Letzte Sendung von Alfred Biolek: Bye bye, Bio

Letzte Sendung von Alfred Biolek : Bye bye, Bio

Düsseldorf (RP). Zum letzten Mal flimmert am Dienstag "Boulevard Bio" über den Bildschirm. Moderator Alfred Biolek verabschiedet sich nach zwölf Jahren von seinem Publikum. Lebenserfahrung und Sensibilität sind seiner Ansicht nach nicht mehr gefragt.

"Wenn wir Herrn Reich-Ranicki zum 17. Mal in der Sendung hatten, werde ich darüber nachdenken, aufzuhören." Das sagte Alfred Biolek vor zwei Jahren anlässlich des zehnjährigen Jubiläums von "Boulevard Bio". Marcel Reich-Ranicki war erst viermal bei ihm zu Gast - trotzdem verabschiedet sich Biolek heute Abend als Gastgeber seiner erfolgreichen Talkshow von den Zuschauern.

485 Sendungen in zwölf Jahren. Die Themen waren so vielfältig wie die Gäste. Das Spektrum reichte von heiklen Geschichten wie "Ein X für ein U - Analphabeten in Deutschland" (4. Dezember 1991) bis hin zu unterhaltenden Ausgaben wie "25 Jahre Heino - ein deutsches Phänomen" (16. Oktober 1991). Und die Prominenz gab sich bei Bio die Klinke in die Hand: Ob Alt-Kanzler Helmut Kohl, Gerhard Schröder, Wladimir Putin, der Dalai Lama, Gina Lollobrigida oder die wohl berühmteste Praktikantin der Welt, Monica Lewinsky - Alfred Franz Maria Biolek hat mit allen geplaudert.

Letztere bescheinigte dem Grandseigneur der deutschen Fernsehunterhaltung: "You are a smart man." Auch wenn sonst wenig Neues aus ihrem Munde kam. Das war allerdings auch nicht zu erwarten. Immer wieder bemängelten Kritiker, Biolek sei zu seicht. Keine harten Fragen, kein Nachfassen, viel Wischi-Waschi. "Es wird mir immer vorgeworfen, dass ich zu lasch bin, dass ich nicht polarisiere, aber das ist ein Stil, den ich gefunden habe", entgegnet der 68-Jährige dann. Und abnehmen würde ihm der Zuschauer einen plötzlichen Wandel, hin zu mehr Disput, wohl ohnehin nicht. Er stamme nun mal aus einer Generation, in der Höflichkeit noch ein Wert war, sagt Bio. Und irgendwie tut es gut, zwischen den Krawall-Talkshows mit Vera, Arabella und Britt einen liebevollen, altmodischen Talkmaster zu finden. Biolek, der verständnisvolle Onkel, der bei beinahe jeder Banalität seiner Gäste die Augen weit aufreißt, ein interessiertes "Aha, Ach so" folgen lässt und sich so herrlich mehrmals räuspert, wenn er eine ihm selbst unangenehme Frage stellt.

Seine Karriere begann der in Freistadt (heute in Tschechien) geborene Jurist 1963 beim ZDF. Dort stieg er bis zum stellvertretenden Unterhaltungschef auf, ging 1970 dann aber zur Münchener Produktionsgesellschaft Bavaria. Hier gelang ihm 1974 der Durchbruch - als Produzent von Rudi Carells Sendung "Am laufenden Band". Vier Jahre später trat Biolek dann erstmals mit einer eigenen Sendung vor die Kamera. Die ARD-Show "Bio`s Bahnhof" war geboren, gewissermaßen eine frühe Ausgabe des heutigen "Boulevard Bio".

Ab September kommt Sandra Maischberger

Wenn heute die letzte Sendung über den Bildschirm flimmert (Thema: Glaube, Liebe, Hoffnung), wird uns der Grimme-Preis-Träger noch mit seiner Kochsendung "Alfredissimo" erhalten bleiben. Ab September wird Sandra Maischberger mit ihrer neuen Talkshow den Dienstagabend-Sendeplatz von Bio einnehmen.

"Wir sind wie eine ChippendaleKommode, die noch irgendwo herumsteht", sagte Alfred Biolek im Jahr 2001 über sein Team und seine Sendung. "Sie passt eigentlich nicht mehr in die Wohnung, doch man will sie nicht hergeben. Aber man würde sich auch keine neue mehr kaufen."

Jetzt trennen sich das Erste und Bio aber doch von dem guten Stück. Ein Abschied in Wehmut? Über die Konkurrenz durch Reinhold Beckmann im eigenen Haus sagte Biolek einmal: "Man muss jung sein und vom Sport kommen, dann wird man gefördert bei der ARD."

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