Doku zum Insektensterben Poetische Bilder, dramatische Botschaft

Hamburg · „Das große Insektensterben“ zeigt, wie wichtig Insekten für die Erde sind – und warum sie immer weniger werden.

 Auch Libellen gibt es immer weniger: Allein in Deutschland sind zwei Drittel der rund 80 heimischen Arten gefährdet, 20­ Prozent sogar vom Aussterben bedroht.

Auch Libellen gibt es immer weniger: Allein in Deutschland sind zwei Drittel der rund 80 heimischen Arten gefährdet, 20­ Prozent sogar vom Aussterben bedroht.

Foto: dpa/Frank Rumpenhorst

Seit Jahren schrillen bei Naturschützern die Alarmglocken. Immer mehr Insektenarten sterben aus. Ein Arte-Dokumentarfilmer schildert in „Das große Insektensterben“ den Status Quo der Menschheit aus der Sicht von Bienen, Libellen und Co. Regisseur Torsten Mehltretter befasst sich seit vielen Jahren auf filmische Weise mit gefährdeten Tierarten.

Diesmal geht es um Insekten. Um Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und Libellen, deren Populationen seit vielen Jahren kontinuierlich sinken. Erst 2017 veröffentlichten Experten neue Studien. Erstmals belegten auch Langzeitbeobachtungen, was Wissenschaftler bereits über kurze Zeitabstände feststellen konnten. Sie kommen zu einem schockierenden Ergebnis: In den letzten 30 Jahren sind rund 75 Prozent der Insekten von unserem Planeten verschwunden.

Thematisch ähnliche Naturdokumentationen wie „More Than Honey“ haben zum Teil große mediale Aufmerksamkeit auf Filmfestivals erlangt und es damit auch zu einer gewissen Popularität gebracht. Mehltretter setzt in seinem Film „Das große Insektensterben“ aber bei den Zuschauern kein Wissen voraus: Er definiert das Problem, schildert die Folgen, formuliert Gründe und zeigt mögliche Lösungswege auf.

Dazu gehört, dass er dem Zuschauer erst einmal näherbringt, wofür Insekten wichtig sind: Sie sind Bestäuber, Aasverwerter, Pflanzen- sowie Fleischfresser und halten dadurch entscheidende Kreisläufe der Natur aufrecht. Was passiert also, wenn die kleinen Lebewesen plötzlich nicht mehr da sind? Forscher aus aller Welt, von denen in „Das große Insektensterben“ unzählige zu Wort und letztlich zum selben Ergebnis kommen, befürchten, dass der Kreislauf des Lebens selbst dadurch ins Wanken geraten könnte.

Das größte Problem: Der Rückgang der Arten ist nach Aussage des Films bis zum jetzigen Zeitpunkt unumkehrbar. Der Prozess lässt sich zwar verlangsamen, doch die besagten 75 Prozent fehlen der Erde für immer. Wer daran zweifelt, dem liefert Mehltretter sogar für Laien ersichtliche Beweise. Das gelingt etwa dadurch, dass ein Forscher mitten in der Nacht große Netze im Wald aufstellt, mithilfe von Zuckerwasser Nachtschwärmer anlockt und trotzdem kaum welche auftauchen.

Die Gründe dafür sind schnell aufgezählt: Dünge- und Schädlingsbekämpfungsmittel, städtische Bebauung und massiver Rückgang von Grünflächen. Dafür werden vor laufender Kamera Bienen seziert und Insektenherzen unter dem Mikroskop begutachtet. Immer wieder zeigt Mehltretter aber auch poetisch anmutende Aufnahmen von in freier Wildbahn lebenden Insekten.

Die Leidenschaft für die Thematik ist den an diesem Filmprojekt Beteiligten zu jedem Zeitpunkt anzusehen. Umso mehr hallt mit dem Abspann von „Das große Insektensterben“ die Erkenntnis nach, dass ein Masterplan für eine Lösung des Problems noch lange nicht in Sicht ist. Doch wenn Mehltretter mit seinem Film eines gelingt, dann das Schaffen einer Sensibilität dafür, wie wichtig Insekten für uns sind.

„Das große Insektensterben“, Arte, Sa., 21.55 Uhr

(dpa)
Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort