Spielleiter von "Spiel ohne Grenzen": Camillo Felgen ist tot

Spielleiter von "Spiel ohne Grenzen": Camillo Felgen ist tot

Luxemburg/Frankfurt (rpo). Camillo Felgen, der einstige Spielleiter der legendären ARD-Show "Spiel ohne Grenzen", ist tot. Er starb am Samstag im Alter von 84 Jahren, wie RTL Luxemburg am Montag unter Berufung auf seine Familie berichtete. Felgen war von 1965 bis 1973 Spielleiter von 125 Ausgaben "Spiel ohne Grenzen".

Die Unterhaltungsshow erreichte damals Einschaltquoten von durchschnittlich 53 Prozent. Camillo Felgen wurde am 17. November 1920 im luxemburgischen Städtchen Tétanga geboren. Sein Traumberuf sei Volksschullehrer gewesen, sagte er einmal. 1946 wurde er von Radio Luxemburg als Nachrichtensprecher in französischer Sprache engagiert. Sein Schauspiel- und Opernstudium schloss er 1949 als Bariton am Konservatorium von Verviers in Belgien ab.

Von 1956 bis 1958 arbeitete er als Werbeproduktionsleiter in Saarbrücken, kehrte danach als Abteilungsleiter und Chefsprecher nach Luxemburg zurück und startete seine "Hitparade": Mit seinen "vier fröhlichen Wellen" traf er genau den Geschmack der damaligen Jugend.

Zur gleichen Zeit feierte Camillo Felgen Erfolge als Schlagersänger mit Hits wie "Sag warum" (1959) und "Ich hab' Ehrfurcht vor schneeweißen Haaren". Nach eigenen Angaben hat er mehr als 2.000 Songtexte - unter dem Pseudonym Jean Nicolas - geschrieben, darunter die deutschen Versionen der Beatles-Hits "Sie liebt dich" und "Komm, gib mir deine Hand".

Der Sänger trat zwei Mal beim Grand Prix Eurovision für sein Heimatland Luxemburg an. Beim ersten Mal stürzte er mit dem Lied "Solang Du do bas" ab, beim zweiten Anlauf 1962 allerdings gab es einen dritten Platz für das Chanson "Petit Bonhomme".

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Bei "Spiel ohne Grenzen" begann er als Kommentator; Spielleiter war Armin Dahl. Felgen erzählte vor zwei Jahren dem "Stern" über die Premieresendung: "Da gab's eine sehr temperamentvolle Kuh, die jedem Kandidaten hinterherlief. Eine sprang über das Trampolin hinweg, die Kuh landete drauf, kam nicht mehr runter und wippte auf und ab." Er habe fünf Sekunden lang versucht, die Szene seriös zu beschreiben. "Dann hat's mich gepackt: Ich lachte mich kaputt", sagte Camillo Felgen. "Das gefiel den Leuten wohl so sehr, dass ich ab der zweiten Sendung die Spielleitung übernehmen durfte."

Felgen war nach eigenen Angaben der erste Discjockey überhaupt. 1969 habe er im Aachener Scotch Club öffentlich Platten aufgelegt, was noch nie jemand zuvor gemacht hatte. Nach seinem Abschied von "Spiel ohne Grenzen" präsentierte er 250 Ausgaben des Radio- und TV-Wunschkonzerts "Was darf's denn sein?", einer modernen Clip-Show.

Mit seiner Frau Marianna, mit der er seit 1986 in dritter Ehe verheiratet war, betrieb Felgen in Esch sur Alzette (Luxemburg) eine Boutique für Ball- und Hochzeitsmode. Aus erster Ehe hinterlässt er zwei Söhne.

(ap)
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