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Carolin Kebekus: ARD-"Brennpunkt Rassismus" statt Comedy - Programmänderung

Im „ersten deutschen weißen Fernsehen“ : Carolin Kebekus zeigt „Brennpunkt Rassismus“ anstatt Comedy

Weil die ARD bislang keinen Brennpunkt zum Thema Rassismus ausgestrahlt hat, änderte Komikerin Carolin Kebekus kurzerhand ihr Programm und kümmerte sich selbst darum. Die Botschaft: Rassismus gibt es auch in Deutschland.

Normalerweise steht „Die Carolin Kebekus Show“ im Ersten für Lacher und lockere Unterhaltung. Nicht so in der aktuellen Folge. Denn die leitete Carolin Kebekus wie folgt ein: „Was in den USA geschieht, ist unerträglich. Aber es ist zu einfach zu behaupten, dass das ein amerikanisches Problem ist. Rassismus tötet, auch in Deutschland. Und damit müssen wir uns alle auseinandersetzen – auch wenn’s wehtut. Und da die ARD bisher keinen Brennpunkt dazu gemacht hat, machen wir einfach einen.“

Moderiert wurde dieser „Brennpunkt Rassismus im ersten deutschen weißen Fernsehen“ von Shary Reeves, einer dunkelhäutigen Deutschen, vielen bekannt aus der Kindersendung „Wissen macht Ah!“. „Menschen mit heller Haut können nicht nachempfinden, was Menschen mit dunkler Haut fast täglich an Benachteiligung widerfährt“, sagte Reeves. Und deshalb habe sie mal ein paar „sisters and brothers“ befragt, was sie bisher so erlebt haben.

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Und so erzählen in der Sendung Menschen mit dunkler Hautfarbe innerhalb von 8 Minuten und 46 Sekunden, welche negativen rassistischen Erfahrungen sie aufgrund ihres Äußeren bisher in Deutschland machen mussten. 8 Minuten und 46 Sekunden – so lange, wie ein US-Polizist sein Knie auf den Nacken von George Floyd drückte, bis dieser starb.

Es sind bedrückende Erlebnisse, von denen Schauspielerin Thelma Buabeng, Autorin Jasmina Kuhnke, Ex-Fußballer Patrick Owomoyela und viele andere berichten. Buabeng etwa sei wegen Schmerzen bei einer Frauenärztin gewesen. Doch anstatt ihr zu helfen, sagte die Frauenärztin demnach nur: „Das ist ganz typisch für afrikanische Frauen. Sie tragen den Schmerz der afrikanischen Frau in Ihrem Becken. Sklaverei, Kolonialismus, Vergewaltigung.“ Und als Behandlung gab sie der Buabeng nur mit auf den Weg, dass sie zu Hause Trommelmusik anmachen und den Schmerz „einfach rausschütteln“ solle. Der Rat einer studierten Frau.

Auch Jasmina Kuhnke erlebte in einer medizinischen Notsituation Rassismus. In einem Krankenhaus habe sich die diensthabende Schwester geweigert, ihr dabei zu helfen, auf die Toilette zu gehen. Ihre Begründung: „Ich fasse schwarze Menschen nicht so gerne an.“

<aside class="park-embed-html"> <blockquote class="twitter-tweet"><p lang="de" dir="ltr">&quot;Da die ARD bislang keinen Brennpunkt dazu gemacht hat, machen wir einfach einen.&quot; - Wenn Comedy die Arbeit leistet, die eigentlich omnipräsent und senderübergreifend als Brennpunkt im ÖR und privat-TV behandelt werden sollte. Danke für den starken Beitrag und die Verlinkungen!</p>&mdash; Menschenskind (@weisssalles) <a href="https://twitter.com/weisssalles/status/1268567989961527296?ref_src=twsrc%5Etfw">June 4, 2020</a></blockquote> <script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script> </aside>
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Im Vorfeld der WM 2006, berichtet Fußball-Nationalspieler Owomoyela, sei seine Haut „nicht allen weiß genug“ gewesen. Es habe genau deswegen sogar eine Kampagne gegen ihn gegeben. „Es schmerzt wahnsinnig zu wissen, dass du dir auf dem Platz den Allerwerttesten aufreißen kannst für dieses Land, aber neben dem Platz nicht wirklich von allen akzeptiert wirst.“

Zum Abschluss des Beitrags meldet sich Shary Reeves noch einmal zu Wort: „Falls es für Sie noch immer eine Zumutung war, dieser Rassismus, den man ja kaum ertragen kann, so von der Couch aus als weiße Zuschauerin oder weißer Zuschauer, denken Sie daran: Zum Glück können Sie den Fernseher abschalten oder diesen Beitrag hier stumpf in der Mediathek vorspulen. Für Menschen wie mich ist das allerdings Alltag.“

(kron)