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Wirbel um TV-Show: Christiansen weist Kritik an Ausladung Kasparows zurück

Wirbel um TV-Show : Christiansen weist Kritik an Ausladung Kasparows zurück

Berlin (RPO). Die ARD-Moderatorin Sabine Christiansen gerät wegen der Ausladung des russischen Oppositionellen Garri Kasparow immer stärker unter Druck. Der Kritiker des russischen Präsidenten Wladimir Putin warf Christiansen vor, ihn offenbar auf Druck der russischen Botschaft von ihrer Sendung am 10. Dezember zum Thema "Die Russen kommen" ausgeschlossen zu haben.

Damit habe sie der Demokratiebewegung in seiner Heimat geschadet. Mit den Vorwürfen wird sich nun der Rundfunkrat beschäftigen. Der Grünen-Rechtsexperte Volker Beck sprach von einem "skandalösen redaktionellen Fehlgriff". Auch innerhalb des Senders verschärfte sich die Kritik an Christiansen. "Monitor"-Chefin Sonia Mikich warf ihrer Kollegin vor, die Reputation der ARD beschädigt zu haben. Christiansen wies die Vorwürfe zurück.

Kasparow sagte: "Wenn man sich angesehen hat, wer bei der Sendung anwesend war, wurde jedem klar, dass man dort keine kritischen Stimmen aus Russland hören wollte." Er nehme an, dass dies mit der Zusage des russischen Botschafters in Berlin, Wladimir Kotenew, zu tun hatte, sagte der frühere Schachweltmeister. Die Redaktion habe ihm die Ausladung mit technischen Schwierigkeiten bei der Satellitenübertragung begründet. Dies sei "zutiefst befremdlich" gewesen.

Die Ausladung zeugt nach Ansicht Kasparows davon, dass "in einigen westlichen Staaten die Meinung vorherrscht, man sollte Putin nicht allzu deutlich kritisieren". "Da wir Demokraten in den russischen Medien nicht zu Wort kommen, ist es doch umso wichtiger, im Westen Gehör zu finden", sagte er und betonte: "Diese Ausladung war ein Schock für uns."

Massive Kritik äußerte auch Beck. "Wie man einen Bürgerrechtler ausladen kann, während man Botschafter und Wirtschaftsführer in der Sendung hat, ist mir schleierhaft", sagte er. An der Sendung hatte auch der Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels, Anton Börner, teilgenommen. Damit werde die Botschaft ausgesandt, dass Menschenrechte und Demokratie hinter guten wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zurücktreten müssten. In der "stark defizitären Demokratie" Russland werde diese Botschaft gerne gehört, sagte Beck.

Unterdessen ist das Thema laut dem NDR-Rundfunkrats-Vorsitzenden Volker Müller im Vorstand des Gremiums angekommen und wird dort beraten. Es werde auch auf die Tagesordnung einer Sitzung des gesamten Rundfunkrats Ende Januar kommen, kündigte Müller an. Der Programmausschuss des NDR werde sich ebenfalls mit den Vorwürfen befassen.

Mikich fand bei ihrer Kritik an ihrer Kollegin deutliche Worte. "Bei einer politischen Runde der ARD müssen die bestmöglichen Leute eingeladen werden. Das war nicht der Fall", sagte die ehemalige Moskau-Korrespondentin der ARD. Sie fügte hinzu: "Viele Kollegen waren wegen der Sendung bekümmert. Ich stand mit meiner Meinung nicht alleine da."

Christiansen betonte, die Ausladung sei kein Fehler gewesen. Bei der Sendung "hätten wir nur ein kurzes Interview mit ihm einspielen können", rechtfertigte sich Christiansen. Die Diskussion in der Sendung sei "nicht im Ansatz unausgewogen in irgendeine Richtung" gewesen. Im März könne Kasparow als Gast an einer kompletten Sendung teilnehmen. "Ich freue mich auf die Diskussion mit ihm", sagte sie.

Unter den Teilnehmern der Gesprächsrunde waren neben Kotenew und Börner auch der hessische Innenminister Volker Bouffier (CDU), die Journalistin Gabriele Krone-Schmalz, der Mafia-Experte Jürgen Roth und der Autor Wladimir Kaminer ("Russendisko").

(afp)