Köln: Der WDR als kölscher Sender

Köln : Der WDR als kölscher Sender

Erstmals hat der WDR offengelegt, wer wo für ihn produziert: Das Gebührengeld bleibt in Köln.

Es bedurfte einer Änderung des WDR-Gesetzes, um den Westdeutschen Rundfunk dazu zu bewegen, zumindest zu einem Teil öffentlich zu machen, wie viel Geld er für Fernsehsendungen und -filme außerhalb seiner eigenen Studios ausgibt. Die Botschaft des WDR lautet: Von den knapp 85,7 Millionen Euro, die im Jahr 2012 für Auftrags- und Koproduktionen an Firmen bezahlt wurden, blieben 67 Prozent in Nordrhein-Westfalen.

Der genauere Blick auf das Zahlenwerk macht deutlich: Nordrhein-Westfalen bedeutet für den Westdeutschen Rundfunk vor allem Köln. Mit 92 unabhängigen Unternehmen, die für den WDR tätig würden, dominiert der Medienstandort Köln alle übrigen Städte in NRW. Die übrigen unabhängigen Firmen, die in den Genuss von Fernsehaufträgen für den WDR kamen, verteilen sich auf 24 Städte, wobei nur in Düsseldorf und Dortmund jeweils mehr als zwei Firmen ihren Sitz haben.

Das WDR-Auftragsvolumen für unabhängige Produzenten in NRW machte mit 42,5 Millionen Euro nur knapp die Hälfte der gesamten Auftragsvergabe aus. Hinzu kamen noch einmal 14,6 Millionen Euro für Produzenten, deren Anteile zu 25 Prozent oder mehr im Besitz von Fernsehveranstaltern sind. Von diesen 14,6 Millionen gingen wiederum neun Millionen Euro an zwei direkte WDR-Töchter wie die Colonia Media, die die meisten WDR-"Tatorte" herstellt. Auch bei den abhängigen Produzenten ist das Bild eindeutig: Von zehn haben sechs ihren Sitz in Köln, drei in Hürth und einer in Krefeld.

Aus den Zahlen und Daten, die der WDR nun veröffentlicht hat, lässt sich nicht ersehen, wie hoch der Umsatzanteil der jeweiligen Unternehmen ist. So kommen zwar nur fünf Düsseldorfer Unternehmen in den Genuss von WDR-Fernsehaufträgen. Darunter ist aber auch "Ansager & Schnipselmann GmbH & Co KG" von Frank Plasberg, die zu den Gutverdienern unter den unabhängigen Produzenten zählen dürfte. Die Köln-Dominanz fiele mutmaßlich noch drastischer aus, wenn der WDR das vollständige TV-Geschäft publik machen würde, an dem er als Auftraggeber beteiligt ist: Nicht enthalten sind im Produktionsbericht Programme, an denen der WDR beteiligt war, die aber unter Federführung eines anderen Senders entstanden. Auch das Vorabend-Programm sowie Gemeinschaftssendungen der ARD wurden ausgeklammert, wenn der WDR nicht selbst Vertragspartner der Produzenten war. Bei den Auftragsvergaben des WDR an unabhängige Produzenten außerhalb von Nordrhein-Westfalen (Volumen: 16,3 Millionen Euro) dominiert klar der Standort Berlin mit 16 Unternehmen vor München (10) und Hamburg (9). Insgesamt erhielten 38 Firmen WDR-Aufträge mit einem Umsatz von 0,5 Millionen Euro an aufwärts, 206 Firmen erhielten mehrheitlich weniger als 250 000 Euro.

(RP)
Mehr von RP ONLINE