"Der Kleine Lord" im TV: Fragen rund um den Weihnachtsklassiker

Weihnachtsklassiker im TV : Diese Fragen stelle ich mir beim „Kleinen Lord“ Jahr für Jahr - und kriege keine Antworten

Seit Jahren setzt sich unser Autor vor Weihnachten vor den Fernseher und schaut sich den „Kleinen Lord“ im Fernsehen an. Jahr für Jahr kommen mehr Fragen zu dem Film, auf den er aber nicht verzichten möchte.

Traditionen sind etwas Wunderbares. Nahezu jeder Mensch hat gewisse Dinge, die er Jahr für Jahr immer und immer wieder macht – mit einer riesigen Vorfreude im Bauch.

Das Gefühl, dass sich dieses Hochhalten von Traditionen besonders vor Weihnachten großer Beliebtheit erfreut, wächst bei mir von Jahr zu Jahr. Auch ich nehme mich nicht davon aus: Traditionen sind toll, erst recht kurz vor Weihnachten.

Das erste Mal auf den Weihnachtsmarkt gehen – Tradition. Am 23. Dezember mit den Freunden einen trinken und das Jahr gemütlich ausklingen lassen – Tradition. Am 24. Dezember mit der Familie – erst recht Tradition.

Tradition ist für mich aber jedes Jahr im Dezember auch, einen ganz bestimmten Film im Fernsehen zu sehen, der seit 1980 die Menschen erfreut: „Der Kleine Lord“ ist ein absolutes Muss.

Jedoch hat auch dieser Film einige, eigentlich relativ viele Aufreger. Und trotzdem gucke ich ihn mir Jahr für Jahr an.

Bei der Wandlung von Cedric zum Kleinen Lord Fauntleroy gehen mir jedes Jahr einige Fragen durch den Kopf, auf die ich noch keine Antwort erhalten habe. Achtung: Es wird die detailreiche Kenntnis des Films vorausgesetzt.

  1. Hat der kleine Ceddie in den USA keine gleichaltrigen Freunde, oder warum sind seine besten Kumpels Mister Hobbs, der Gemischtwarenhändler und Dick, der Schuhputzer?
  2. Wie lange ist der Handlanger von Ceddies Opa, Mister Havisham, insgesamt auf einem Schiff unterwegs?
  3. Wie fühlt es sich an, wenn einem eine Lore über den Fuß gefahren ist?
  4. Warum ist der kleine Earl von Dorincourt, so der offizielle Name von Cedric, von Anfang an so lieb zu seinem Großvater (wunderbar gespielt von Alec Guiness), der ihn ja mehr als skeptisch beäugt? Der Höhepunkt: Er sagt ihm nach wenigen Minuten, dass er der beste Großvater der Welt sei. Dabei hat er ja gar keinen Vergleich.
  5. Wieso wird dem kleinen Lord beim Einzug in Schloss Dorincourt nicht einfach gesagt, dass sein Opa seine Mutter nicht ausstehen kann – weil sie Amerikanerin ist und es wagte, seinen Sohn zu ehelichen.
  6. Schmeckt Cedric der Bückling nicht?
  7. Beim Fest tanzt und singt Cedric mit seiner Tante zu „Oh dem Golden Slippers“, jenem Lied, was „sie auf der Heston Street gespielt haben“. Woher kennt das Orchester in England dieses Lied und kann es sofort ohne Noten spielen?
  8. Wieso besteht der Auftritt von Cedrics Onkel Harry Lorradaile einzig und alleine darin, herumzukichern?
  9. Was hat das Kind, das auf Krücken durch den Wald läuft und Cedric begegnet, im Wald zu tun? Alleine?
  10. Ist der Dick eigentlich wirklich nicht ohne?

Bei allen Fragen, die am Ende des Films dann doch offen bleiben und für immer offen bleiben werden: „Der kleine Lord“ ist mein persönlicher Weihnachtsfilm. In einem Punkt bin ich großer Cedric-Fan: Ich mag den letzten Satz des Films, den er beim großen Weihnachtsfest im Schloss spricht. „So'n schönes Weihnachtsfest hatte ich noch nie. Und ich hab überhaupt nichts mehr dagegen, Lord Fauntleroy zu sein. Und der künftige Earl von Dorincourt. Frohe Weihnachten wünsche ich ihnen allen! Und allen Menschen überall! Frohes, gesegnetes Fest!“ Jedes Jahr schicke ich meinen Freunden diese Weihnachtsgrüße in Vorfreude auf den „Kleinen Lord“. Und den Satz: „Da soll mich doch der Teufel holen.“

Der Film läuft am 20. Dezember um 20.15 Uhr in der ARD.