Bushido verurteilt Farid Bang und Kollegah - und verteidigt seine eigenen Texte

Debatte um Echo-Skandal bei "Maischberger" : Bushido verurteilt Skandalrapper - und verteidigt seine eigenen Texte

Sandra Maischberger diskutiert in ihrer TV-Sendung mit ihren Gästen über Sprache und Diskriminierung. Dabei scheinen für einige Gäste unterschiedliche Regeln bei der Benutzung von diskriminierenden und fremdenfeindlichen Worten zu gelten.

Darum ging's

Aufhänger der Sendung ist der Skandal um die Rapper Kollegah und Farid Bang. Die Musiker hatten den Musikpreis Echo gewonnen, obwohl sie sich in ihren Songtexten antisemitisch äußerten. Maischbergers Gäste diskutieren zum provokativen Titel "Man wird ja wohl noch sagen dürfen!" über rassistische Sprache im Alltag und die Grenzen sprachlicher Äußerungen.

Darum ging's wirklich

Darum, dass einige Gäste wirklich wissen, was diskriminierende Sprache ist, und einige eben nicht. Dass die Texte von Kollegah und Farid Bang eine Grenze überschritten haben, da sind sich alle Gäste einig. Sogar Rapper Bushido, der die beiden Musiker vor der Sendung noch in Schutz genommen hatte. Er selbst findet es aber okay, in seinen Texten zu beleidigen. Peter Hahne findet es nicht verletzend, "Zigeunerschnitzel" zu sagen, ist aber verletzt, wenn Satire auf Kosten seiner Religion gemacht wird. Zum Glück sind da Kabarettist Florian Schröder und Edition-F-Chefredakteurin Teresa Bücker, die Hahne und Bushido den Spiegel vorhalten.

Die Gäste

  • Peter Hahne, TV-Moderator
  • Florian Schröder, Kabarettist
  • Bushido, Rapper
  • Annabelle Mandeng, Schauspielerin
  • Teresa Bücker, Chefredakteurin (Edition F)
  • Marlies Krämer, Feministin

Frontverlauf

Hahne hat sein letztes Zigeunerschnitzel vor zwei Wochen gegessen. Und der Autor von "Rettet das Zigeunerschnitzel!" ist froh, dass ihm die "Sprachpolizei" weder das Schnitzel noch das Wort selbst weggenommen hat. Er versteht nicht, warum er den Begriff nicht mehr sagen sollte. Schließlich sei das ja etwas Gutes, genauso wie ein Amerikaner und ein Berliner.

Bücker will ihm deutlich machen, dass es Menschen gibt, die es verletzt, wenn er das Wort gebraucht. Hahne fühlt sich gleich von ihr angegriffen. Er sei kein Rassist. Sie stellt klar: Er benutze rassistische Sprache. Und es würde ihm sicherlich nicht weh tun, das Wort nicht mehr zu benutzen: "Herr Hahne sitzt doch nicht abends auf dem Sofa und weint."

Nein, das tut er schon bei Maischberger. Als es um einen Plüsch-Osterhasen am Kreuz geht, ein Foto eines Beitrags aus der Satiresendung Heute Show. Es tue ihm weh, wenn man sich über seine Religion lustig mache. "Sie sind genauso empfindlich, wie die, die sie kritisieren", sagt Schröder. Hahne sagt, es sei subjektiv, was verletzt. Spätestens jetzt sollte er überdenken, ob er weiterhin das Wort "Zigeunerschnitzel" gebraucht. Denn Bücker hat ihn schon am Anfang der Sendung darauf hingewiesen, dass einige Menschen das als beleidigend empfinden.

Nach einer Debatte über Diskriminierung in Kinderbüchern, bei der sich fast alle einig sind, Begriffe wie "Neger" in den Büchern stehen zu lassen, weil es zeigt, wie Menschen in der Vergangenheit gedacht haben, folgt ein Exkurs nach Saarbrücken zu Marlies Krämer. Die Feministin wollte durchsetzen, von ihrer Bank als Kundin und nicht als Kunde anerkannt zu werden. "Mit der sprachlichen Ausgrenzung beginnt die patriarchalische Ausbeutung von Frauen", sagt sie. Bushido kommentiert das Engagement Krämers ziemlich plump: Sie habe Langeweile. Die sagt wiederum etwas sehr kluges: Sprache sei Ausdruck von Denken, Fühlen, Reden, Tun und Handeln.

Bushido verurteilt Kollegah und Farid Bang

Nach 45 Minuten geht es dann um das Aufhänger-Thema. Bushido, der sich im Vorfeld der Sendung eher auf die Seite der Rapper Kollegah und Farid Bang gestellt hatte, verurteilt sie für ihre antisemitischen Texte. Sie hätten eine moralische Grenze überschritten. Er glaube aber nicht, dass das einen antisemitischen Hintergrund habe. Dagegen protestiert Schröder. Für ihn sei es ganz klar Antisemitismus und belegt es auch an anderen Texten der Rapper.

Besonders peinlich wird es dann zum Ende der Sendung für Bushido, als er seine eigenen Texte verteidigt. Die beinhalten unter anderem Beleidigungen, die sich zum Beispiel an Frauen richten. Das sei für ihn aber Rap und Kunst. Er hat auch direkt eine Antwort darauf, warum das die Anwesenden nicht verstehen: Sie kämen nicht dort her, wo solch eine Sprache Alltag wäre.

(eler)
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