Tatort "Leben gegen Leben": Cenk Batu - Last Horst Standing

Tatort "Leben gegen Leben": Cenk Batu - Last Horst Standing

Düsseldorf (RPO). Der Hamburger "Tatort" mit Mehmet Kurtulus entwickelt sich zum Prunkstück der ARD-Reihe. In "Leben gegen Leben" erlebten die Zuschauer wieder einen einsamen, prügelnden und verzweifelten Wolf, der mit seinem besonderen Charme an Kultfigur Horst Schimanski erinnert.

In Hamburg haben Polizisten keine Zeit, um an Pommesbuden Kölsch zu trinken und dürre Weisheiten über das Leben zu verbreiten. An der Alster gibt es vom Anfang bis zum Ende auf die Zwölf.

In "Leben gegen Leben" kämpft Cenk Batu undercover gegen die Organmafia. Dabei freundet er sich mit der Streunerin Amelie an. Batu riskiert das Leben des Mädchens, um den mobilen Operationssaal auszuheben. Zuvor werden Autos zu Schrott gefahren, Nasen blutig geschlagen und Türen eingetreten. Rüde Flüche nicht zu vergessen.

Ob gewollt oder nicht: "Leben gegen Leben" wirkt wie eine Hommage an "Das Mädchen auf der Treppe" aus dem Jahr 1982. Damals kümmerte sich Schimanski um die 17-jährge Katja (Anja Jaenicke), die nach dem Mord an ihrer Mutter allein war. Für Kenner der Reihe die beste Folge aus Duisburg.

Batu und Schimanski - Gemeinsamkeiten gibt es viele. Beide tragen Schnäuzer und fragwürdige Jacken. Batu als Deckung, Schimanski aus proletarischer Überzeugung. Beide sind allein und wachen morgens mit Kopfschmerzen in spärlich eingerichteten Wohnungen auf. Batu und Schimanski reizen die Rolle des Machos bis an die Grenze zur Lächerlichkeit aus.

  • Fotos : 25 Jahre Horst Schimanski: Hommage an den Schmuddel-Kommissar

Beide Ermittler haben Migränehintergrund. Batu bringt nach einem Urlaub beim Vater eine Kiste türkische Spezialitäten mit. Der gebürtige Pole Schimanski schickt "Moltke" (1988) jedes Jahr eine Flasche Danziger Goldwasser in den Knast. Schnaps war das Olivenöl der Achtziger. Batu-Krimis sind modern. Die Schnitte schnell, die Dialoge kurz. Moralische Konflikte werden nicht ausgewalzt, ein schnelles Schlaglicht genügt. Wie beim Duisburger "Tatort" gelingt dies nicht ohne logische Ungenauigkeiten.

In einer Szene (so gegen kurz nach 21 Uhr) sitzen alle Beteiligten der Organmafia gemeinsam am Tisch einer Hamburger Villa - und hätten eigentlich nur noch verhaftet werden müssen. Batu und sein Boss beraten sich indes lautstark in einem voll besetzten Linienbus über Details der Undercover-Aktion.

Egal. Denn den Machern gelingt 90 Minuten schnelle und spannende Unterhaltung. Und kleine Albernheiten waren schon in Duisburg das Salz in der Suppe. In Duisburg wie in Hamburg ist die Welt nach 90 Minuten nur ein kleines bisschen besser. Schimanski geht in die "Bierquelle" und bestellt Pils. Batu hört in der U-Bahn rappenden Teenagern zu. Beide Wölfe können schon wieder lächeln.

Hier geht es zur Bilderstrecke: "Tatort": Mehmet Kurtulus ermittelt gegen Organmafia

Mehr von RP ONLINE