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"Ein Kommissar kehrt zurück": Der Fall, der ihm keine Ruhe lässt

"Ein Kommissar kehrt zurück" : Der Fall, der ihm keine Ruhe lässt

Regisseur Matti Geschonneck ist mit seinem Krimi fürs ZDF ein großer Wurf gelungen.

Hauptkommissar Kovak ist gerade mal ein paar Tage im Ruhestand, als er die Ruhe in einer kleinen Gemeinde an der Ostsee stört. Vor 20 Jahren war dort eine Zehnjährige auf dem Weg zur Schule auf einem Waldweg ermordet worden; der Berliner Spezialist Kovak leitete damals die Ermittlungen. Sein Versprechen gegenüber den Eltern, den Mörder zu finden, lässt seinem Gewissen keine Ruhe. Jetzt mietet sich Kovak in einem halb verfallenen Haus ein, um den Hauptverdächtigen in die Enge zu treiben.

Uwe Kockisch, bekannt als Commissario Brunetti und aus der Serie "Weissensee", setzt mit diesem Krimi seine erfolgreiche Zusammenarbeit mit Matti Geschonneck fort, die bei der Verfilmung von Alexander Osangs "Die Nachrichten" und dem Krimi "Tod einer Polizistin" begann. In "Ein Kommissar kehrt zurück" setzt Geschonneck auch in weiteren Rollen auf bewährte Mitstreiter wie Sylvester Groth.

Kovak hält seinen Aufenthalt an der Ostsee nicht geheim, er will verunsichern. Er ist fest überzeugt, dass Michael Adam (Groth), ein renommierter Physik-Professor an der Universität Greifswald, die Tat begangen hat. Kovak taucht in dessen Vorlesungen auf, er stellt ihm nach, fotografiert ihn heimlich und bricht sogar bei ihm ein. Dabei findet er Kopien aller Ermittlungsakten und Bilder eines Urlaubs in Thailand, die seinen Verdacht zu bestätigen scheinen, dass Adam auf Sex mit Minderjährigen steht. Der alte Mordfall belastet bald auch die Beziehung Adams zu seiner neuen Lebensgefährtin Luisa (Ulrike C. Tscharre). Adam reagiert zunehmend gereizt. Doch dann verliert der pensionierte Kommissar die Kontrolle über die Ereignisse.

Vor der bizarren Kulisse der herbstlichen Ostseelandschaft auf Rügen und in Greifswald macht Geschonneck aus der Aufklärung eines Mordes ein allegorisches Drama. Die Verbissenheit und Rechthaberei eines alten Mannes, dem sein eigenes Gewissen keine Ruhe lässt, wird Ausgangspunkt eines spannenden Duells um die Wahrheit.

Die Aufklärung des alten Mordes rückt zunehmend in den Hintergrund, Geschonnek blickt tief in die Seelen aller Protagonisten. Die psychischen Belastungen haben sie gezeichnet - die Abwehr des Verdachts prägt Adams Leben ebenso wie Kovac seine Rechthaberei nicht ablegen kann. So wird der Film ein brillantes Gleichnis über Schuld und Sühne, das sich in der Grundkonstellation an Dürrenmatts Klassiker "Das Versprechen" und dem darauf beruhenden Film "Es geschah am helllichten Tag" anlehnt und als Beziehungspsychodrama endet.

"Ein Kommissar kehrt zurück", ZDF, 20.15 Uhr

(kna)