Interview: "Das Weihnachts-Ekel" Fritz Wepper

Interview: "Das Weihnachts-Ekel" Fritz Wepper

Düsseldorf (RP). Fritz Wepper, Hauptdarsteller in der Serie "Um Himmels Willen", spielt gerne Menschen mit moralischen Mängeln. In "Das Weihnachts-Ekel" gibt er am Freitag den Menschenfeind. Ein Gespräch über Traditionen und kalte Scheunen.

In der gleichnamigen ARD-Komödie spielt Fritz Wepper einen Mann, der glückliche Menschen und besinnliche Stunden hasst. Der 65-Jährige versteht den Film als "eine Art Krippenspiel".

Was für ein Typ ist "Das Weihnachts-Ekel"?
Robert Lahnstein ist ein TV-Moderator mit spitzer Zunge. In Politikerkreisen ist er gefürchtet, weil er aufzeigt, was die Politiker alles versprechen, aber nicht einhalten. Er ist kein angenehmer Zeitgenosse. Wepper Sicher, aber man wird ja nicht als Ekel geboren. Ich habe ihn mir als einen Menschen vorgestellt, der eine schwere Enttäuschung hinter sich hat. Um nicht wieder verletzt zu werden, hat er eine ekelhafte Kruste angesetzt.

Was gefiel Ihnen an der Geschichte?
Lahnsteins vielschichtiger Charakter. Das Stück ist eine moderne Parabel, eine Art Krippenspiel. Leicht überhöht, herzlich und doch voll herzhafter Dialoge.

War die Scheune eine Studiokulisse?
Das glauben Sie! Die Scheune ist ein Original und steht in Tirol. Wenn Sie genau hinschauen, sehen Sie den Hauch des kalten Atems. Wir hatten um die acht Grad und mussten mit dreifacher Unterwäsche der Kälte trotzen.

Und die Schnee-Szenen?
Auch die haben wir an Originalschauplätzen gedreht. Ich musste mich teilweise durch hüfthohe Schneemassen quälen. Da können Sie nicht mehr spielen, da müssen Sie erst mal überleben. Wir hatten Minustemperaturen von 20 Grad. Hinzu kam, dass in diesen Szenen der Schneefall quer kam, und Sturm fegte. Ich glaube, so was hat nicht mal Hollywood!

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Was gefällt Ihnen an diesen Figuren, die moralisch-menschliche Mängel haben?
Sie haben eine gewisse Alibifunktion. "Gott sei Dank bin ich nicht so, wie der ist", sagt sich der Zuschauer. Aber ein bisschen was davon steckt in jedem von uns. Obwohl der Zuschauer die Figur nicht so richtig mag, kann er sich zurücklehnen und genießen, wie sie anderen die Meinung geigt. So, wie man es selbst gern mal tun würde.

Hat Lahnstein nicht mit manchem Recht, was er über Weihnachten sagt?
Nee. Verstehen kann ich allenfalls die Erklärung für seine Weihnachtsaversion: Er hat die schönen Seiten des Festes nie kennen gelernt. Bei mir war das anders. Ich habe in meiner Familie ein sehr positives Bild von Weihnachten bekommen. Bei uns ging es sehr traditionsbewusst zu. Wogegen man natürlich etwas sagen kann, ist das kommerzialisierte Fest, wo man vor lauter Geschenken nicht mehr um den Baum herum kommt.

Hatten Sie Sorge, es sich mit dem Zuschauer zu verscherzen?
Ich bin Schauspieler und nicht darum bemüht, partout Publikumsliebling zu sein. Auch in der Komödie ist Glaubwürdigkeit oberstes Gebot. Man kann nicht halb ekelhaft sein, das muss man konsequent durchspielen. Die Situationen können komisch sein, aber ich bediene sie ernsthaft. Ob der Zuschauer mitgeht, das werden die Quoten zeigen.

Themenwechsel: Wie erklären Sie sich eigentlich den enormen Erfolg von "Um Himmels Willen"?
Die Serie ist einfach gut. Eine Serie für Jung und Alt, sie ist unterhaltsam, ohne seicht zu sein. Wir haben gute Geschichten und sind einfach eine gute Truppe - und vor allem ruht sich keiner auf den Lorbeeren aus. Die Chemie stimmt. Das vermittelt sich offenbar auch dem Zuschauer.

"Das Weihnachts-Ekel", ARD, Fr., 20\.15

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