

Regisseurin Franziska Meletzky hat ihren Film klar um ihre Hauptfigur herum gedreht. Petra Schmidt-Schaller gibt der Verzweiflung ein gequältes Gesicht - es ist sehr oft in Großaufnahme zu sehen. Durch ihr beharrliches und leises Spiel ist es für den Zuschauer gut möglich, ihrer Figur zu folgen und ganz allmählich zu begreifen, was diese Frau umtreibt - und sie nach einer gewissen Weile sogar sympathisch zu finden. Im Kern der bestürzenden Geschichte geht es neben der Frage nach der Schuld auch um die nach der Selbstachtung und nach der Verantwortung - für sich und andere, jeden Tag im Leben.

"Die kalte Wahrheit", ZDF, 20.15 Uhr

(dpa)