Christoph Maria Herbst über Rolle in "Merz gegen Merz" - Wenn Stromberg zum Familienvater wird

Christoph Maria Herbst über "Merz gegen Merz" : Wenn Stromberg zum Familienvater wird

Christoph Maria Herbst ist zurück im Fernsehen. Bekannt wurde er vor allem mit seiner Rolle als Bernd Stromberg. Nun verkörpert der Schauspieler in der Serie „Merz gegen Merz“ als Erik Merz einen Familienvater, der kurz vor der Scheidung mit seiner Frau steht.

Kann ein Erik Merz mit Frauen besser als ein Bernd Stromberg?

Herbst Das glaube ich schon – es ist ja in der DNA eines Bernd Stromberg überhaupt nicht angelegt, gut mit Frauen zu können. Daraus hat die Serie damals viel Humor, aber auch Tragisches ziehen können. Erik Merz hingegen war zwölf Jahre mit Anne Merz verheiratet, und die Beziehung war nicht ausschließlich schlecht. Aber es geht nicht mehr weiter, und die beiden fragen sich: Bleiben wir wegen des Kindes zusammen?

Also spielen Sie in der Serie wieder einen komplexen Charakter?

Herbst Ja, und das hat Spaß gemacht. Es geht nicht darum, eine Gag-Parade abzuhalten, wir haben uns um den Humor bemüht. Es geht darum, Menschen zu spielen, die ein Herz haben, das schlägt – und nicht einfach irgendwelche Strichmännchen, die Witze erzählen. Das spiegelt sich auch im Ensemble.

Haben Sie sich nach der Stromberg-Rolle bewusst die Rolle eines „Normalos“ ausgesucht?

Herbst (lacht) Ich hoffe nicht, das fände ich schlimm, denn ich spiele gerne Figuren mit Ecken und Kanten. Das ist die spannendste Herausforderung für mich. Ich kann nicht etwas spielen, das mich langweilt und erwarten, dass es die Leute „kurzweilt“. Ich muss dem etwas abgewinnen können, und da bin ich bei der Rolle des Erik Merz schon gut aufgehoben. Abgesehen davon wusste ich, dass die Bücher nur toll werden können, wenn sie aus der Schmiede eines Ralf Husmann kommen.

Verbindet Sie beide eine Freundschaft?

Herbst Freundschaft würde ich das nicht nennen, aber es ist viel mehr als nur eine Kollegialität.

Wie kam die Zusammenarbeit zu „Merz gegen Merz“ zustande?

Herbst Ralf Husmann hatte wohl einfach wieder mal Lust, mit mir zu arbeiten, und mir ging es genauso. Annette Frier und ich haben vor einigen Jahren ein Buch von ihm und Sonja Schönemann als Hörbuch eingelesen: Darin ist schon angelegt, was wir in „Merz gegen Merz“ vor der Kamera dargestellt haben. Die Idee, einen gemeinsamen Rosenkrieg linear zu erzählen, ist allerdings Jahre alt. Da die Mühlen in unserer Branche aber langsam mahlen, ist es erst jetzt zur Verwirklichung des Projekts gekommen. Das ist wie bei einem Wein, der von Jahr zu Jahr besser wird.

Stört es Sie, mit der Rolle des Stromberg identifiziert werden?

Herbst Tut das noch jemand? Mir ist da anscheinend vor fünf Jahren, als ich mit Stromberg aufgehört habe, eine sehr markante Rolle gelungen. Aber bei aller Bescheidenheit – dass ich noch mehr kann, habe ich mittlerweile dem Publikum und auch mir selbst bewiesen.

Würden Sie sagen, dass Ihre Rollen politisch oder gesellschaftskritisch sind?

Herbst Was ich in meinem Beruf als Schauspieler mache, ist nie frei von Politik. Ich muss ja zu allem eine Haltung haben. Ich fand, Stromberg war ein ziemlich gesellschaftspolitisches Format. Ich weiß, dass bis heute Ausschnitte aus der Serie genommen werden, um Manager zu coachen. Um zu zeigen, wie es geht – und wie nicht. Das nenne ich politisch, weil es die Menschen betrifft. Mit „Merz gegen Merz“ stelle ich mich etwas breiter auf. Stromberg hatte schon einen speziellen Humor.

Hat „Merz gegen Merz“ mit Themen wie Demenz oder Scheidung denn einen soziokulturellen Anspruch?

Herbst Ja, das sehe ich so. Wir wollen die Menschen unterhalten, es gibt viel zu lachen. Allerdings wird auch hier eher mit einem Kloß im Hals gelacht. Es ist keine Schenkelklopf-Serie, aber wohl eine, bei der man fröhlich „durchschmunzeln“ kann. Eine große Familienserie.

Ändert sich der Humoranspruch, weil das Format beim ZDF gesendet wird?

Herbst Nein, die Kollegen haben uns einfach machen lassen, das war ein großes Geschenk. Nach allem, was ich gehört habe, hat das ZDF gesagt: „Network Movie ist der Produzent, Ralf Husmann der Headautor – macht einfach mal!“ Ich habe da keinen Rotstift erlebt. Es ist faszinierend, was beim ZDF in den letzten Jahren passiert ist. Da hat die Heute-Show einiges möglich gemacht.

Annette Frier hat über Sie gesagt, Sie spielen so brillant präzise.

Herbst Ja, dafür habe ich ihr Geld gegeben. (lacht)

Stimmt das denn?

Herbst Naja, ich mache meine Hausaufgaben. Ich weiß an jedem Drehtag, was ich zu spielen habe, und kann meinen Text. Das sind Grundvoraussetzungen in dem Beruf.

Die ersten beiden Folgen der Serie "Merz gegen Merz" laufen am Donnerstag ab 22.15 Uhr im ZDF. Weiter geht es am Samstag, Sonntag und Montag. Alle Folgen sind außerdem in der ZDF-Mediathek zum Abruf bereit.

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